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Nr. 19, 24. September
1999
Hoffnung
Eigernordwand
Darstellung von Leistungen statt Miesmacherei
Blocher und seiner
SVP, sagte SPS-Präsidentin Ursula Koch an deren Wahlparteitag
am 6. September in Basel, sei es gelungen, Geister zu wecken, die das
Land ausein-
anderreissen. «Haltet den Dieb!» - der alte Trick.
Wer arbeitet denn
seit langer Zeit daran, im Volk die Wahrnehmung der historischen Kultur
der
Willensnation zu spalten? Um nur die letzten zehn Jahre zu nehmen: 1989,
als nach fünfzig
Jahren der Generalmobilmachung gegen die Bedrohung durch den zum Krieg
entschlossenen
Hitler gedacht wurde, gab es dagegen ein Kesseltreiben der Linken und
ihrer Militanten in den
Medien. Mit dem deutlich erkennbaren Ziel, die politisch besonders bewusste
Aktivdienstgene-
ration aus der öffentlichen Meinung auszugrenzen.
1991 boykottierten
«Kultur- und Medienschaffende» das Gedenken an den historisch
belegten
eidgenössischen Bund von 1291. In der veröffentlichten Meinung
wurde emotives Streben nach
mehr Eintracht von kalt geschürten Kontroversen erstickt. 1995 stellten
die Linken und ihr Me-
dienverbund die Besinnung auf das Kriegsende 1945 unter das Zeichen fragwürdiger
Hintergrün-
de der schweizerischen Selbstbehauptung - erneut sollte gemeinsame Erinnerung
an gemein-
sam bewältigte Gefährdung zugedeckt werden.
1998, das Gedenkjahr
sowohl zum Untergang der alten Eidgenossenschaft 1798 als auch zur
Gründung der neuen 1848, wiederum wurde der Rückblick ganz vorwiegend
zu Geschichtsbe-
trachtungen ausgewertet, welche die für das Werden der Schweiz wesentlichen
konstanten
Kräfte vernachlässigten und parteiliche Ansichten betonten.
Das Wirken eines populären Ge-
schichtsbewusstseins der Schweizer im Aufschwung von 1848 wurde ignoriert,
dafür wurden
Bezüge zu einem materialistischen Geschichtsbild kühn betont.
Ein Gemeinschaftserlebnis
war von vornherein nicht möglich, eine offizielle Feier in Bern geriet
folgerichtig zur Selbstdar-
stellung gegenseitiger Entfremdung. Und über alles ergoss sich die
Anschwärzung der Schweiz
des Zweiten Weltkriegs nach ausländischer Anleitung.
Es ist also klar,
welches die Geister sind, «die das Land auseinanderreissen»,
wie es Frau
Koch ausdrückte. Dieser Klassenkampf neuer Art spielt sich ab zwischen
einer Mehrheit wer-
tebewusster Bürger und einer Minderheit, die Werte verdrängt
oder verneint und die einen gros-
sen Teil der gedruckten und der elektronischen Medien dominiert. Womit
sie auch imstande
ist, Politiker zu steuern.
Nun ist aber die Frage,
ob die Dominanz der «das Land auseinanderreissenden Geister»
in
den Medien unverrückbar ist. Manche Anzeichen deuten an, dass die
Zeit von 1989 bis 1998,
als die Herabsetzung und Verunglimpfung des Landes in einem fast ungestörten
Medienkon-
zert vor sich ging, vorbei sein könnte. Die Hingabe der Medien an
einen vorgezeichneten Mei-
nungsstrom hat mit dem Mangel an wirklichen journalistischen Qualitäten
zu tun, und dieser
Mangel wird in immer weiteren Kreisen erkannt. An einer Tagung der Schweizerischen
Gesell-
schaft für Kommunikations- und Medienwissenschaften in St. Gallen
ist eben erst festgestellt
worden im Gegensatz zu fast allen Wirtschaftszweigen sei im Journalismus
«die Qualitätssi-
cherung und -kontrolle nicht etabliert», wie sich etwa im Fall Bellasi
und in jenem der angebli-
chen Bordellbesuche eines Bundesrats gezeigt habe. Die Konkurrenz des
Internets, verlautet
aus St. Gallen weiter, werde da vielleicht korrigierend wirken.
Man braucht möglicherweise
nicht aufs Internet zu bauen. Wenn die Fernsehveranstalter nicht
von allen guten Geistern verlassen sind, müssten sie auch so gemerkt
haben, dass in dem ih-
nen nun auferlegten Werben um Zuschauerquoten mit der blinden Beteiligung
an Meinungs-
kampagnen kein Gewinn zu machen ist, wohl aber damit, dass man aufs Publikum
zugeht.
Allerdings nicht auf den miesmacherischen Teil des Publikums, sondern
auf die vielen Men-
schen, die Leistungen anerkannt sehen wollen und daraus immer wieder neue
Kraft für eigene
Leistungen schöpfen. Nicht Jagen nach Versagen verspricht konkurrierenden
Medien dauerhaf-
ten Erfolg. Also, um zu konkretisieren, nicht die Pirsch auf Seifenblasen
wie landesverräteri-
sche «Diamant»-Veranstalter oder «Geheimarmeen»
im Verteidigungsdepartement.
Sondern, wie sich
immer wieder beweist, die Darstellung von besonderen Leistungen einzelner
oder von Teams. Bernard Piccards Erdumfahrung im Ballon hat eine Nation
dramaturgisch ge-
steigert in Atem gehalten, die TV-Livereportage von der Durchsteigung
der Eigernordwand über
die historische Route war ein Breitenerfolg erster Güte. Und gar
nicht in erster Linie Sensation,
sondern vielfältiges Lehrstück für Zuschauer und TV-Leute.
Kein anderes Medium konnte so ein-
dringlich darstellen, wie Leistung aus strenger Vorbereitung, Disziplin
und auch Drill am Ausrü-
stungsmaterial aufgebaut werden muss, aber auch, welches der ideelle Lohn
für das Gelingen
ist.
Und diese TV-Sendung,
die dem Deutschschweizer Fernsehen den eindrücklichsten Erfolg seit
langem brachte, war auch die erste, bei der sich die sonst sehr selbstbewussten
Macher ganz
den Kennern der Materie überantworteten: den Meteorologen, den Bergführern
der Region und
des Schweizerischen Alpenclubs, den Medizinern und Technikern des Rettungswesens.
Das
Fernsehen, das sonst das Zepter nie ganz aus der Hand gibt, trat es hier
ab. Das Ergebnis war
eine absolute sachgerechte Sendung.
Ein quasi revolutionärer
Akt, für den es der Selbstverleugnung der Macher bedurfte. Und Selbst-
verleugnung kann auch der Schlüssel zu einer redlichen politischen
Information durch das Me-
dium sein.
Patrouilleur suisse
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