Nr. 21, 7. September 2001
Staatlicher Gratis-Drogentest
Offenbar wird die illegale und äusserst gefährliche Partydroge «Ecstasy» immer häufiger konsumiert. Dies hat auch die Stadtzürcher Regierung gemerkt. Aber statt Massnahmen zu treffen, um der erschreckenden Entwicklung wirkungsvoll entgegen zu treten, macht sie genau das Gegenteil.
Das Sozialdepartement der grössten Schweizer Stadt will unter dem Deckmantel der Prävention eine Einrichtung schaffen, in der Personen ihre auf dem Schwarzmarkt illegal erworbenen Ecstasytabletten auf ihre Reinheit testen können. Die alles andere als harmlose Partydroge Ecstasy ist im Betäubungs- mittelgesetz dem Heroin gleichgestellt.
Von einem staatlichen Test von Partydrogen würden nicht nur Konsumenten, sondern auch Drogen- händler profitieren. Die Ecstasy-Dealer könnten in Zukunft ihre Drogen vom Staat gratis (beziehungs- weise auf Kosten der Steuerzahler) untersuchen lassen. Mit einem staatlichen Zertifikat, das Auskunft gibt über die Reinheit und Zusammensetzung der Drogen, können dann die Dealer diese Ecstasy- Tabletten verkaufen. Klar, dass sich Konsumenten dann eher dazu verleiten lassen, diese Drogen zu konsumieren, weil jetzt ja eine staatliche Bescheinigung dabei liegt. Bereits der Gedanke, dass offizielle Stellen ihre Hand im Spiel haben, gibt dem Konsumenten ein fatales und gefährliches Gefühl der Sicherheit. Dies zu Unrecht!
Weltweit wird mit allen Mitteln versucht, gefährlichen Drogen den Kampf anzusagen. Nur in der Schweiz geht man andere Wege. Man stelle sich vor, der gleiche Staat, der sagt, dass Drogen etwas Gefährli- ches sind, und der gleiche Staat, der mit einem grossen Aufwand gegen den Drogenhandel und -kon- sum vorgeht, stellt Einrichtungen zur Verfügung, in denen man die gleichen Drogen auf ihre Reinheit untersuchen kann. Was für eine Schizophrenie! Besonders fatal ist die Aussage, die dabei gemacht wird: «Schaue, dass Du möglichst reines Ecstasy konsumierst.» Was soll sich ein junger Mensch denken, der diese Verharmlosung hört? Verständlicherweise versteht er die Welt nicht mehr.
Gehört es tatsächlich zu den Aufgaben eines Staates, Einrichtungen zur Verfügung zu stellen, die illegale Drogen in diesem Fall Ecstasy kostenlos auf ihre Reinheit untersuchen? Ganz klar nein! Aufgabe des Staates ist es, das vom Gesetzgeber geschaffene Betäubungsmittelgesetz ohne Wenn und Aber anzuwenden. Dass staatliche Ecstasy-Tests in einer konsequenten Politik der Drogenbekämpfung keinen Platz haben dürfen, versteht sich von selbst.