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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 29. September 2000
Besuch des stellvertrenden
Nato-Oberkommandierenden
250'000
Mann
Hoher Besuch in Bern: Der stellvertretende Nato-Oberkommandierende macht seine Aufwar- tung. Ein Engländer mit beeindruckender militärischer Karriere. Ein Mann mit Kriegserfah- rung: Jahrelang bewährte er sich als Kommandant eines schwierigen Einsatzes in Nordirland.
Dann kommandierte er Uno-Einsätze auf dem Balkan - und lernte die Frustration militärischer Ineffizienz als Folge politischer Bewaffnungs-Kompromisse auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner kennen. Jetzt trägt er für die Nato Verantwortung im Kosovo-Einsatz. Und er, General Ruppert Smith, spricht Klartext: Zählt man alle auf dem Balkan laufenden Militäreinsätze zusammen, dann seien dabei rund 250'000 Mann beteiligt. Etwa ein Drittel davon stehe im Einsatz. Ein weiterer guter Drittel befinde sich im Training für baldigen Einsatz im Kosovo. Ein weiterer knapper Drittel habe den Einsatz hinter sich, konnte bis heute aber noch nicht wieder ins zivile Leben integriert werden. Insgesamt sei das ganze Unternehmen damit äusserst kostspielig. Woraus sich der Bedarf nach neuen, vor allem zahlenden Partnern herauslesen lässt.
Der englische Nato-General sagte noch mehr: Der Kosovo-Einsatz sei ziellos. Zwar seien die Nato- Kämpfer für die Sicherheit zuständig. Und die Uno schlage sich mit der Zivilverwaltung herum. Aber für die Friedenssuche und Konfliktlösung sei niemand zuständig. Deshalb sei ein Ende des Kosovo- Einsatzes nicht abzusehen.
Und noch etwas sagte der englische General: Wer Soldaten schicke, müsse kampfbereite Soldaten schicken. Wer sie zwar schicke, sie vom Kampf aber dispensieren wolle, der möge die Entsendung von Soldaten lieber bleiben lassen. Ob die Worte des britischen Nato-Generals in Bern wohl gehört wurden?
Ulrich Schlüer