Nr. 21, 17. September
2004
Buchzeichen
Corporate Governance
Von Nationalrat
Ulrich Schlüer, Flaach ZH
Bei Corporate Governance geht es im weitesten
Sinn um die Macht in einer Unternehmung - um deren Aufteilung und Kontrolle.
Im Untertitel sagt der
Wirtschafts- und Bankfachmann Kurt Schiltknecht, was er mit seinem Buch will:
Es geht ihm um das subtile Spiel von Geld und Macht in den Unternehmungen,
insbesondere in den Grosskonzernen. Kurt Schiltknecht ist ein ebenso scharfsinniger
wie unerbittlicher Kritiker der Politik, aber auch aller Auswüchse auf
dem Wirtschafts- und Finanzplatz Schweiz. Es geht Schiltknecht darum, dass
Grosskonzerne einerseits gut geführt, anderseits aber auch von kompetenten,
mit umfassenden Kenntnissen ausgestatteten Verwaltungsräten effizient
kontrolliert werden. Schiltknecht
äussert sich dabei zu Erscheinungen, welche Öffentlichkeit und Politik
zunehmend irritieren: Etwa
die Spitzengehälter führender Manager. Die Frage, was als Spitzengehalt
noch verantwortbar ist, wo die Grenze zur ungerechtfertigten Abzockerei liegt,
beantwortet Schiltknecht klar. Dieser Antwort folgt aber sofort auch die Frage:
Wie beeinflussen die Medien, wie beeinflusst die Politik die wichtigsten Entscheidungen
bei der Führung grosser Konzerne? Schiltknecht ist überzeugt: Dort,
wo der Wettbewerb wirklich spielt, findet Kontrolle am effizientesten statt:
Wirksam für die Öffentlichkeit und erfolgversprechend für das
Unternehmen. Schiltknecht begründet einmal mehr, weshalb konsequente
Deregulierung der Finanzmärkte die Qualität dieser Finanzmärkte
entscheidend verbessert.
Kurt Schiltknechts Buch ist äusserst lesenswert, eine spannende, flüssig
geschriebene Auseinandersetzung mit Entwicklungen und Fehlentwicklungen auf
den Führungsetagen der Konzerne. Kritik ist, wo Schiltknecht sie anbringt,
durchdacht und scharf, aber nie platt polemisch. Weil Schiltknecht als Professor
an der Universität Basel gleichzeitig Verwaltungsrat verschiedener Gesellschaften
ist, tritt er sowohl als Theoretiker als auch als Praktiker auf. Seine reiche
Erfahrung, die er in der Bankenwelt, auch bei der Schweizerischen Nationalbank
gewonnen hat, fliesst in dieses Buch ein, das allen Zeitgenossen, welche die
Vorgänge in den grossen Konzernen verstehen wollen, sehr zu empfehlen
ist.
Ulrich Schlüer, Nationalrat