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Der
aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer
am
22. Oktober 1999 zum Thema Jugendgewalt
Lauter
Zufälle
Es kommt vor, dass auf einem Schulhof zwei Vierzehnjährige in handfesten
Streit ge-
raten. Zufällig ist einer der Schläger Albaner, der andere Thailänder.
Und ganz per Zu-
fall führt einer der Streithähne ein Messer bei sich, welches
ihm zufällig in die Hände
gerät, so dass er - wie ein Messerstecher - seinen Gegner damit an
der Kehle etwas
kitzeln kann.
Wie die Keilerei,
weil sich Landsleute der sich Prügelnden einzumischen drohen, zur
Massen-
schlägerei auszuarten droht, erscheint - dies eindeutig nicht per
Zufall - die Polizei, trennt die
Kampfhähne, spricht beiden Gruppen gut zu und lässt sich von
beiden Seiten Friedfertigkeit ge-
loben. Allerdings trifft sich - selbstverständlich rein zufällig
- eine der beiden Gruppen später in
einem von der Stadt Zürich betriebenen Jugendtreff. Und ganz per
Zufall - solches Gerät steht
schliesslich in jedem Haushalt herum - trägt jeder der Jungen einen
Baseball-Schläger bei sich.
Doch es ist reiner Zufall, dass keiner der städtischen Jugendtreff-Betreuer
registriert oder sich
gar Gedanken darüber macht, dass vor dem Eingang zur städtischen
Institution über ein Dut-
zend Baseball-Schläger deponiert sind. Und so fällt es per Zufall
auch niemandem weiter auf,
dass jeder der jungen Albaner seinen Baseball-Stock ergreift, als die
Gruppe den städtischen
Aufenthaltsraum verlässt. Wie sollte man da an jenem Zufall noch
Anstoss nehmen, dass die
mit ihren Stöcken bewaffneten rund zwanzig jungen Albaner genau jenen
Bus besteigen, in
dem sich ganz zufällig die Gegner der früheren Schulhofschlägerei,
die jungen Thailänder, be-
reits befinden.
In Zürich-Schwamendingen
ist nämlich zufälligerweise niemandem bekannt, dass man sich
zwecks Inszenierung solch zufälliger Zusammentreffen eines Geräts
namens Natel bedienen
kann. So ist, angesichts dieser Kette völlig unerwarteter Zufälle,
schliesslich männiglich aufs
höchste überrascht, allerdings auch schockiert, dass sich die
die jungen Albaner zufällig be-
gleitenden Baseball-Schläger im städtischen Bus plötzlich
als äusserst gefährliche Schlag-
werkzeuge entpuppen, so dass einer der damit angegriffenen jungen Thailänder
buchstäblich
halbtot geschlagen liegen bleibt.
Wer möchte auch
Vierzehnjährigen solche Brutalität zumuten, wo doch die Zeitungen
täglich
voll des Lobes sind angesichts der sich in Zürich so idyllisch entwickelnden
Multikulturalität.
Übrigens: Jene, die uns diese tatsächlich vorgefallene Geschichte
der brutalen Schlägerei zwi-
schen albanischen und thailändischen Schülern als Kette unglücklicher,
von niemandem vor-
aussehbarer Zufälle zu verkaufen suchen, arbeiten - mindestens zum
Teil - in der gleichen
Küche, in der zuweilen auch braune, unappetitliche Suppe angerichtet
wird, die dann kurz vor
Wahlen auf verdiente, anders leider nicht zu treffende Politiker geschleudert
wird. Aber das ist
reiner Zufall.
Ulrich Schlüer
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