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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 16. September 2005

Selbstherrliche Bundes-Funktionäre
"Public Servants"

Der englische Begriff ist aussagekräftiger: Ein "Public Servant" ist ein Diener an der Öffentlichkeit. Ein "Bundesangestellter" dagegen kann auch bloss ein Funktionär sein. Wer Aufträge von Stimmbürgern und Steuerzahlern auszuführen hat, müsste sich eigentlich immer als "Diener der Öffentlichkeit" verstehen, der unter zweckdienlichem Einsatz zur Verfügung stehender Mittel maximale Wirkung zugunsten der Öffentlichkeit erzielt.

So lautet die idyllische Theorie. In der Realität ereignet sich völlig anderes: Da gibt es einen mit der Schädlichkeit auswuchernder Bürokratie bestens vertrauten Bundesrat, der plötzlich erklärt: Sein Departement könne alle ihm übertragenen Aufgaben auch mit um zwanzig Prozent verkleinertem Kader vollumfänglich erfüllen. Nur Minuten später erbebt das beschauliche Bundeshaus in veritablem Aufstand: Gleiche Leistung mit weniger Personal? Mit Getöse quittiert der Bundes-Personalchef, ein Exponent der Spezies "Salon-Sozialist", seine ihm so lieb gewordenen Pfründe, die ihm soviel sorglose Stunden beschert hatten. Als beleidigte Majestät übertrifft er sich vor allen Mikrophonen im öffentlichen Absingen wüstester Lieder gegen die Landesregierung. Und sein Genosse in der Landesregierung, Moritz Leuenberger, weitgehend unerreichter Meister im Verlochen öffentlicher Gelder, stimmt sofort ein: Wäre noch schöner, so ertönt die alte SP-Hymne, wenn Spitzenfunktionäre plötzlich für den Staat und nicht mehr der Staat für die Spitzenfunktionäre dazusein hätten …

Man könnte in Versuchung geraten, dem lauten Getöse um die Entheiligung des Berner Funktionärsapparats Erheiterung abzugewinnen. Wäre da nicht auch eine mit Millionen unterlegte Gegenbewegung wahrzunehmen, die Schlimmstes befürchten lässt: Derzeit entfalten die Funktionäre der Arbeitgeberorganisationen umfassende Anstrengungen, die Kontrolle des bisher freien und flexiblen Arbeitsplatzes Schweiz genau jenen linken Funktionären auszuliefern, die den Schlachtgesang gegen Bundesrat Blochers Bürokratie-Abbau in Bern am röhrendsten anstimmen. Solange dieser Arbeitsplatz Schweiz von Bürokratie-Verkrustungen weitgehend frei war, war die Schweiz - trotz ihrer hohen Löhne - am Weltmarkt konkurrenzfähig. Jetzt, wo die Arbeitgeber-Funktionäre unter Einsatz Dutzender von Millionen selbst der staatlichen Lohnkontrolle zustimmen, wenn sie dafür die ungezügelte Ost-Zuwanderung als Druckmittel gegen die Arbeitnehmer einhandeln können, opfern sie den wichtigsten Trumpf des Schweizer Arbeitsmarktes scheinbar bedenkenlos. Als wäre dieser Arbeitsplatz Schweiz, einmal in den Fängen linker Funktionäre, je wieder freizubekommen …

Immerhin: Der Stimmbürger kann diese unheilvolle Entwicklung verhindern, wenn er dem Experiment Ost-Personenfreizügigkeit am 25. September eine klare Absage erteilt.


Ulrich Schlüer

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