Nr. 21, 7. September 2001
Jubiläum einer
kritischen Medien-Beobachterin
20 Jahre «Medien-Panoptikum»
Von Rudolf Burger, Burg
«Solange der Bürger in unserem Lande richtig informiert ist, wird er auch richtig entscheiden. Doch was geschieht, wenn die Informationen nicht mehr stimmen? wenn versteckte Manipu- lation und Desinformation ihm ein falsches Bild von der Wirklichkeit vermitteln?»
Diese Fragen formulierte der Begleitbrief zur ersten Nummer des «Medien-Panoptikums» vom März 1981. Weiter lässt sich dem Brief entnehmen: «Wir sind einige Schweizer Bürger und Bürgerinnen, die finden, dass zuviel auf dem Spiel steht und wir wollen deshalb nicht zulassen, dass unser Volk verschaukelt und für dumm verkauft wird. Wir wollen nicht nur davon reden, sondern vor allem etwas dagegen tun.»
Die
Blumschen Thesen
Die erste Ausgabe
des «Medien-Panoptikums» war ein Protest gegen den neuen Journalismusbegriff,
den Radiodirektor Andreas Blum in Form von zehn Thesen lanciert hatte. Gemäss
den Blumschen Thesen hat der Journalist kritisch zu sein, kritisch nicht im
Sinne der Umgangssprache, also nicht abwägend, vergleichend, prüfend,
sondern in einem Sinn, der die bestehende bürgerliche Gesellschaft grundsätzlich
in Frage stellt. Die bestehende Gesellschaftsordnung, wie sie in den achtziger
Jahren sich präsentierte, bezeichnete Blum als «Scheinordnung»,
die es zu entlarven gelte. Der Journalist habe die Aufgabe, den «Lack
polierter Fassaden abzukratzen», er habe die bestehenden Verhältnisse
nach Konfliktpotentialen abzuklopfen, und wenn er fündig geworden sei,
gelte es, diese Konflikte anzuheizen, kurz der Journalist müsse «Unruhestifter»
werden.
Wie wir heute feststellen können, blieben die Blumschen Thesen nicht auf dem Papier stehen, sie wurden vom Radio, vom Fernsehen und von der Massenpresse umgesetzt und bestimmten mehr und mehr die Agenda der veröffentlichten Meinung. Der neue Journalismusbegriff, der sich nicht mehr allein mit der Wiedergabe des politischen Geschehens befasst, sondern es selektiv und wertend aussondert, hat zu einem Medienverbund geführt, der heute weitgehend das Sagen in unserm Lande hat, ja der selbst im Bundeshaus weitgehend den Ton angibt.
>«Besamung»
des Unterbewusstseins
Wenn man die
seit 1981 erschienenen 117 Nummern des «Medien-Panoptikums» durchblättert,
spie- gelt sich darin Geschichte und Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist.
Man erkennt, dass die ständige Berieselung mit ausgewähltem elektronischem
und gedrucktem Bild- und Textmaterial tiefe Spuren in den Köpfen und
Herzen der Menschen hinterlassen hat. Im Oktober 1987 schrieben wir «wie
speziell durch das Fernsehen eine Art Besamung des Unterbewusstseins stattfindet».
Heute erkennen wir, dass diese «Besamung» Blüten und Früchte
hervorgebracht hat, die das Denken des gesunden Menschen- verstandes zu überschatten
drohen. Das zeigt sich darin, dass das Unterbewusstsein oft gegen den Verstand,
das Denken und Fühlen der Menschen bestimmt.
Das
Prokrustesbett der Political Correctness
Gemäss
der Sage bettete der Räuber Damastes Reisende in ein Folterbett, in dem
zu grosse Glieder abgehackt, zu kleine auseinandergezogen wurden. Ähnlich
verhält es sich heute mit dem Zwangsbett der «politischen Correctness»,
in das das Denken der Menschen eingepasst werden soll.
«Political Correctness» ist eine Medienpflanze mit Wuchereigenschaften. Sie beruht auf einer Sprach- regelung, die wie von selbst fast über Nacht von allen einschlägigen Medien als Kriterium über «korrek- tes» und «unkorrektes» Denken übernommen worden ist. Weite Gebiete der Politik sind tabuisiert worden, dürfen nicht mehr offen und frei diskutiert werden. Unerwünschte Ansichten und Gedanken werden auf diese Weise eliminiert. Letzten Endes geht es um Ausübung von Herrschaft durch Sprache (siehe unsere Broschüre «Herrschaft durch Sprache» von Dr. Paul Ehinger). Als Gralshüter der neuen Sprachregelung dulden die Medien keine Abweichungen. So lassen sich beispielsweise Diskussionen um Einwanderungsfragen mit der «Rassismus-Keule» totschlagen oder Liebe und Ehrfurcht vor dem Werk der Vorfahren mit Hinterwäldnertum und Nationalismus gleichsetzen und abwerten.
So gibt es heute in der Politik und auch im kulturellen Leben zweierlei Schafe weisse Schafe, die konsensfähig sind und sich der politischen Korrektheit unterziehen, schwarze Schafe, die den Mut haben, eine eigene Meinung zu vertreten.
Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt sind Frischwasser für die Demokratie. Wo dieses Wasser fehlt, verdorrt sie. Unser Ziel ist es, mit sachlicher Aufklärung mit einem «besonnenen Ja und Nein» jene Aspekte sichtbar zu machen, die von den Massenmedien bewusst unterschlagen oder durch Halb- wahrheiten entstellt werden. Der Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt gilt weiterhin unser voller Einsatz, den wir dank der Hilfe unserer Leser bis heute leisten konnten.
Rudolf Burger