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Der
aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer
zu
Blauhelm-Vorlage und Armee-Einsätzen im Ausland
Grössenwahn
Am 12. Juni 1994,
vor gut fünf Jahren, hat der Schweizer Souverän die Blauhelm-Vor-
lage deutlich verworfen, Armee-Einsätze im Ausland also abgelehnt.
Wo, als
Folge
von Kriegoder Katastrophen, Not herrscht, soll die Schweiz rein humanitäre
Hilfe lei-
sten: Das Katastrophenhilfekorps (SKH) und das Rote Kreuz (IKRK) sind
die dafür ge-
eigneten, hervorragende Arbeit leistenden Instrumente.
Der Bundesrat hat
diesen Entscheid nie akzeptiert. Seiner diffusen «Politik der Öffnung»
verfal-
len, will er die Armee auch im Ausland einsetzen. «Gehen wir zur
Krise, sonst kommt die Kri-
se zu uns», lautet sein fahrlässig-oberflächlicher Glaubenssatz.
Mit aller Energie treibt er die
Planung von Armee-Auslandeinsätzen voran. Demnächst werden 160
junge Schweizer Unifor-
mierte in den Kosovo geschickt. Im Prinzip unbewaffnet, aus Sicherheitsgründen
(und als Af-
front gegen die Schweiz) allerdings einer Einheit bewaffneter Österreicher
«bei-unterstellt» oder
«unter-beigestellt».
Und auch millionenschwere
Anschaffungen sind geplant: Grossraum-Transportflugzeuge ste-
hen zuoberst auf dem Wunschzettel. Bezüglich Bewaffnung der Schweizer
Auslandsoldaten
hielt sich der Bundesrat lange bedeckt. Zwar wollte er im Eilverfahren
das Militärgesetz teilre-
vidieren, damit eine Rechtsgrundlage für bewaffnete Auslandeinsätze
entstünde. Als sich ein
Referendum ankündigte, liess er die Idee Teilrevision allerdings
schleunigst wieder fallen. Die
Planung für bewaffnete Auslandeinsätze ging trotzdem weiter.
Zuerst sprach Bern von «Bewaff-
nung zum Selbstschutz». In Planungspapieren tauchte allerdings bald
auch der Ausdruck «Be-
waffnung zur Auftragserfüllung» auf - was immer darunter zu
verstehen ist. Sturmgewehre, war
zu vernehmen, genügten als Selbstschutz nicht. Auch Schützenpanzer
seien erforderlich. Und
in VBS-Vorträgen ist gar von Kampfpanzern, sogar von Kampfhelikoptern
die Rede - obwohl die
Schweizer Armee bis heute solche gar nicht besitzt.
Soeben ist auch ein
neues Einsatzkonzept für die Schweizer Luftwaffe erschienen. Dem
Leser
bleibt buchstäblich die Spucke weg: Nach erneuter Beschwörung
des Leitsatzes «Gehen wir
zur Krise, sonst kommt die Krise zu uns», spricht Bern Klartext.
Im Rahmen des Konzepts
«Sicherheit durch Kooperation» müsse auch unsere Luftwaffe
auf Auslandeinsätze vorbereitet
werden. Als Zielsetzung wird - wörtlich! - folgendes festgelegt:
«Erreichen der Luftüberlegenheit -
allenfalls Beitrag dazu - über dem Einsatzgebiet der eigenen Truppen.»
Dies sei «Aufgaben-
wahrnehmung im Rahmen multinationaler Einsätze».
Das Schweizer Luftwaffenkommando
träumt also vom Kampf um Luftherrschaft irgendwo auf
dieser Welt. Über Osttimor? Über Dagestan? Das sind doch Krisen,
zu denen «wir» - gemäss
Bundesrat - endlich «hingehen» müssten... Wer
nur stoppt endlich solch brandgefährlichen
Grössenwahn?
Ulrich Schlüer
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