Nr. 25, 2. November 2001

Après moi le déluge
Wie lange fliegt die Rega noch?

Von seinem äusseren Auftreten her ist Hannes Goetz, 67, Ex-VR-Präsident der bauchgelande- ten SAir-Group, eine imposante Erscheinung. Gross, hager, volle, graumelierte Haare, vermit- telt den Eindruck eines Grandseigneurs, der das Credo «vivre et laisser vivre» in seinem Banner trägt. Der Eindruck täuscht! Zwischen seinem weltmännischen Gehabe und seiner geistig-moralischen Gesinnung herrscht eine Diskrepanz, die das wahre Wesen von Goetz in aller handlungsmässigen Mickrigkeit voll durchschlagen lässt.

Acht Jahre lang, von 1992 bis 2000, agierte Goetz als VR-Präsident der SAir-Group und ritt sie in Teamarbeit mit dem Rest des «Versagerrates» in die monumentale Pleite. Abertausende von Klein- aktionären verloren ihr Erspartes. Eigentlich Grund genug, möchte man meinen, in sich zu gehen und etwas bescheidener aufzutreten. Aber, nein, Goetz hat nichts dazugelernt und noch weniger begriffen! Anders ist nicht zu erklären, woher er die nicht zu toppende Frechheit nimmt, wie folgt zu handeln: Da steht dieser Mann völlig unverfroren am Swissair Gate A81 und lässt sich sein Flugticket im Wert von 5'526 Franken für den Flug nach New York aushändigen. Er fliegt Business-Class und er fliegt gratis! Goetz hat absolut keine Hemmung, die traurigen Restbestände jenes Unternehmens weiterhin für seine private Nutzung anzuzapfen, für dessen Niedergang (nebst nationaler Schande) er mitverantwortlich war.

Man fragt sich, was all die Kleinaktionäre, die ihr Geld verloren haben, davon halten mögen, dass Goetz weiterhin jene Gratis-Dienste der maroden Swissair voll ausnutzt, die sich die Herren damals selbst zuschanzten. Hatten wir seinerzeit noch geglaubt, die Millionen-Abfindungsforderung von Ex-SAir-Boss Eric Honegger zu Lasten unserer ausgebluteten nationalen Fluggesellschaft sei in ihrer monströsen Geldgier nicht zu überbieten, so belehrt uns Goetz eines Besseren: Lässt sich herumfliegen, zahlt keinen Rappen, schämt sich nicht und wird das Ganze wohl auf dieselbe Art abtun, wie er immer reagiert, wenn was schief ging: dröhnendes Lachen, künstlich souveränes Gehabe ­ und rasches Entfernen vom Tatort, majestätischen Schrittes.

So wie vor dem SAir-Flop, als er, ebenfalls als VR-Präsident, mit einer Basler Architekturfirma in die Pleite rauschte. Nach der SAir-Bruchlandung fand er, talentierter VR-Nistplatzsucher der er ist, bereits einen neuen «Landeplatz»: Seit 1. Juni 2000 ist er Präsident des Stiftungsrates der Rega, und etwas angstvoll fragen wir uns: «Wie lange fliegt die Rega noch?»

(Gelesen im «Bülacher Trichter» des Neuen Bülacher Tagblatts, 27. 10. 2001)