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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 17. August 2001

Überfall auf Rekruten in Aarau
Befehl «Abhauen!»

Am 6. August wurden in Aarau über ein Dutzend Korporale und Rekruten der Infanterie-RS von mit Baseball-Schlägern und Eisenstangen ausgerüsteten Ausländern tätlich angegriffen. Die Ausländer, zunächst zahlenmässig unterlegen, forderten per Handy Verstärkung. Diese war alsbald zur Stelle, so dass den unbewaffneten Schweizer Militärs nur der «geordnete Rückzug» übrigblieb. Sechs Schweizer Militärpersonen wurden verletzt. Dies alles im fried- lichen Aarau mit seiner langjährigen, stolzen Militärtradition.

Der Schulkommandant ordnete darauf an, dass sich Schweizer Soldaten, sollte sich ähnliches wieder- holen, in jedem Fall unverzüglich zurückzuziehen hätten. Der zuständige Bundesrat hüllt sich zum Vorfall in Schweigen. Auch die Militärspitze ­ Generalstabschef, Chef Herr ­ bleibt stumm. Ebenso wie der in nächster Nähe des üblen Geschehens wohnhafte, sonst keineswegs besonders wortkarge Präsi- dent der Schweizer Offiziersgesellschaft.

Nun sind wir also soweit: Schweizer Soldaten werden im Ausland eingesetzt ­ zwecks «Sicherung des Friedens» zwischen Streitparteien. Derweilen greifen hier weilende Ausländer ­ möglicherweise aus dem gleichen Gebiet, wo Schweizer Soldaten im Ausland «den Frieden sichern» ­ uniformierte, unbewaffnete Soldaten im Ausgang tätlich an mit (wohl «zufällig» mitgeführten) schweren, gefährlichen Schlagwaffen. Und jene ganz wenigen Vorgesetzten, denen dieser ungeheuerliche Vorfall die Sprache nicht völlig verschlagen hat, ordnen für solche Fälle das generelle «Abhauen!» an. Von allfällig anwesenden Zivi- listen werden noch Zeugenaussagen erwartet. Die hohen Militärs nehmen offenbar an, dass Passanten die Identitätsfeststellung von bewaffneten Angreifern übernehmen, wenn den Soldaten gleichzeitig generell der bedingungslose, raschmöglichste Rückzug befohlen wird. Dass, wo Ruhe und Ordnung gebrochen werden, auch die Armee per Verfassung zum «Ordnungsdienst» verpflichtet wäre, scheint Bern völlig vergessen zu haben.

Wie tief muss unsere Armee noch sinken, bis sich an deren Spitze ­ am Krankheitsherd! ­ wieder so etwas wie Verantwortung für Ehre und Sicherheit von Land und Bevölkerung einstellt? Da beschwört man in Kosovo am 1. August bei den Swisscoys telegen «die Solidarität». Und in der Schweiz müssen sich Soldaten von Ausländern verprügeln lassen ­ wozu die Armeespitze generelles «Abhauen!» befiehlt.

Wenn uns diese Armee jährlich schon volle 4,3 Milliarden Franken an Steuergeldern kostet, darf dann von den Verantwortlichen für die Armee nicht endlich so etwas wie ein Tatbeweis erwartet werden: Dass sie noch wissen, was sie unserem Land schuldig sind!

Ulrich Schlüer

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