Nr. 25, 26. September 2003
Steuererhöhungen
retten Bundeshaushalt nicht
Schuldenwirtschaft Schweiz: Noch korrigierbar?
Von Alfred Böni, Wollerau SZ
Steuern, Abgaben und
Gebühren werden laufend erhöht. Und dennoch wachsen die
Schulden der öffentlichen Hand. Die Ausgaben der Sozialversicherungen
laufen
aus dem Ruder. Deren Finanzierung ist nicht gesichert.
In der Schweiz gibt die öffentliche Hand heute mehr als fünfzigmal mehr aus
als 1950; in der gleichen Zeit ist das Volkseinkommen nur rund zwanzigmal
höher geworden.
Die Schulden der öffentlichen Hand (Bund, Kantone, Gemeinden) betrugen Ende
2002 über 220 Milliarden Franken (Fr. 220 000 000 000.), das sind mehr als
dreissigtausend Franken pro Kopf der Bevölkerung (Säuglinge inbegriffen).
Die Schweiz steht vor einem finanziellen Scherbenhaufen. Eine Mehrheit von
Politikern nimmt die Verantwortung gegenüber Volkswohl und Nachkommen nicht
wahr.
Hohe Steuern hohe Defizite
Gegenüber anderen Industriestaaten sind in der Schweiz die Steuern und
Sozialversicherungsabgaben überproportional gewachsen. Dies hat allerdings
gar nichts zum Abbau der Defizite oder zur Sicherung der Sozialwerke
beigetragen. Im Gegenteil: Auch Staatsausgaben und Defizite sind
gleichzeitig überproportional gewachsen.
Leider gelingt es Regierungen und
Politikern immer wieder, mit emotional gefärbten Begründungen höhere
Einnahmen für die öffentliche Hand durchzusetzen. Einmal wird die Gefährdung
der Sozialwerke beschworen, ein anderes Mal wird zwecks Sanierung der
öffentlichen Finanzen um Mehreinnahmen (garniert mit fadenscheinigen
Sparvorschlägen) geworben. Und immer
wieder werden «verursachergerechte Gebühren» (ohne dass Steuern gesenkt
würden) gefordert. Beliebt ist auch, mit Umweltschutz- und
Gesundheitspostulaten mehr Geld einzufordern. Werden solche
Geldbeschaffungs-Vorlagen bekämpft, sind massive Vorwürfe wegen angeblich
«unsozialem Verhalten», «Vernachlässigung von Umweltbedürfnissen» oder
«Tolerierung der Schuldenwirtschaft» sofort zur Hand.
Auch die vom Bundesrat anvisierte Verteilung von angeblich überschüssigen
Währungsreserven der Nationalbank an Bund und Kantone ist finanzpolitisch
fragwürdig. Denn eines zeigt die Erfahrung weltweit: Mit höheren Steuern,
mit höheren Einnahmen für die öffentliche Hand konnten überschuldete
Finanzhaushalte noch nie saniert werden. Es ist ein Irrglaube, über höhere
Steuern und Abgaben die Finanzprobleme lösen zu wollen. Die Gesundung der
Staatsfinanzen kann nur über tiefere Steuern, Abgaben und Gebühren und damit
verbundenen Ausgabenreduktionen erfolgen. Dieses Vorgehen allein bringt
höheres Wirtschaftswachstum und in der Folge auch wieder mehr
Steuereinnahmen.
Hohe Staatsausgaben sind volkswirtschaftlich schädlich
Der Anteil der Ausgaben der öffentlichen Hand am Bruttoinlandprodukt (BIP,
entspricht dem Total des inländischen Volkseinkommens) betrug 1960 knapp
zwanzig Prozent. Inzwischen ist er auf über fünfzig Prozent gestiegen. Das
heisst, dass der Bund, die Kantone, die Gemeinden und die
Sozialversicherungen heute zusammen über jeden zweiten erarbeiteten Franken
(1960 war es noch jeder fünfte) verfügen. Anders formuliert: Der Bürger muss
das halbe Jahr allein für Steuern und Zwangsabgaben arbeiten. Dem Bürger
selbst bleibt immer weniger zum Leben.
