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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 25. Juli 2003

Immer gegen die Schweiz
Funktionärs-Bürokratie oder Demokratie

Eigentlich schwören sie, die höchsten Verantwortungsträger der Schweiz, auf
Verfassung und Land. Sie würden sich kraft ihres hohen Amtes unverbrüchlich
für die Interessen des eigenen Volkes einsetzen. Interessant: Seit sich
jedes Departement zu Bern gut ein Dutzend Sprachkünstler ­ in Amtsdeutsch:
PR-Berater ­ hält, hört man nur noch ganz selten allein von «Interessen des
Landes». Neuerdings gibt Bern immer vor, im «wohlverstandenen Interesse»
von Volk und Land zu handeln.
Gibt es denn einen Unterschied zwischen blossen «Interessen des Landes» und
«wohlverstandenen Interessen», wie sie Bern mehr zu schätzen scheint? Es
gibt! Lassen wir Beispiele sprechen: Es liege, argumentiert Bern oft, im
«wohlverstandenen Interesse» der Schweiz, dass Jahr für Jahr noch mehr
Entwicklungshilfe-Millionen ins Ausland fliessen ­ trotz Schuldenloch in der
Bundeskasse, obwohl die kleinen und mittleren Betriebe an der Steuerlast
bald zu ersticken drohen. An internationalen Konferenzen aus vollen Händen
zu verteilen geht dem Überlebenskampf hiesiger KMU-Betriebe aus Berner Sicht
offensichtlich vor. Auch sei es im «wohlverstandenen Interesse» der Schweiz,
alljährlich Milliarden zu opfern für das behördliche Nichtstun vor
tausendfachem Asylmissbrauch. Die strikte Anwendung durchaus vorhandener
Gesetze könnte ja Nachbarn verärgern und damit das «strategische Ziel» des
Bundesrats auf EU-Vollbeitritt unterminieren. Also werden im
«wohlverstandenen Interesse» lieber Steuerzahler geschröpft als Grenzen
geschützt. Und Bern folgt auch «wohlverstandenem Interesse», wenn es vor der
Diskriminierung des Flughafens Zürich-Kloten durch Deutschland den Nacken
beugt: Man darf, nach Brüssel strebend, doch nicht das stärkste EU-Mitglied
reizen.
Dass der Kanton Zürich ­ einige preisen ihn dafür als «wegweisend» ­ mit
einem neuen Kirchengesetz den Stimmbürger hinterrücks von aller Mitsprache
ausschliessen will, wenn dereinst muslimische Glaubensgemeinschaften in den
Rang von (vom Steuerzahler zu tragenden) Landeskirchen erhoben werden ­
solcher Anschlag auf die direkte Demokratie folge «wohlverstandenem
Interesse» des Landes, dessen Stimmbürger in solch heiklen Fragen
bekanntlich etwas «überfordert» seien. Und gleichem «wohlverstandenem
Interesse» folge auch der jüngste Streich aus Lausanne, der den Bürger von
Einbürgerungs-Entscheiden ausschliesst. Denn nur jenen, denen wir den seit
Jahren unerträglichen Asylmissbrauchs-Schlamassel zu verdanken haben, ist
jene «Weitsicht» geschenkt, die dazu befähigt, das jahrzehntelang verschleppte
Ausländerproblem elegant via Masseneinbürgerung aus der Welt zu schaffen.
Dem einfältigen Stimmbürger fehlt es dazu aus Berner Sicht etwas an Horizont
...
Man kann darauf zählen: Wo immer Berner PR-Spezialisten «wohlverstandenes
Interesse» des Landes beschwören, sind die Regierenden daran, gegen die
Schweiz zu handeln. Nicht immer, aber immer öfter.

Ulrich Schlüer

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