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Nr.
23, 5. November 1999
HIPPOKRATES
Gutzwiller ante Portas
Der umtriebige Rauschgiftlegalisierer hat jetzt ein politisches Amt
Am vergangenen
Wahlsonntag durfte nicht nur die SVP jubeln. Gejubelt hat mit Si-
cherheit auch die ehemalige Zürcher Stadträtin Emilie Lieberherr,
SPlerin und Vorrei-
terin für die schleichende Drogenlegalisierung in unserem Land. Jubeln
konnte sie,
weil ihr drogenpolitischer Ziehsohn, FDP-Drogenstratege Felix Gutzwiller,
nun end-
lich nach Bern in den Nationalrat gewählt wurde.
Dreimal musste der
smarte Präventionsmediziner Anlauf nehmen, um zu höheren politischen
Weihen zu gelangen. Nun hat es endlich geklappt. Gutzwiller steht vor
den Toren des Bundes-
hauses und erhält Einlass. Starthilfe für seine nationalrätliche
Karriere bekam er dabei auch
von der umtriebigen Sozialdemokratin, die 1991, bei Gutzwillers erstem
Anlauf nach Bern, als
Stadträtin das Komitee «Prof. Gutzwiller in den Nationalrat»
zierte.
Hansdampf
Wo Gutzwiller hinkommt,
werden Drogen legalisiert. Ob Spritzenabgabe, Fixerräume oder
Heroinabgabe - der freisinnige Präventions(!)-Professor (Duden: Prävention
= Vorbeugung, Ab-
schreckung) ist immer mit von der Partie. Um sein Ziel, die breite Heroinabgabe
sowie die Ent-
kriminalisierung von Konsum und Handel zu erreichen, hat Gutzwiller sich
zu einem der effi-
zientesten Drahtzieher der nationalen Legalisierungslobby entwickelt.
Seine eigene Partei,
die FDP, die bis vor einigen Jahren der Drogenlegalisierung noch zu gros-
sen Teilen skeptisch gegenüberstand, hat er inzwischen auf Legalisierungskurs
getrimmt und
in die Hände der SP getrieben. Unter dem verschleiernden Deckmantel
des sogenannten «Drit-
ten Weges» feilte Gutzwiller in federführender Position am
drogenpolitischen Papier von FDP,
SP und CVP mit. Ein Papier, das sich vor allem durch seine extremen drogenpolitischen
For-
derungen auszeichnete, von denen sich die CVP alsbald schrittweise distanzieren
musste.
Daneben brachte er den freisinnigen Präsidenten Franz Steinegger
auf die «liberale», sprich
drogenverharmlosende Linie. Zudem forderte Gutzwiller das «Notrecht
für die Heroinabgabe»
und prägte als einer der ersten den Begriff «Heroin für
die Therapie». Der Vorbeugungsmedizi-
ner von der Universität Zürich spannte jedoch nicht nur seine
Partei vor den Liberalisierungs-
karren. Als Berater wirkte er auch am sogenannten «Elfpunkteprogramm»
mit, mit dem einige
nationale Wirtschaftsgrössen, von denen nicht bekannt ist, dass sie
auch nur einen einzigen
Rauschgiftsüchtigen in ihren Firmen angestellt hätten, dazu
gebracht wurden, ebenfalls der
Rauschgiftfreigabe das Wort zu reden.
Damit nicht genug:
Als Stiftungsrat von Pro Juventute ist er mit dafür verantwortlich,
dass die
Stiftung, deren Ziel das Wohl von Kindern, Jugendlichen und Familien sein
soll, unter Aufbie-
tung massiver personeller und finanzieller Mittel in den Abstimmungskampf
gegen die Volks-
initiative «Jugend ohne Drogen» eingriff.
Wolf im Schafspelz
Gutzwiller ist arenatauglich.
Nach aussen gibt er sich moderat und professoral. Er ist jedoch
ein Wolf im Schafspelz. Fühlt er sich nicht im Rampenlicht stehend,
kommen ihm seine wah-
ren drogenpolitischen Ansichten locker von der Lippe. So erklärte
er im Vorfeld der «Droleg»-
Initiative, die eine komplette Freigabe aller Rauschgifte zum Ziel hatte,
in der Zürcher Roten
Fabrik, einem linksalternativen Treffpunkt, anlässlich einer Podiumsdiskussion
unumwunden,
dass sich seine drogenpolitischen Ziele nicht von der «Droleg»-Initiative
unterscheiden, doch
wolle er bei der Umsetzung dieser Ziele aus taktischen Gründen nicht
so schnell vorgehen.
International isoliert
Unter dem Deckmantel
des freisinnigen, bürgerlichen Politikers mit Professorentitel ist
seinen
drogenpolitischen Ränkespielen in heimischen Gewässern bislang
meist Erfolg beschieden ge-
wesen. Sobald er sich jedoch internationaler Kritik stellen muss, bricht
seine Fassade rasch
zusammen.
Als einer der Hauptverantwortlichen
für die wissenschaftliche Begleitung und Auswertung der
hiesigen Heroinabgabe bekam Gutzwiller das jüngst zu spüren.
Von einem unabhängigen Ex-
pertengremium der Weltgesundheitsbehörde wurde die Heroinabgabe in
der Luft zerrissen: wis-
senschaftlich nicht haltbar, lautete das ernüchternde Fazit der internationalen
Experten.
Ziel: Drogenlegalisierung
Doch ungeachtet dessen,
wird Gutzwiller weitermachen. Wer dreimal Anlauf nimmt, hat ein
Ziel vor Augen, von dem er so schnell nicht ablassen wird. Gutzwillers
Ziel heisst Drogenlega-
lisierung. Sein Vehikel dafür ist die anstehende Revision des Betäubungsmittelgesetzes.
Von
einer sozialdemokratischen Walküre zur anderen weitergereicht, wird
er sich dabei als guter,
zuverlässiger und nützlicher Vasall von Bundesrätin Ruth
Dreifuss in Szene setzen und sich
für die Entkriminalisierung des Konsums und Handels aller Rauschgifte
- Variante 1 des Ver-
nehmlassungsentwurfs - stark machen. Es wird sich zeigen, ob sich die
neu zusammenge-
setzte bürgerliche Mehrheit in der Grossen Kammer von Gutzwiller
blenden und einlullen las-
sen wird. Mit dem Wahlsieg der SVP ist zwar die abstinenzorientierte Position
in der Schwei-
zer Drogenpolitik gesamthaft gestärkt worden. Mit dem Einzug Gutzwillers
in den Nationalrat
haben die Rauschgiftlegalisierer in der FDP jedoch eine Stärkung
erfahren. Wie in anderen Be-
langen steht der Freisinn auch in der Drogenpolitik vor entscheidenden
Fragen. Er muss Farbe
bekennen, mit wem er es halten will!
Hippokrates
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