Nr. 21, 6. September 2002

Aufschlussreich für die Steuerzahler
Parlamentarische Reiselust

Ein parlamentarischer Vorstoss der SVP zwang die Bundesverwaltung dazu, erstmals genaue Zahlen über die von Parlamentariern auf Kosten der Steuerzahler entwickelte Reisetätigkeit vorzulegen.

Die Reisekosten-Dokumentation liefert aufschlussreiche Zahlen. Wer hätte geglaubt, dass Spitzenreiter Andreas Gross (SP) in den gut zweieinhalb ersten Jahren der laufenden Legislatur für nicht weniger als Fr. 293 000.-- auf Steuerzahlers Kosten in der Welt herumgereist ist. Die zwanzig Spitzenreiter bezüg- lich Reisespesen sind in der Tagespresse teilweise aufgeführt worden. Es sind dies:

Andreas Gross SP/ZH Fr. 292 719.--
Claude Frey FDP/NE Fr. 205 707.--
Lili Nabholz FDP/ZH Fr. 139 085.--
Ruth-Gaby Vermot SP/BE Fr. 136 931.--
Rosmarie Zapfl CVP/ZH Fr. 120 522.--
Dick Marty FDP/TI Fr. 105 119.--
Lisbeth Fehr SVP/ZH Fr. 97 286.--
François Lachat CVP/JU Fr. 91 100.--
Paul Günter SP/BE Fr. 86 348.--
Fritz Schiesser FDP/GL Fr. 78 042.--
Brigitta M. Gadient SVP/GR Fr. 74 640.--
Trix Heberlein FDP/ZH Fr. 66 228.--
Walter Schmied SVP/BE Fr. 65 973.--
Maximilian Reimann SVP/AG Fr. 65 290.--
Liliane Chappuis SP/FR Fr. 56 962.--
Rémy Scheurer Lib/NE Fr. 53 126.--
Barbara Haering SP/ZH Fr. 51 293.--
Pierre Paupe CVP/JU Fr. 40 820.--
Peter Bieri CVP/ZG Fr. 39 549.--
Peter Hess CVP/ZG Fr. 37 171.--

Parteien-Leader
Werden die von Parlamentariern insgesamt verbrauchten Reisekosten nach Parteien aufgeteilt, so nimmt die SP den Spitzenrang ein: SP-Parlamentarier haben den Steuerzahler mit Reisekosten von insgesamt Fr. 843 112.-- belastet. Die fünf SP-Spitzenreiter bezüglich Parlamentarier-Reisen sind:

1. Andreas Gross ZH Fr. 292 719.--
2. Ruth-Gaby Vermot BE Fr. 136 931.--
3. Paul Günter BE Fr. 86 348.--
4. Liliane Chappuis FR Fr. 56 962.--
5. Barbara Haering ZH Fr. 51 293.--

An zweiter Stelle folgt die FDP-Fraktion, deren Mitglieder den Bund an Reisespesen Fr. 803 985.--belastet haben. Bei der FDP bilden folgende Parlamentarier das Spitzenquintett:

1. Claude Frey NE Fr. 205 707.--
2. Lili Nabholz ZH Fr. 139 085.--
3. Dick Marty TI Fr. 105 119.--
4. Fritz Schiesser GL Fr. 78 042.--
5. Trix Heberlein ZH Fr. 66 228.--

An dritter Stelle folgt die CVP, deren Mitglieder dem Bund Reisekosten von Fr. 524 307.-- verursacht haben. Die CVP-Spitzenreiter sind:

1. Rosmarie Zapfl ZH Fr. 120 522.--
2. François Lachat JU Fr. 91 100.--
3. Pierre Paupe JU Fr. 40 820.--
4. Peter Bieri ZG Fr. 39 549.--
5. Peter Hess ZG Fr. 37 171.--

An vierter Stelle folgt die grösste Bundesratspartei, die SVP, deren Fraktionsmitglieder dem Bund seit Beginn der laufenden Legislaturperiode (Ende 1999) Fr. 476 261.-- an Reisespesen belastet haben. Das Spitzenquintett der SVP setzt sich wie folgt zusammen:

1. Lisbeth Fehr ZH Fr. 97 286.--
2. Brigitta M. Gadient GR Fr. 74 640.--
3. Walter Schmied BE Fr. 65 973.--
4. Maximilian Reimann AG Fr. 65 290.--
5. Hans Hofmann ZH Fr. 31 993.--

Als Angehöriger einer Nichtbundesratspartei mit hohen Reisespesen ist einzig der liberale Nationalrat Rémy Scheurer, Neuenburg, mit einem Spesenkonto von derzeit Fr. 53 126.-- zu nennen.

Wenige Vielreiser
Auffällig ist, dass die Zahl jener Parlamentarier, die überhaupt keine Reisen auf Kosten der Bundes- kasse realisiert haben, relativ gross ist. Im Klartext: Die fünf hier aufgeführten Vielreiser der FDP, der SP und der SVP beanspruchten zusammen je zwischen 70 und 75 Prozent der Reisespesen, die für die entsprechende Partei anfielen. Von der SP haben 35, von der FDP 36, von der SVP sogar 38 Fraktions- mitglieder dem Bund nie Reisespesen verursacht.

Personell etwas breiter verteilt sind die Reisespesen der CVP-Fraktion, wo die fünf Spitzenreiter ledig- lich 63 Prozent der insgesamt an CVP-Vertreter ausgerichteten Reisespesen aufbrauchten. Folgerichtig ist die Zahl der Nie-Reiser bei der CVP geringer: Nur 27 Mitglieder der CVP-Fraktion bezogen keine Reise-Entschädigungen vom Bund.

Der «Schweizerzeit»-Redaktor
Ulrich Schlüer steht auf dem Reisespesen-Konto der eidgenössischen Parlamentarier mit Fr. 20 087.-- zu Buch. Diese Spesen setzen sich zusammen aus der Teilnahme an drei ordentlichen Sessionen der parlamentarischen Versammlung der OSZE (2000 Bukarest, 2001 Paris, 2002 Berlin) sowie aus der Informationsreise der Aussenpolitischen Kommission 2001 nach Washington (Weltbank, Währungs- fonds) und New York (Uno).

Entschädigungs-Praxis
Generell werden Parlamentariern für Auslandreisen mit offiziellem Charakter vom Bund jeweilen das Flugbillett (Business-Class) sowie ein normales Parlamentarier-Taggeld mit zusätzlicher Ausland- entschädigung ausbezahlt, woraus die Parlamentarier die Spesen für Übernachtung und Mahlzeiten in aller Regel selber zu tragen haben.

Auffällig in der Tabelle der Spesenentschädigungen ist, dass die Mitglieder des Europarats dem Bund mit grossem Abstand die höchsten Reisespesen verursachen. Folgende Vielreiser gehören dem Euro- parat an: Lisbeth Fehr (SVP), Claude Frey (FDP), Andreas Gross (SP), François Lachat (CVP), Lili Nabholz (FDP), Walter Schmied (SVP), Ruth-Gaby Vermot (SP), Rosmarie Zapfl (CVP), Dick Marty (FDP), Maximilian Reimann (SVP). Diese zehn Europarats-Mitglieder stellen genau die Hälfte der zwanzig parlamentarischen Vielreiser.

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