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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 5. November 2004

"Flankierende Massnahmen" zu den Bilateralen II
Der Verrat der Linken

Die SP will in die EU. Auch die Gewerkschaften wollen in die EU. Unbedingt! Nur im Rahmen der EU - glaubt die Linke - könnten jene Massen mobilisiert werden, welche sie, die Linken, endlich auch in der bisher noch immer leidlich freiheitlichen Wirtschaftsordnung an die Macht schwemmen könnten.
Natürlich nicht die Linken insgesamt. Nur die linken Funktionäre. Darum kämpfen die linken Funktionäre - in SP und Gewerkschaften - so verbissen für den EU-Beitritt. Derzeit wollen sie - als Etappe - den Schengen-Beitritt. Weil die Schweiz mit einem Schengen-Beitritt ihre Souveränität im Bereich
der inneren Sicherheit preisgeben müsste. Ein Land, das nicht mehr eigenständig für die Sicherheit seiner Bevölkerung sorgt, ist nicht mehr wirklich unabhängig.

Um das zu erreichen, erklärt sich die Linke bereit, «Kröten zu schlucken» - so sagen es die linken Funktionäre. Was sie nicht sagen: Sie sind zu noch viel mehr bereit. Sie sind dazu bereit, die Schweizer Arbeitnehmer zu verraten, existenzbedrohend zu verraten. Auch die Linken wissen genau: Wenn das Hochlohnland Schweiz seine Grenzen öffnet (Stichwort: «Personenfreizügigkeit») für Arbeitskräfte aus Niedriglohn-Ländern, wo allenfalls gar noch hohe Arbeitslosigkeit herrscht, dann geraten die hohen Löhne hierzulande massiv unter Druck. Nun gibt die Linke lautstark - sie mobilisiert dafür gar die Strasse - vor, sie wolle die hohen Löhne hiesiger Arbeitskräfte schützen. Mit sogenannt «flankierenden Massnahmen». Die Arbeitnehmer scheinen diesen hohlen Versprechungen zur Zeit noch zu glauben. Als könnte man hohe Löhne bei offenen Grenzen per Dekret schützen.

Wenn hohe Löhne in der Schweiz mittels Staatseingriffen zementiert werden, wandern - dieser Prozess kann derzeit in drastischem Ausmass in Deutschland beobachtet werden - ganz einfach die Arbeitsplätze über die offenen Grenzen an billigere Produktionsorte ab. Sonst gehen die Unternehmer vor ihrer Konkurrenz unter. Resultat: Es gäbe dann in der Schweiz zwar noch auf hohem Niveau zementierte Löhne. Bloss keine Arbeit mehr. Das weiss jedermann, der die Gesetzmässigkeit von «freiem Personenverkehr» bei offenen Grenzen auch nur oberflächlich studiert hat. Das wissen auch die hiesigen Gewerkschafter. Sie sagen es nur nicht. Weil sie unbedingt, buchstäblich um jeden Preis, in die EU wollen. Auch zum Preis des schnöden Verrats an allen Arbeitnehmern.

Wenn es um Macht geht, sind die linken Funktionäre zu allem bereit. Auch zum Verrat der Arbeitnehmer, ihres Fussvolkes.


Ulrich Schlüer


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