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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 23. September 2005

Soll der Steuerzahler auch den Aussenhandel bezahlen?
Im FDP-Tollhaus

Es ereignete sich an einer der letzten Abstimmungsveranstaltungen zur Ost-Personenfreizügigkeit. Ein-
geladen hatte die SP. Eine SP-Nationalrätin, eine Gewerkschaftsfunktionärin - und FDP-Nationalrat Ruedi Noser warben fürs Ja. Das Nein vertraten zwei SVP-Nationalräte.

Aus dem - keineswegs stramm im SP-Fahrwasser marschierenden - Publikum wird dem zwischen den Linken sitzenden FDP-Nationalrat Ruedi Noser eine Frage gestellt: Weshalb die Schweiz, wenn sie schon die Grenzen für schrankenlose Ost-Zuwanderung öffnen müsse, zugunsten dieser Osterweiterung auch noch eine volle runde Milliarde aus gähnend leerer Bundeskasse in den sog. EU-Kohäsionsfonds hinzublättern hätte. Das sei, antwortete ein strahlender FDP-Programmschaffender, doch eine geradezu wunderbare Fügung. Diese Ostländer möchten jetzt, neu in die EU aufgenommen, endlich konsumieren. Es sei geradezu vordringlich, sie umgehend mit viel Geld auszustatten. Sie, die Osteuropäer, würden bei ihren Einkäufen dann ganz gewiss auch Schweizer Produkte gelegentlich berücksichtigen. Im Osten gehe "die Post ab". Da müssten wir dabeisein, Geld schicken, damit die Osteuropäer konsumieren können.

Liberalismus in Reinkultur, der sich da in der zunehmend im Fahrwasser der SP segelnden FDP ausbreitet: Gebt jenen, die Wünsche haben, Geld - viel Geld! Nehmt das zu verschenkende Geld - Milliardenbeträge! - den hiesigen Steuerzahlern aus der Tasche. Jenen Steuerzahlern, die der neue Lohndruck aus dem Osten voll treffen wird, von denen viele als Folge der forcierten Zuwanderung billiger Ostarbeitskräfte in die Arbeitslosigkeit abgedrängt werden. Sie sollen noch zahlen für die Beeinträchtigung, die ihnen auch die FDP zumutet …

Dazu passt eine weitere Geld- geschichte aus dem Abstimmungskampf. Jene Thurgauer Unterwäschefabrik, die einen sog. "Fabrik-Znüni" zugunsten der Ost-Zuwanderung veranstaltete, erhielt Post. Absender: ein verärgerter Kunde: Was der Firma auch einfalle, mit Geld, das Kunden für Produkte bezahlten, jetzt die Ja-Kampagne zu unterstützen. Er kaufe nie mehr Wäsche dieser Marke. Der verärgerte Kunde erhielt umgehend eine beschwichtigende Antwort: Es seien, las er, keinerlei Firmengelder für diesen "Fabrik-Znüni" aufgebracht worden. Economiesuisse habe alles bezahlt …
Die so unsäglich mit Geld klotzende Economiesuisse dürfte uns, wenn wir von diesem Geldeinsatz berichten, wohl wieder der Lüge bezichtigen. Dazu sei bloss festgehalten: Der Mail-Briefwechsel zwischen dem erwähnten Kunden und der Firma ISA in Amriswil befindet sich in unserem Besitz
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Ulrich Schlüer

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