Nr. 21, 22. Oktober 1999

Unerträgliche Auswirkungen der Massenimmigration
Irrweg «multikulturelle Gesellschaft»
Von Thomas Meier, Zürich

Die Schweiz verzeichnete in den vergangenen zwölf Jahren ein Ausmass der Zuwan-
derung wie kein anderes vergleichbares Land. Als ausser Kontrolle geraten muss die
Massenimmigration in Zürich bezeichnet werden. Das Beispiel der grössten Schweizer
Stadt zeigt eindrücklich, welche dramatischen negativen Begleiterscheinungen mit
der von linken Politikern stets propagierten «multikulturellen Gesellschaft» verbunden
sind. Der nachstehende Beitrag ist die erweiterte Fassung eines am 5. Oktober 1999
unter dem Titel «Grenzen der Einwanderungsstadt» in der NZZ erschienenen Artikels.

Unser Land und insbesondere die grösseren Städte sowie deren Agglomerationsgemeinden
leiden an einem akuten Einwanderungs- und an einem wachsenden Überfremdungsproblem.
Die höchsten Immigrationszahlen verzeichnet Zürich. Keine andere Schweizer Stadt hat in
den letzten Jahren ein so starkes Wachstum der Ausländerzahlen verkraften müssen. Lebten
1986 noch 74042 Bewohner mit ausländischem Pass in der Limmatstadt, sind es heute deren
104000. Mit 40,5 Prozent war die Zunahme des Ausländeranteils in Zürich in der genannten
Zeit doppelt so hoch wie in Genf oder in Lausanne. Bei knapp 30 Prozent liegt mittlerweile der
Ausländeranteil; Zürich ist heute ohne Zweifel eine multikulturelle Stadt.

Unqualifizierte Einwanderer

Ein Einwanderungsproblem besteht nicht nur in quantitativer Hinsicht, sondern auch, was die
Qualifikationen der Zuwanderer betrifft. Seit dem Krieg hat die Schweiz zwei Einwanderungs-
wellen erlebt. Die heutige zweite, die 1986 begann und bis heute andauert, besteht in einer
Massenimmigration weitgehend ungebildeter, fachlich unqualifizierter und deshalb nicht in den
Berufsprozess eingliederungsfähiger, zu einem grossen Teil aus einem fremden Kulturkreis
stammender Personen, deren Zuzug für unsere Volkswirtschaft eine Belastung darstellt. Wäh-
rend die Einwanderungswelle der Zeit von 1960 bis 1975 geprägt war durch die Vergabe freier
Arbeitsplatzkapazitäten an arbeitswillige und arbeitsfähige Gastarbeiter, geht mit der heutigen
Massenzuwanderung ein Import der sozialen Probleme der Herkunftsländer und eine Blockie-
rung dringend benötigter Arbeitsplätze durch Ausländer einher. In Zürich fallen nur mehr 20 Pro-
zent der Einwanderer unter ein Arbeitskontingent. Mehr als 35000 der in der Limmatstadt leben-
den Ausländer (und somit ein Zehntel aller Bewohner) verfügen über keinen Schulabschluss.

Zunehmende Probleme

Die finanz-, sozial-, bildungs- und sicherheitspolitischen Auswirkungen dieser Entwicklung
sind beunruhigend. Jeder zweite in die Stadt Zürich einwandernde Ausländer lebt vom ersten
Tag an von der Wohlfahrt. Rund 45 Prozent der Leistungen der Fürsorge und 54 Prozent der
Arbeitslosengelder werden an Ausländer bezahlt. An den Zürcher Schulen und Kindergärten
ist der Ausländeranteil auf 42,3 Prozent angewachsen. Im Schulkreis Limmattal machen die
Ausländerkinder über 76 Prozent der Schüler aus, Tendenz steigend. Einzig wegen der Immi-
gration und trotz sinkenden Zahl der Schweizer Kinder müssen in Zürich in den nächsten Jah-
ren für 400 Millionen Franken Schulhäuser gebaut werden. Der Bildungsauftrag der Volksschu-
le ist aufgrund der unlösbaren Sprachprobleme gefährdet. Wer es sich leisten kann, schickt
seine Kinder in eine Privatschule oder zieht weg.

Geradezu erschreckend sind die Folgen der Überfremdung auf die innere Sicherheit. Gemäss
Zürcher Kriminalstatistik wurden 52,4 Prozent der im Jahre 1998 erfassten Straftaten von Aus-
ländern verübt. Nicht weniger als 25,5 Prozent der von Jugendlichen verübten Gewaltdelikte
gehen auf das Konto von Delinquenten, die aus dem ehemaligen Jugoslawien stammen. Quan-
titativ nicht messbar sind die Auswirkungen der Masseneinwanderung auf die Kultur. Die Iden-
tität und die Orientierung, welche aus der Zugehörigkeit zu einer Kultur und aus der Teilnahme
an den Kulturgütern resultieren, sind für den Menschen von existentieller Bedeutung. Ohne ei-
ne Identifizierung mit einem Traditionsspender besitzt der Mensch kein richtiges Identitätsbe-
wusstsein. Das verzweifelte Suchen nach einer Identität und die Identitätsprobleme vieler Ju-
gendlicher sind Symptome einer Störung in der Überlieferung kultureller Traditionen. Kein
Mensch vermag seelisch gesund zu bleiben, ohne sich mit anderen Menschen zu identifizie-
ren. Wer das Erbe der Kultur verloren hat, verliert seinen Halt.