Die Staatsgläubigen sind der Ansicht, dass der Staat mit dem Geld besser
umgehen könne als der Bürger selbst. Deshalb wird der Bürger vom Staat immer
massiver entmündigt. Die enorme und vielfach unproduktive
Umverteilungsmaschinerie hemmt indessen Wirtschaft, Wachstum,
Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft. Das eigenverantwortliche,
freiheitliche Handeln und Schaffen wird immer stärker eingeschränkt. Den
Unternehmen, insbesondere den KMU, stehen folglich immer weniger Mittel zur
Verwirklichung ihrer Vorhaben zur Verfügung.
Es ist mehr als bloss fraglich, ob Beamte mit dem Geld der Bürger besser
umzugehen wissen, also eine höhere Wertschöpfung erzielen als mündige
Bürger, die sich in Freiheit voll und innovativ entfalten können. Der stark
wachsende Staatsanteil am Volkseinkommen hat dazu geführt, dass unsere
Wirtschaft kaum mehr wächst. Heute müssen rund fünfzig Prozent (1960 achtzig
Prozent) der Wertschöpfenden die wirtschaftlichen und konjunkturellen Zyklen
auffangen und absorbieren.
Einst hochgelobte Sozialstaaten wie Schweden und Holland haben die Schwächen
eines zu hohen Staatsanteils schmerzhaft zu spüren bekommen. Wegen des zu
hohen und nicht bezahlbaren Ausbaus des Sozialstaates wurden diese beiden
Länder mit hoher Arbeitslosigkeit bei sehr schwachem Wachstum konfrontiert.
Dazu kam die Abwanderung von Unternehmungen und Personen, denen die
staatliche Belastung zu hoch wurde. Erst nach mehrjähriger schmerzhafter
Sanierung der Staatsfinanzen verbesserte sich die Wirtschaftslage wieder.
Im Interesse einer gesunden und erfolgreichen Volkswirtschaft müssen
ähnliche Fehlentwicklungen auch in der Schweiz rechtzeitig gestoppt werden.
Die Staatsquote (Gesamtausgaben des Staates am BIP) muss mittels Reduktion
der Ausgaben und Steuern gesenkt werden.
Finanzpolitische Wende nötig!
Die heutige Finanzpolitik ist zu stark auf die Erhaltung bestehender
Strukturen in Wirtschaft und Gesellschaft ausgerichtet. Statt bessere
Rahmenbedingungen für die Schweizer Wirtschaft zu schaffen, lassen sich zu
viele unserer Politiker und Beamten vom Zentralismus und von den Aktivitäten
in der EU blenden! Unter dem Stichwort «Steuergerechtigkeit» werden national
und international Steuerharmonisierungen und Angleichungen (Stichwort:
«Neuer Finanzausgleich» mit schädlicher Steuerharmonisierung; zweites
Stichwort: die der EU zugesagte «Zahlstellensteuer») gefordert. Dazu kommt,
dass das Umverteilen von Einkommen und Vermögen noch immer ganz oben auf der
Beliebtheitsskala von vielen Politikern steht. Eine Politik, die auf
raschestem Weg die Herabnivellierung schweizerischer Einkommen auf EU-Niveau
bewirken wird.
Das Schröpfen der Bürger mittels exzessiver Umverteilungspolitik muss ein
Ende haben! Mit Steuersenkungen und Deregulierungen muss dem
Wirtschaftswachstum mehr Sauerstoff vermittelt werden. Das Arbeiten muss
sich wieder lohnen; es dürfen nicht jene bestraft
werden, die überdurchschnittliche Leistungen erbringen und Wachstum
generieren. Nichtstun und Schwarzarbeit
sind keine Alternativen. Der Rückgang der Leistungsbereitschaft schadet dem
Wachstum, was jedermann spätestens seit 1990 verfolgen kann. Die
Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft nimmt ab, und die
Steuereinnahmen gehen zurück.
Die Schweiz ist gut beraten, eine Kehrtwende in ihrer Finanzpolitik (das
Steuerpaket des Bundes geht in die richtige Richtung) rasch und konsequent
vorzunehmen und die früheren Standortvorteile unseres Landes wieder
konsequent zu pflegen und zu stärken. Nur auf solchem Weg kann der
schweizerische Wohlstand erhalten und ausgebaut werden. Die Wählerinnen und
Wähler nicht nur jene im Kanton Schwyz können am 19. Oktober 2003 die
Weichen stellen, in welche Richtung sich die schweizerische Finanz- und
Wirtschaftspolitik entwickeln soll.
Alfred Böni