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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 15. August 2008

Windbeutel sucht Windbeutel

Mehrheitsbeschaffer zur Abwahl Christoph Blochers aus dem Bundesrat war im vergangenen Dezember CVP-Chef Christophe Darbellay. Inzwischen scheint dieser Mit-Drahtzieher gewahr zu werden, was das Komplott gegen Blocher der Schweiz beschert hat: Der Tüchtige, Kompetente, seinem Amt vollauf Gewachsene wurde aus der Landesregierung verdrängt. Der erbärmlich Untüchtige, der allerdings im Intrigenspiel gegen Blocher wacker mitgemischt hat, muss dagegen im Amt gehalten werden – selbst wenn die Schweizer Armee darob bald existenzbedrohenden Schaden nimmt. Der Gesamtbundesrat sieht sich, um sich mit dem Untüchtigen vor der Rückkehr Blochers zu schützen, gar genötigt, in krampfhaftem Eifer dem haushoch überforderten VBS-Chef zuzubilligen, «völlig richtig» gehandelt zu haben, als dieser dem Gesamtbundesrat gegenüber vor der Wahl des Armeechefs jene Fakten unterschlagen hatte, die diesen Sommer zum Schmid/Nef-Desaster geführt haben.

Dass solch desaströse Politik der Landesregierung alle Glaubwürdigkeit in der Bevölkerung zu rauben droht, sieht heute offenbar selbst Christophe Darbellay ein. Weshalb er vom Komplott-Zimmerer flugs zum Windbeutel mutiert. Ausgerechnet er, ausgerechnet Christophe Darbellay rutscht jetzt vor der SVP auf den Knien – deren Rückkehr in den Bundesrat regelrecht erflehend. Die Widerlichkeit des Vorgangs ist beispiellos.

Und dann stellt der Windbeutel-Chef auch noch eine Bedingung. Der SVP-Kandidat dürfe nicht Blocher heissen. Er, Haupt der Berner Komplott-Vereinigung gegen Blocher, stellt also noch Bedingungen. Ausser Blocher sei jeder genehm. Darbellay könnte auch sagen: Windbeutel sucht Windbeutel.

Damit wird klar: Wer auf Darbellays Köder hereinfällt, wird Windbeutel-Komplize. Wer dagegen im Interesse der Schweiz der Landesregierung Tüchtigkeit und Kompetenz sichern will, der hält sich konsequent fern von Intriganten, Komplotteuren und Windbeuteln. Es ist einzig und allein Entscheid der SVP, wer das von breitesten Wählerkreisen mitgetragene SVP-Gedankengut in die Regierung einzubringen hat. Sollte sich das Parlament, wenn die SVP einen Vorschlag unterbreitet, erneut zugunsten einer Niete von Darbellays Gnaden und gegen den Tüchtigen entscheiden, dann ist es der Wähler, der anlässlich kommender nationaler Wahlen die Weichen wieder zu stellen hat. Niemand, zuallerletzt Chef-Windbeutel Darbellay ist dazu berufen, den Tüchtigsten der letzten Legislatur von Verantwortungsübernahme in der Regierung auszuschliessen. Die CVP hat kein Mandat, für unsere Regierung nur Mediokre zuzulassen.

Ulrich Schlüer

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