Nr. 21, 29. August 2003

Eine Fernsehsendung hat es dokumentiert
Wie das Asylverfahren dem Gespött preisgegeben wird

Am 30. Juni 2003 hat das Schweizer Fernsehen eine
DOK-Sendung ausgestrahlt über Asylbewerber und illegale Einwanderer in der
Schweiz. Verschiedene Ausländer dieser beiden Kategorien haben in dieser
Sendung sichtbar gemacht, wie unglaublich einfach es ist, hiesige Behörden
an der Nase herumzuführen.

Deshalb erinnert die «Schweizerzeit» heute an einige Original-Aussagen aus
dieser Sendung.


Asly-«Gründe»

Gemäss Asylgesetz erhält in der Schweiz Asyl, wer in seinem Herkunftsland
«an Leib und Leben gefährdet» ist. Im DOK-Beitrag begründen aus Afrika
stammende Befragte ihre Begehren um Aufenthalt in der Schweiz als
Asylsuchende wie folgt:
Ein Asylbewerber aus Guinea: «In Guinea gibt es keinen Krieg. Ich bin
verfolgt worden, weil ich bei der Universitäts-Prüfung geschummelt habe.
Darum bin ich in die Schweiz geflüchtet.»
Ibrahima aus Guinea meint: «Ich habe keine Lust zu arbeiten, das Leben als
Asylbewerber gefällt mir. Ich kann mich gratis weiterbilden und bekomme
Fürsorgegelder. Ich will keine Aufenthalts-Bewilligung, weil ich dann
gezwungen bin zu arbeiten. Ich will profitieren.»


«Dankbarkeit» von «Verfolgten»

Drei Asylbewerber, untergebracht in einer Zivilschutz-Anlage in Küsnacht:
«Wir sind seit vier Monaten hier. Wir erhalten zwei Franken im Tag, damit
kann man nicht leben. Hier ist die Hölle. Wir glaubten, dass die Schweiz die
Menschen liebt.»
Ein Asylbewerber im Durchgangszentrum Hegnau: «Das Leben im Zentrum ist
nicht gut. Wir müssen zu viert in einem Zimmer wohnen. Ich habe hier Schutz
und Sicherheit erwartet.»


Die Papierlosen und ihre Geschäfte

Collins aus Nigeria, der mit Hilfe eines Schleppers in die Schweiz kam:
«Keine Papiere zu haben ist ein Problem. In Nigeria braucht man keine
Papiere. Die meisten Schwarzafrikaner werfen ihre Papiere weg, weil sie
Angst haben, ausgeschafft zu werden. Man muss jemandem Geld bezahlen, um
nach Europa zu kommen. Die Reise kostet ca. 7000 Dollar.»
Ein Polizist von der Zürcher Langstrasse ergänzt: «Die meisten Asylbewerber
haben Schulden aufgrund von Zahlungen an die Schlepper. Die meisten
Asylbewerber aus Nigeria sind im Kokain-Handel tätig, um an Geld für die
Schuldentilgung zu kommen.»
Und der Kunde eines afrikanischen Friseurs an der Zürcher Langstrasse sagt:
«Jeder vierte Westafrikaner ist Drogenhändler. Es ist nicht einfach, sich zu
integrieren. Das Leben ist teuer, aber trotzdem will man sich etwas
leisten.»


Heirat als «Rettung»

Collins aus Nigeria berichtet: «Ich will mir einen Pass beschaffen, damit
ich heiraten kann. Ich liebe meine Schweizer Freundin. Schweizer Frauen
stehen auf schwarze Männer. Das ist ein Chance für uns, sonst hätten wir gar
keine Möglichkeit, in der Schweiz zu bleiben.»
Fernsehsprecher: «Collins aus Nigeria heiratet. Er heiratet in der Schweiz
eine Frau aus Deutschland. Das Durchgangszentrum ist nicht mehr zuständig.
Bei Heirat ist der Ehepartner verantwortlich. Einen ersten Versuch mit
Heiraten hat Collins schon in Deutschland unternommen, wo er sich als
Flüchtling aus Sierra Leone ausgegeben hatte. Deutschland hat ihn daraufhin
ausgewiesen, und es ist fraglich, ob er jemals dorthin zurückkehren kann.»
Astrid, die Frau, die Collins in der Schweiz geheiratet hat, ist Deutsche
und lebt auch in Deutschland. Sie sagt nach der Heirat auf dem Schweizer
Standesamt: «Ich muss wieder zurück nach Deutschland. Wir wissen nicht, wie
es weitergeht. Es gibt viele Probleme. Aber wenn wir zusammenhalten,
schaffen wir es.»
Collins meint dazu: «Diese Heirat ist wichtig für mich. Denn ich hoffe, dass
ich deshalb eine kleine Chance habe, in der Schweiz bleiben zu können.»


Rückkehr?

Das Fernsehen stellt eine Frau Weidmann, Vertreterin der Aktion «augenauf»
vor. Sie betreut abgewiesene Asylbewerber aus Angola und berät sie im Blick
auf ihre Rückkehr. Als Starthilfe zahlt sie jedem Angolaner 2000 Franken.
Kina aus Angola, der eigentlich zurückkehren müsste, weil seit dem Jahr 2002
in Angola Frieden eingekehrt ist, meint dazu: «Wegen 2000 Franken Starthilfe
kehrt niemand nach Angola zurück. Jetzt ist es sowieso zu früh für die
Rückkehr. Der Friede ist schwierig in einem
Land, das 27 Jahre im Krieg war. Ich
bleibe auch ohne Arbeit lieber hier,
denn in Angola gibt es keine Krankenkasse und keine
Arbeitslosenversicherung, nichts!»


Arrangiert

Seine Eindrücke zum Schweizer Asylwesen fasst Kina aus Angola wie folgt
zusammen: «Wenn du keine Drogen verkaufst oder wenn dich keine Schweizer
Frau heiratet, dann hast du in der Schweiz ein hartes Leben.»

*

«Schweizerzeit» meint: Wenn Behörden angesichts von derart offensichtlichem,
tausendfachem Asylmissbrauch noch immer nicht handeln, trifft sie direkte
Verantwortung dafür, dass Recht und Ordnung in der Schweiz zusehends dem
Gespött verfallen.

Ulrich Schlüer