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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 28. August 2008

Flaschenhalter

Pascal Couchepin pocht auf Anstand – wenn ihn nicht gerade die Lust übermannt, politische Gegner mit Mengele- und Duce-Vergleichen einzudecken. Jetzt gerade spielt er den Weisswäscher. Dass Bundesrat Schmid dem Regierungskollegium, als er Roland Nef zur Wahl als Armeechef vorschlug, ein hängiges Strafverfahren unterschlagen hatte, sei ein «Unfall» gewesen. Auch die vor der Wahl unterlassene Sicherheitsrisiko-Abklärung zu Nef will Couchepin als «Betriebsunfall», wie er immer wieder vorkommen könne, abbuchen.

Die katastrophale Führungsunfähigkeit im Departement Schmid kümmert offenbar kein Mitglied in der Landesregierung. Lieber lassen sie die Armee vollends zugrunde gehen, als dass durch den unausweichlich gewordenen Rücktritt des Versagers Schmid eine Möglichkeit eröffnet würde, dem führungserfahrenen und sachkompetenten Christoph Blocher die Rückkehr in die Landesregierung zu gestatten. Der Bundesrat degeneriert in seiner panischen Furcht vor mehr Kompetenz zum «Flaschenhalter».

Vor diesem beklagenswerten Hintergrund droht eine Partei, deren Treue zur Landesverteidigung seit Jahrzehnten sprichwörtlich ist, sie werde (mit Ausnahme der für die Landesverteidigung unabdingbar notwendigen Gelder) keine Rüstungskredite mehr bewilligen, solange der völlig überforderte Schmid dem VBS vorstünde. Die Medien riechen den Braten: Sie motivieren insbesondere in Namensnöten steckende Freisinnige zu demonstrativer Abscheu…

Die Schweiz steht vor einem der teuersten Rüstungsgeschäfte – der Erneuerung ihrer Kampfflugzeug-Flotte. Glaubt denn in diesem Land irgend jemand im Ernst, diese Vorlage sei erfolgreich durch eine Volksabstimmung zu bringen, solange Schmid an der Spitze des von notorischem Führungschaos durchgeschüttelten VBS steht? Nie und nimmer! Wer unsere Flugwaffe wirklich erneuern, wer unserer Armee zeitgemässe Rüstung sichern will, für den gibt es derzeit nur eine Priorität: Schmid muss weg! Ohne Verzug! Erst wenn das Führungschaos im VBS – derzeit von Flaschenhaltern noch halbwegs gedeckt – überwunden ist, können schwierige Abstimmungen wieder gewonnen werden.

Man darf die Hoffnung nicht aufgeben, dass dieser Zusammenhang einem zwar nicht abgewählten, vor über zwei Jahrzehnten nach Kürzest-Amtszeit indessen gescheiterten, inzwischen zum bärbeissigen Leserbriefschreiber gegen die SVP mutierten Ex-Bundesrat aus Winterthur vielleicht sogar eines Tages leise zu dämmern beginnt.

Ulrich Schlüer

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