Nr. 22, 5. September 2003
Problematische
Einwanderungspolitik am Beispiel Basel-Stadt
Der Islam auf dem Vormarsch
Von Angelika Zanolari, Grossrätin, Basel
Einwanderungspolitik
hat nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine
kulturell-politische Seite. Für Basel bedeutet das: Der Muezzin ruft
mitten
in Kleinbasel vom Dach der ehemaligen Kaserne zum Gebet auf.
Gilt sein Aufruf nur dem
Gebet? Richtet er sich nur an die muslimischen
Einwanderer? Oder fühlt er sich auch der Hidjra, der politischen Mission
des
Islam, verpflichtet? Hidjra ist ein heiliger Begriff im Islam. Er bezieht
sich auf die Auswanderung des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina im
Jahre 622. Mit der Hidjra beginnt auch die islamische Zeitrechnung. Seitdem
ist die Hidjra auch im Sinne von Migration religiöse Pflicht
für
Muslime. Sie fördert die Verbreitung des Islam, und zwar weltweit. Ob
sich
hier wohnhafte muslimische Einwanderer der klassischen islamischen
Hidjra-Doktrin verschrieben haben?
Vorboten des Islam
Lebten 1960 erst 49 Muslime im Kanton Basel-Stadt, waren es 1990 schon 7878;
heute sind es bereits über 15 000, Tendenz steigend. Innerhalb des
islamischen Kulturkreises finden Auseinandersetzungen statt, die durch die
Migration auch nach Europa verlagert werden Machtkämpfe zwischen
liberal-reformwilligen und fundamentalistischen Strömungen. Durch die
islamische Migration werden alle Staaten Europas in diesen Konflikt
miteinbezogen. Sich als unparteiisch herauszuhalten wird schwieriger. Sowohl
fundamentalistische als auch orthodoxe Muslime sehen sich als Vorboten des
Islam in Europa. Dies ist eine schwerwiegende Herausforderung gegenüber
der
Errungenschaft der Trennung zwischen Religion und Politik. Was würde
geschehen, wenn diese Ausländer schon bald das Stimm- und Wahlrecht
erhielten, nachdem sämtliche Einbürgerungs-Schranken gefallen wären?
Es
existieren Berichte, wonach ein prominenter islamischer Fundamentalist
während mehr als fünf Jahren eine führende Rolle in der Moschee
an der
Basler Friedensgasse gespielt haben soll. Die Mehrzahl der Asylsuchenden in
der Schweiz kommt heute aus muslimischen Ländern.
Nichtmuslime nur geduldet
Die Entwicklung im Ausland ist besorgniserregend. In Deutschland,
Frankreich, England und Italien wächst unter den muslimischen Migranten
die
Zahl der Fundamentalisten. In England fordert z. B. die Gruppe «Hizb
ut-Tahrir», die in vielen muslimischen Vereinigungen an britischen
Universitäten vertreten ist, die Anwendung islamischer Gesetze überall
dort,
wo die Bevölkerung mehrheitlich muslimisch
ist. Das hiesse, in der Rechtsprechung eine Parallelstruktur zum weltlichen
Rechtsstaat zu schaffen, welche die Scharia anwenden würde. Forderungen
nach
solchen Sonderrechten werden auch bei uns nicht mehr lange auf sich warten
lassen. Würden sie Verfassungswirklichkeit, dann wäre ein Konflikt-Potential
geschaffen, das spätestens dann ausbricht, wenn die Zahl der Mitglieder
islamischer Gemeinden in Europa die 40-Millionen-Grenze überschreiten
wird
etwa im Jahr 2025. Der französische Islamist Mohamed Sabaoui gab bereits
1996 in einem Interview freimütig zu, dass Nichtmuslime in dem von ihm
angestrebten islamisch geprägten Staat höchstens den Status von
Geduldeten
hätten.
Umstrittenes Kopftuch
Ziel der baselstädtischen Integrationspolitik ist nicht die wirkliche
Integration fremdkultureller Ausländer. Man getraut sich bereits nicht
mehr,
von den Ausländern die Anpassung an hiesige gesellschaftliche Konventionen
zu verlangen. Das fängt damit an, dass man Schülerinnen das Kopftuchtragen
in den Schulen erlaubt, obwohl es selbst unter Koran-Experten höchst
umstritten ist, ob dies tatsächlich eine religiöse Pflicht oder
lediglich
ein weltlicher Brauch ist, den man gewiss nicht als frauenfreundlich
bezeichnen kann. Interessant ist, dass in der Türkei in den öffentlichen
und
privaten Schulen kein Kopftuch getragen werden darf. Basel ist
offensichtlich fundamentalistischer als die Türkei. Natürlich alles
im Namen
der Toleranz, der man bereitwillig sogar demokratische Werte opfert. Die
Diktatur der «politischen Korrektheit» verbietet jede Kritik an
Fremdem.
Der Konflikt um religiöse Werte
Wenn islamischer Religionsunterricht an öffentlichen Schulen eingeführt
werden soll, der den Schülern die Werte ihrer Glaubensgemeinschaft zu
vermitteln hätte, so muss er sich in die allgemeinen Erziehungsziele
hiesiger Schulen einfügen. Manche Werthaltungen, welche die islamischen
Lehren vermitteln, entsprechen durchaus den christlichen und demokratischen
Auffassungen und passen damit in die hiesige Rechtsordnung. Bei anderen
erscheint dies zweifelhaft. Probleme bereiten gemäss dem Freiburger
Professor René Pahud de Mortanges folgende Sachbereiche: