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Bürgerlich-konservative Zeitung für
Unabhängigkeit, Föderalismus und Freiheit
Spalte rechts |
Wanderfreuden Spalte rechts vom 21. August 1998 (Ausgabe Nr. 18) |
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| Wandern ist etwas Schönes. Auch das Wandern
in grosser Gruppe mag seinen Reiz haben. Verdächtiger wirds, wenn
die Wandergruppe, ein sein Ohr demonstrativ angeblichen Bürgeranliegen leihender
Bundespräsident in der Mitte, sich von einem Medientross auf Schritt und
Tritt begleiten lassen muss, die angebliche Volkstümlichkeit des Bundespräsidenten
in die hinterste Schweizerstube demonstrierend.
Dennoch: Wandern ist schön! Nur: Während sich unser Bundespräsident und Aussenminister am von PR-Profis inszenierten und gefilmten Gruppenwandern erfreute, trieb in New York die schwerste aussenpolitische Krise, welche die Schweiz seit dem Zweiten Weltkrieg heimgesucht hat, unaufhaltsam einem dramatischen Höhepunkt zu: Die Vertreter der Grossbanken, den schweizerischen Aussenminister beim gefilmten Gruppenwandern wissend, entschlossen sich zum Kniefall vor den amerikanischen Erpressern, entschlossen sich zur Zahlung eines milliardenschweren Schutzgelds, womit sie sich fortan ungehinderte Geschäftstätigkeit in den USA erkaufen zu können glauben. Ein an altbekannte Mafia - Bräuche erinnernder «Deal», welcher der ganzen Schweiz, dem gesamten Schweizervolk längst nicht bloss den Schweizer Banken postwendend rund um die Welt Schlagzeilen und Kommentare bescherte: Unser Land suche sich mit dieser erpressten Schutz- geldzahlung der Banken «von seiner Kriegsschande loszukaufen ...». Die Banken hatten sich zu ihrem Kniefall entschlossen, weil ihnen der Bundesrat seit Monaten bedeutet hatte, ihr Deal mit den Erpressern sei allein ihre Sache, interessiere den Bundesrat in keiner Weise. Dass die amerikanische Regierung einen ihrer höchsten Beamten zum Fäden-Ziehen für diesen Milliardendeal freigestellt hatte, interessierte den Bundesrat demonstrativ nie. Denn vor den USA wollte Bern von Anfang an nur kuschen. Das Völkerrecht, das der Regierung die Mittel für angemessene Antworten, für die wohlbegründete Zurückweisung erpresserischer und politischer Beleidigungen in die Hand gegeben hätte, ignorierte der Bundesrat konsequent. Unser Aussenminister widmete sich lieber dem Wandern. Auch jetzt, da nach dem Sieg der Erpresser die Ehre unseres Landes, der Weltkriegsgeneration, der Schweiz und der Schweizer hundertfach besudelt wird, ist vom Bundesrat kein Ton zu vernehmen. Unser Aussenminister wandert lieber. Kein Zweifel: Hätte die Schweiz keinen Bundesrat, keine Regierung der Handel mit den arroganten Erpressern wäre nicht demütigender herausgekommen. Wofür braucht unser Land überhaupt einen Bundesrat, wenn dieser, in der schwersten aussenpolitischen Krise des Landes, lieber wandert als handelt? Ulrich Schlüer |