Nr. 21, 22. Oktober 1999

Blochers «kompromittierender Brief»
Fakten zu einem Fall

1. Dass Christoph Blocher, notorisch in Briefpost nahezu ertrinkend, die Posterledigung nicht
bis in alle Details persönlich überblicken kann, ist eine Tatsache, die Fehlleistungen bewirken
kann. In diesem Zusammenhang ist jener Fehler zu sehen, dass Blocher sich einem Brief-
schreiber gegenüber positiv zum (unverfänglichen) Titel einer Broschüre geäussert hat, ohne
dass ihm offenbar bewusst war, wer der Autor der Publikation war. Gelesen hat Blocher die
Broschüre nicht. Hätte er sie gelesen, hätte er eine völlig andere Stellungnahme dazu abge-
geben: Denn Auschwitz-Leugner Jürgen Graf rechnet in diesem Pamphlet mit jenen Politikern
scharf ab, die sich nicht am Referendumskampf gegen das Antirassismusgesetz beteiligten.
Auch Blocher und seine «Prätorianer-Garde, die AUNS» (so Graf wörtlich) sind Objekte von
Grafs hemmungslosem Zorn. Blocher wird von Graf gar zum «Pontius Pilatus» der Schweizer
Politik erklärt. Solchen Unsinn soll Blocher wissentlich gelobt haben?

2. Blochers Fehler geschah vor zweieinhalb Jahren. Das «corpus delicti» mit seiner Unter-
schrift lag zweifellos auch dem «SonntagsBlick» seit Monaten vor. Gelegenheit, Blocher offen
auf diesen Brief anzusprechen und um eine Stellungnahme zu bitten, hätte monatelang be-
standen. Der «SonntagsBlick» zog es indessen vor, diesen Brief als Knüller in seiner allerletz-
ten Ausgabe vor den eidgenössischen Wahlen zu publizieren, damit dem damit Verunglimpften
nicht einmal mehr die Möglichkeit einer rechtzeitigen Gegendarstellung (eigentlich ein Grund-
recht für jeden journalistisch angegriffenen Bürger) blieb.

3. Nur diese jede Stellungnahme des Angeschwärzten von vorneherein ausschliessende Dra-
maturgie gestattete es dem Spiritus rector dieser Kampagne, Frank A. Meyer, sich in der Po-
se des «seine Pflicht erfüllenden» Sachwalters des Weltgewissens über Blocher herzumachen.
Es ist der gleiche Frank A. Meyer, der sich auch schon als Mao-Anhimmler und Reinwascher
des blutigen roten Totalitarismus chinesischer Prägung profilierte (nachzulesen im von Mario
Cortesi und Frank A. Meyer verfassten Buch «Notizen aus China»).

4. Die Kampagne gegen Blocher weist einerseits Parallelen, anderseits bemerkenswerte Unter-
schiede auf zum vor wenigen Jahren die Freisinnigen treffenden «Fall Fischbacher»: Auch von
seiten Fischbachers lagen - schon bevor er ins Schussfeld der Medien geriet - dem aufmerksa-
men Beobachter Aussagen vor, die klar zeigten, wes Geistes Kind das (später ausgeschlosse-
ne) FDP-Mitglied Fischbacher war. Die FDP-Leitung unterschätzte den Fall und reagierte um
Monate verspätet - sich mit dem Hinweis rechtfertigend, selbst eine Parteileitung könne nicht
über alle ihre Mitglieder lückenlos Bescheid wissen. Die Medien akzeptierten diese Beteuerung
der Freisinnigen. Gegen Blocher aber inszeniert Ringier eine gehässige Kampagne, von Anfang
an jede rechtzeitige Gegenrede des Angegriffenen ausschliessend.

5. Der im Mittelpunkt der Affäre stehende Brief Blochers gehörte zu den Gerichtsakten der
Aargauer Staatsanwaltschaft im Strafprozess gegen Auschwitz-Leugner Jürgen Graf, wobei
der Brief im Prozess offenbar nicht zu gebrauchen war. Dass ein Brief aus Akten der Staats-
anwaltschaft den Weg auf die Redaktion des «Sonntags-Blick» findet, damit dieser daraus ei-
ne schleimige Kampagne zusammenkleistern kann, das scheint in diesem Land heute offen-
bar bereits niemanden mehr sonderlich zu bewegen.

6. Wer seit Jahren mit Christoph Blocher zusammenarbeitet, wer ihn aus der jahrelangen Zu-
sammenarbeit in der SVP-Fraktion der eidgenössischen Räte kennt, wer überdies seine Stel-
lungnahmen und Positionen seit Jahren sorgfältig verfolgt, der kennt Blochers Haltung gegen-
über Neonazis, gegenüber Revisionisten und Auschwitz-Leugnern haargenau. Nie hat er im
geringsten mit solchen Kräften und ihren Exponenten angebandelt. Und dennoch: Wo Ringier
mit Dreckschleuder und brauner Sauce auf Christoph Blocher zielt, finden sich scheinbar im-
mer einige Mitdreckler, die sich, ohne sich im geringsten um Hintergrundwissen zu bemühen,
bereitwilligst in Frank A. Meyers Schmutzkampagne gegen Blocher einspannen lassen. Selbst
sogenannte «Parteifreunde» wie Ulrich Zimmerli und Albrecht Rychen sind dabei.

Ulrich Schlüer

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