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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer
am 26. November 1999 zum Thema Experten im VBS

Der Experte

Es gibt Bundeshaus-Neuigkeiten, die selbst dem vermeintlich Abgebrühten nur noch
ungläubiges Staunen zu entlocken vermögen: So, wenn das Verteidigungsministerium
zur Erarbeitung einer «Vollkostenrechnung» der Landesverteidigung einen angeblich
«unbezweifelbare Glaubwürdigkeit» ausstrahlenden Experten engagiert.

Dass dieser Experte mit Beruf Historiker mit der Technik der Vollkosten-Berechnung wahr-
scheinlich weit weniger vertraut ist als ein Finanzexperte, mag dabei noch angehen. Schlech-
terdings umwerfend aber ist die Person, auf welche die Wahl des Departements Ogi gefallen
ist. Sein «glaubwürdiger Experte» heisst Peter Hug. Wahrlich kein Unbekannter! Peter Hug ist
der eigentliche Vordenker der Armee-Gegner, der Gegner einer eigenständigen Landesverteidi-
gung. In der «Arbeitsgemeinschaft für Rüstungskontrolle und ein Waffenausfuhrverbot» ist er
die federführende Figur für die hängige, abstimmungsreife Armee-Halbierungsinitiative. Ob ihm
dieses Engagement beim VBS den Ruf besonderer «Glaubwürdigkeit» sichert?

Nicht genug damit: Peter Hug ist ausgerechnet jener Junghistoriker, der zum Auftakt der unser
Land so schwer treffenden Holocaust-Affäre alt Bundesrat Kurt Furgler aufs schwerste belastet
hat: Furgler habe Vermögenswerte osteuropäischer Holocaust-Opfer - so behauptete Hug - ei-
genmächtig umgeleitet und dabei erst noch das Parlament bewusst hintergangen. Vorwürfe,
die - als sich Furgler begreiflicherweise wehrte - als völlig haltlos in sich zusammenfielen! Aber
der Verantwortliche für diese ebenso charakterlosen wie haltlosen, unserem Land schweren
Schaden bereitenden Anklage wird jetzt VBS-Experte zwecks Erstellung einer «Vollkosten-
rechnung der schweizerischen Landesverteidigung»!

Was Peter Hug vom Parlament hält, hat er anlässlich der Ausarbeitung des Kriegsmaterial-
und des Güterkontrollgesetzes ungeschminkt wie folgt formuliert: «Vertuschen, verschleiern,
herunterspielen und wegschauen. Das Parlament ist auf dem besten Weg, heute in bezug auf
die widerlichen Kriegsgewinne von Waffenschiebern und Rüstungsexporteuren dieselbe Politik
zu machen, die sich der Bundesrat während und nach dem Zweiten Weltkrieg leisten zu kön-
nen glaubte. Dazu sind die aktiven Hilfsdienste für jene gekommen, die über Leichen hinweg
ihr Geschäft machen wollen» Und in der Bergier-Kommission, die ihn ebenfalls als Experten
beigezogen hat, sieht Hug die «einmalige Chance», endlich mit dem Mythos der Réduit-
Schweiz aufzuräumen.

In der Tat: Wer eine Figur wie Armeegegner Peter Hug als «Glaubwürdigkeit verkörpernden»
Experten ins Verteidigungsministerium beruft, der muss wahrhaftig von allen guten Geistern
verlassen sein!

Ulrich Schlüer

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