Nr. 26, 9. November 2001
Die Früchte von
zwanzig Jahren Sozialismus
Frankreich im Niedergang
Das Magazin der renommierten französischen Tageszeitung «Le Figaro» veröffentlichte am 8. September 2001 einen bemerkenswerten Bericht, den wir nachstehend in deutscher Über- setzung leicht gekürzt wiedergeben.
Im Rahmen seiner Ansprache vom 14. Juli (Nationalfeiertag) löste der französische Präsident mit einer Information, die vorher nur «Le Figaro» publiziert hatte, Überraschung aus: In Europa ist der Franzose ein armer Mann. Gemessen am Vermögen pro Einwohner belegt Frankreich im Jahr 2000 in der EU den 12. Platz (von 15). Die zuständigen amtlichen Stellen, die zunächst diese harte Tatsache dementiert hatten, mussten sie schliesslich zugeben. Alle Europäer mit Ausnahme der Spanier, der Portugiesen und der Griechen sind wohlhabender, und diese drei Länder nähern sich den Franzosen mit grossen Schritten. Diese Ohrfeige ist für unsere «Eliten» derart gewaltig, dass sie es vorziehen, darüber zu schweigen und die Legende von Frankreich als europäische Lokomotive aufrechtzuerhalten. Was die Medien betrifft, handelt es sich um einen Fall der Desinformation durch Schweigen. Unser Lebensstan- dard wurde durch 20 Jahre absurder Linkspolitik richtiggehend sabotiert.
Wie ein armes Land
1980, vor der
Wahl von Mitterrand, belegten wir den 5. Platz; vor uns lagen nur die Schweden,
die Dänen, die Luxemburger und die Deutschen. Innerhalb von 20 Jahren
einer harten Linken und einer weichen Rechten wurde der Franzose von den Engländern,
den Belgiern, den Holländern, den Irländern, den Österreichern,
den Finnen und den Italienern überholt. Viele wollen das nicht glauben,
obwohl die Fakten durch Eurostat, das europäische statistische Institut
eindeutig erstellt sind. Wenn man in den vornehmen Quartieren von Paris oder
in Deauville, St.Tropez lebt, wenn man ein Vermögen gebildet hat, Grundstücke
besitzt, im Genuss einer komfortablen Rente ist oder eine sichere, gut bezahlte
Stelle hat, ist man natürlich mit der Armut nicht konfrontiert. Diejenigen,
welche die Tatsachen nicht glauben wollen, sollten sich einmal in Städte
wie Roubaix oder die Vororte von Marseille und Lyon begeben. Sie würden
dann sehen, dass Frankreich in gewissen Aspekten einem armen Land gleicht.
Die Franzosen bezahlen heute ihr Stimmverhalten zugunsten der Linken. Die
Rechnung bläht sich unglaublich auf. Sie glaubten, sie könnten die
ökonomischen Gesetze übergehen; sie werden aber heute davon eingeholt.
Sie haben Unterstützungen aller Art ermutigt und das Sparen sowie die
Arbeit entmutigt. Sie glaubten, wir seien genügend reich, um vorzeitige
Pensionierungen zu fördern, den Staatsapparat aufzublähen und gleichzeitig
Millionen von armen Einwanderern aufzunehmen, zu pflegen und nach Möglichkeit
zu bilden. Sie haben das Privateigentum verachtet. Unverantwortliches Verhalten
hat seinen Preis. Dieser wird geradezu explodieren, wenn unser System der
Altersvorsorge zusammenbricht und damit auch der Lebensstandard von Millionen
pensionierter Menschen.
Die «Rechnung Jospin» wird dramatisch sein. Der Kurs des Euro und das Wachstum der Weltwirtschaft haben Sozialkosten, die sich Frankreich mittelfristig nicht leisten kann, verdeckt: universelle Kranken- versicherung, 35-Stunden-Woche etc. Frankreich, früher ein beschauliches und wohlhabendes Land, ist heute voller Gewalt und von Niedergang geprägt. Und viele Zeichen deuten darauf hin, dass sich diese negative Entwicklung noch akzentuieren wird.
Übersetzung: Dr. Ernst Walder