Die eigentliche Welle immigrierender fremdkultureller Menschen, die seit einigen Jahren über
uns hereinbricht, und die damit verbundene Vermengung einander fremder Kulturen führen dazu,
dass die Bezugspunkte zu Geschichte, Tradition, Kultur, Religion und den Ahnen abhanden
kommen. Die Masseneinwanderung verhindert eine Integration, bei der für die Zuwanderer eine
neue Identität in einer neuen Heimat entsteht. Ausserdem führt die Überfremdung zu einem
Identitätsverlust der Gastgeber. Im Ergebnis bedeutet Multikultur den Untergang der Kultur.

Hausgemachtes Problem

Die Ausländerfrage sei in erster Linie eine Angelegenheit des Bundes, beteuern die zuständi-
gen politischen Instanzen Zürichs, man habe auf die Zuwanderung keinen Einfluss. Gegen die-
se Auffassung spricht die Tatsache, dass in den letzten Jahren keine andere Stadt eine ver-
gleichbar hohe Immigration zu verzeichnen hatte wie Zürich. Keine andere Stadt macht Aus-
ländern die Wohnsitznahme so attraktiv. Mit Begrüssungsbroschüren in neun verschiedenen
Sprachen, Sozialberatung durch Fremdsprachenspezialisten, unzähligen Einrichtungen für
Ausländer wie einem «Informationszentrum für Frauen aus Afrika, Asien und Lateinamerika»,
einer Freizeiteinrichtung für Kosovo-Albaner, dem «Treffpunkt für schwarze Frauen», der «Inter-
kulturellen Bibliothek», einer millionenteuren «Fachstelle für interkulturelle Fragen», grosszügi-
gen Sozialleistungen, Gratiskursen in heimatlicher Sprache und Kultur und unzähligen weite-
ren Institutionen wurden in der grössten Schweizer Stadt für potentielle Zuwanderer geradezu
paradiesische Zustände geschaffen.

Integration ist keine Aufgabe der Gesellschaft

«Verstärkte Integration» lautet das Rezept der Zürcher Stadtregierung zur Lösung des Auslän-
derproblems. Sie verlangt in einem Konzeptpapier, das im August dieses Jahres veröffentlicht
worden ist, unter anderem eine Ausweitung der «Kurse in heimatlicher Sprache und Kultur»,
«ausserschulische Betreuungsmodelle» (will heissen Gratishütedienst für Ausländerkinder),
weitere «Freizeit-, Sport- und Ferienkurse», eine «Beratungsstelle für Fragen des Zusammen-
lebens im Wohnbereich», «Einsitzmöglichkeit in schulische Gremien» (auf deutsch: ausländi-
sche Schulpfleger) und das Ausländerstimmrecht.

Dieser Forderungskatalog ist abwegig und realitätsfremd. Die verlangten Einrichtungen würden
die Attraktivität des Zielortes für zuwandernde Ausländer weiter vergrössern und deshalb das
Ausländerproblem verschärfen. Eine Integrationspolitik, welche glaubt, die Ausländerintegration
durch eine Verstärkung der Anstrengungen der öffentlichen Hand verbessern zu können, ist
zum Scheitern verurteilt. Integration ist keine Aufgabe der Gesellschaft, sondern eine Pflicht
des Einwanderers.

Die Politik muss dringend darauf ausgerichtet werden, die Sogwirkung unserer Gesellschaft
auf Zuwanderer zu stoppen. Die Integrationsbemühungen haben sich auf die Zuverfügungstel-
lung von Deutschkursen zu beschränken. Es dürfen keine speziellen Einrichtungen für Auslän-
der betrieben oder subventioniert werden. Die Ausrichtung von Sozialleistungen ist an den er-
folgreichen Erwerb von Deutschkenntnissen zu knüpfen. Behördliche Kontakte zu Ausländern
haben ausschliesslich in deutscher Sprache zu erfolgen. In Schulhäusern mit einem Auslän-
deranteil von mehr als 50 Prozent müssen spezielle Schulklassen für deutschsprachige Schü-
ler geschaffen werden. Insgesamt hat sich die Ausländerpolitik primär an den Interessen der
Schweizer Bewohner zu orientieren.

Die einheimische Bevölkerung ist über die unkontrollierte Massenimmigration zunehmend beun-
ruhigt. Immer mehr Schweizer empfinden gegenüber Ausländern negative Gefühle. Eine Lösung
des Einwanderungsproblems liegt deshalb nicht zuletzt im Interesse des friedlichen Zusammen-
lebens von Schweizern und Zugezogenen. Aktueller denn je sind die Worte des damaligen Ber-
liner Regierungspräsidenten Richard von Weizsäcker in seiner Regierungserklärung vom 2. Juli
1981: «Nur wenn es gelingt, wirksame Massnahmen gegen einen weiteren Ausländerzuzug zu
ergreifen, werden wir mit denen, die hier verbleiben, zu einer menschenwürdigen Mitbürgerschaft
kommen.»

Thomas Meier

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