|
Nr.
24, 19. November 1999
Die
Wirtschaft hat wenig Vertrauen in die rot-grüne Regierung
Arbeitslosigkeit in Deutschland
Trotz positiver Entwicklung verschiedener Konjunkturindikatoren verzeichnet
Deutsch-
land eine erschreckend hohe Langzeitarbeitslosigkeit. Die Aussichten auf
eine Besse-
rung sind schlecht.
Der
bisher eher sprunghaften Reformpolitik der Bundesregierung ist es nicht
gelungen, ein Kli-
ma des Vertrauens zu schaffen, um die Arbeitslosenzahlen signifikant unter
die Marke von vier
Millionen zu drücken. In der Wirtschafts-, Steuer- und Sozialpolitik spielt
die Psychologie eine
grosse Rolle. Anders ausgedrückt: Ohne eine positive Erwartungshaltung
der Marktteilnehmer
läuft nichts. Genau hierin liegen bisher jedoch die Defizite rot-grüner
Politik.
Stellenabbau
im Osten
Dennoch
ist Bewegung im Arbeitsmarkt. Während die Beschäftigung in Westdeutschland
seit
geraumer Zeit langsam, aber kontinuierlich steigt (August 2,622 Millionen Arbeitssuchende,
22'145 weniger als im Vorjahr), verläuft die Entwicklung in den neuen
Ländern genau entgegen-
gesetzt. Dort hält der Trend zum weiteren Stellenabbau unvermindert an,
wobei sich verschär-
fend auswirkt, dass Entlassungen in der Bauwirtschaft sowie die «Flurbereinigung»
in der öffent-
lichen Verwaltung mit dem Auslaufen zahlreicher Arbeitsbeschaffungsmassnahmen
und der all-
gemeinen Konjunkturflaute zusammentreffen.
Zurückhaltende
Konsumenten
Zu
denken gibt, dass sich wieder einmal alle Hoffnungen auf den Export konzentrieren.
So er-
freulich es einerseits ist, dass die von Asien ausgegangene Weltwirtschaftskrise
laut Experten-
meinung weitgehend überwunden ist und die neu entfachten globalen Wachstumskräfte
im Ver-
bund mit einem schwachen Euro für reichliche Auslandsbestellungen in der
deutschen Industrie
sorgen, so bedenklich muss andererseits die abermalige Exportlastigkeit
stimmen: Solange die
deutschen Konsumenten ihre Zurückhaltung beibehalten, bleiben Konjunktur
und Wirtschaft ex-
trem anfällig. So lässt sich die Bundesbank denn auch - anders als das
äusserst optimistische
Deutsche Institut für Wirtschaft (DIW) oder die unisono Zuversicht verbreitenden
Chefvolkswirte
der Grossbanken (Wachstumsprognose für 2000 von bis zu plus drei Prozent)
- keine konkre-
ten Zahlen entlocken, obwohl die Frankfurter Notenbanker ebenfalls eindeutig
positiv gestimmt
sind.
Diesen
Zusammenhang sieht der Internationale Währungsfonds (IWF) nicht. Als einziges
EU-
Mitglied wurden in dem jüngsten World Economic Outlook (WEO) die Schätzungen
für Deutsch-
land heruntergestuft. Nach Ansicht des IWF wird das Wachstum in diesem
Jahr mit 1,4 Pro-
zent und nach der Jahrtausendwende mit 2,5 Prozent am unteren Ende der
Erwartungen liegen.
Begründung: Trotz der eingeleiteten Konsolidierung der Staatsfinanzen
wachse die Verschul-
dung weiter, die Steuerlast sei im internationalen Vergleich immer noch
zu hoch, und die wei-
terhin bestehenden strukturellen Defizite würden den Rückgang der
Arbeitslosigkeit hemmen.
In
das gleiche Horn stösst auch eine Studie der Organisation für wirtschaftliche
Entwicklung
und Zusammenarbeit (OECD), die besagt, dass vier Fünftel der Arbeitslosigkeit
in Deutschland
struktureller Natur seien. Im Klartext: Ein konjunktureller Aufschwung
leitet noch lange keine
nachhaltige Trendwende am Arbeitsmarkt ein.
NID
**Zurück
zum Inhaltsverzeichnis der Ausgabe Nr. 24 vom 19. November 1999**
|