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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 23. August 2002

Wahrheitswidrige Behauptungen zur Gold-Initiative
Lesen Sie endlich die NZZ, Herr Bütler!

Herr Dr. Hugo Bütler ist Chefredaktor der renommierten «Neuen Zürcher Zeitung». Aus dieser Autorität ausstrahlenden Position legte er am 31. Juli 2002 im NZZ-Leitartikel wohlgesetzte Worte zum 1. August nieder. Und disqualifizierte dabei mit Nachdruck die AHV-Gold-Initiative. Zur Forderung der Initiative, alle von der Nationalbank nicht mehr benötigten Währungsreser- ven allein zur Sicherung der AHV einzusetzen, sagte Bütler wörtlich: Diese Forderung «begünstigt allein die Rentnergeneration, und das Vermögen würde unmittelbar vertan.»

Das ist, mit Verlaub, eine krasse Verfälschung der Tatsachen. Würde der NZZ-Chefredaktor gelegentlich auch den Inlandteil seines eigenen Blattes lesen, dann stiesse er dort sehr rasch auf die überzeugend- ste Widerlegung seiner unsinnigen Behauptung. Als das Komitee für den bundesrätlichen Gegenvor- schlag an seiner Medienkonferenz mit gleichen Unwahrheiten aufzutrumpfen versuchte, entlarvte die NZZ (am 8. Juni 2002) dessen Unterstellungen folgendermassen als Unwahrheit:

«An der Medienkonferenz wurde... wiederholt betont, dass nur der Gegenvorschlag das Sondervermögen in seiner Substanz erhalte, während bei Annahme der SVP-Gold-Initiative die 20 Milliarden Franken auf einen Schlag verbraucht würden. Diese Aussage tönt zwar überzeugend, doch sie stimmt nicht und wird auch durch stete Wiederholung nicht wahrer. Der Initiativtext überlässt es nämlich klar und unmiss- verständlich dem Gesetzgeber zu entscheiden, ob das Vermögen als solches oder aber die erwirt- schafteten Erträge in den AHV-Fonds fliessen sollen.»

So stellt Hugo Bütlers NZZ ­ vom Chefredaktor anscheinend ungelesen ­ die Wirklichkeit dar. Übrigens: Auch wenn der Erlös aus dem Verkauf nicht mehr benötigter Währungsreserven gesamthaft an den AHV-Fonds übertragen wird, wird er - ebensowenig wie der AHV-Fonds heute - nicht ausgegeben, geschweige denn «vertan». Sondern unter gesetzlichem Schutz sorgfältig und ertragsbringend verwaltet. Eine hanebüchenere, dümmere Behauptung als jene vom «unmittelbar vertanenen Vermögen» gibt es wahrhaftig nicht.

Wir behaupten nicht, Herr Chefredaktor Hugo Bütler verbreite in seinen Gedanken zum 1. August wissentlich und willentlich Unwahrheiten. Vorwerfen muss man ihm aber, dass er - offensichtlich nur oberflächlich im Bild und bezüglich echter Argumente sichtlich in Not - unwahre Behauptungen gedankenlos abgeschrieben und weiterverbreitet hat. Für ein Organ, das immer wieder «Weltformat» für sich beansprucht, eine etwas peinliche Vorstellung des Chefredaktors.

Ulrich Schlüer

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