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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 31. August 2001
DIe
Rekruten-Angreifer von Aarau geben Interviews
Krank
Sie geben jetzt Interviews. Und bereuen dabei höchstens, nicht «richtig zugeschlagen» zu haben, als sie in Aarau mit Baseball-Schlägern und Eisenstangen grundlos auf Korporale und Rekruten einprügelten.
Sie äussern obwohl teilweise sogar einschlägig vorbestraft diesen Standpunkt in aller Freiheit unbehelligt von hiesigen Ordnungskräften. Und sie lassen alle Uniformierten in unverbrämter Brutalität wissen: Sie hätten, falls die Soldaten nicht endlich kuschten, wohl kaum zum letztenmal zugeschla- gen... Ausgesprochen wurden diese Sätze in Aarau. Von den Tätern! Nachzulesen sind sie im «Facts» vom 23. August 2001.
Man stelle sich einmal vor: Einige übermütige oder ausgerastete junge Schweizer lassen sich zum Beispiel in Frankreich mutwillig oder angetrunken zu einem gewalttätigen Angriff auf uniformierte französische Soldaten hinreissen... Eines ist sicher: Diese Gewalttäter würden in Frankreich für recht lange Zeit keine Interviews geben. Und ihre Freundinnen, ihre Eltern und sonstigen Angehörigen müss- ten ziemlich lange warten, bis die Schläger nur wieder Schweizer Boden betreten könnten.
Hierzulande aber geben die ausländischen, teilweise vorbestraften Gewalttäter Interviews. Und stossen dabei noch Drohungen aus. Der zuständige Bundesrat, VBS-Chef Samuel Schmid, bekundet ob der stattgefundenen Angriffe zwar pflichtschuldigst Empörung. Doch dann glaubt er darum bitten zu müs- sen, die Polizei möge bedrängten Rekruten künftig doch bitte zu Hilfe kommen. Von konsequenter Bestrafung, von Ausweisung der ausländischen Schläger kein Wort!
Im Ausland dürfen sich unsere Soldaten bekanntlich zum Selbstschutz bewaffnen. Wenn uniformierte Wehrmänner in der Schweiz von notorischen Schlägern ausländischer Herkunft tätlich angegriffen werden muss der VBS-Chef um Polizeischutz betteln. Ist denn der Staat nicht mehr Inhaber des Gewaltmonopols?
Offensichtlich ist: Unser Staat ist an seiner Spitze krank. Allein der Souverän kann die Lethargie der Verantwortungsträger aufbrechen. Wir wählen dazu den rechtsstaatlichen Weg. Die Petition «für den Schutz der Schweizer Soldaten» zur Unterzeichnung durch die «Schweizerzeit»-Leser abgedruckt auf Seite 4 der heutigen Ausgabe ist der erste Schritt dazu.
Ulrich Schlüer