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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 11. Juli 2003

Früchte des Versagens
Der Bundesrat und der Asylmissbrauch

Man kann, erfuhr man am 30. Juni 2003 am Schweizer Fernsehen, als
Schein-Asylant auch daherflunkern, man sei von Nigeria mit dem Kanu übers
Meer in die Schweiz geflohen. Und schon ist der Verbleib in unserem Land
gesichert. Und auch das freimütige Geständnis war zu vernehmen, alle Afrikaner
würden ihre Pässe konsequent fortwerfen, weil die Schweiz sie dann nicht mehr
zurückschaffen könne. Und tatsächlich sind die Schweizer Behörden unfähig,
solche Asylbetrüger wieder auszuweisen. Es kann auch einer offen zu Protokoll
geben, er komme lediglich «zum Klauen und Dealen» (vgl. Seite 8 der heutigen
«Schweizerzeit») in unser Land. Und trotzdem wird er nicht ausgewiesen...

Denn das Departement Metzler, eigentlich zuständig für die Unterbindung des
tausendfachen Asylmissbrauchs, ist mit viel Wichtigerem beschäftigt.
Derzeit, so verrät Flüchtlingsamts-Direktor Jean-Daniel Gerber den Medien,
konzentriere sich Bern auf die Förderung einer «Initiative von Bern», eines
internationalen Zusammenschlusses von Flüchtlingsbeauftragten zwecks
«Optimierung des ökonomischen Nutzens der Migration» (NZZ, 3. Juli 2003).
Das ist natürlich viel angenehmer, als sich mit Asylbetrügern herumschlagen
zu müssen, wofür man zwar eigentlich das Salär bezieht. Da kann man Studien
erstellen, Regulierungen erfinden und harmonisieren, viel Geld ausgeben und
immer wieder schöne Reisen unternehmen. Die Internationale der Berufsfunktionäre,
ein Kartell von Lösungsverhinderern, kostet das Asylproblem voll aus ­ uneingeschränkt
gedeckt von Bundesrätin Ruth Metzler. Immer nach dem Motto: Je ungelöster
das Asylproblem, desto gesicherter die gut bezahlten Jobs der Asylfunktionäre.

So erfüllt der Bundesrat sein am 24. November letzten Jahres, nach der
hauchdünnen 50,1-Prozent-Ablehnung der SVP-Asylinitiative abgegebenes
Versprechen, das Flüchtlingsproblem jetzt endlich energisch angehen zu
wollen. Trifft die klägliche Kapitulation höchster Bundesbehörden vor Recht, Gesetz
und Ordnung angesichts des alltäglichen Asylmissbrauchs eigentlich bloss die
hier anwesende, unter den Missständen zunehmend leidende Bevölkerung? Oder
verlockt das klägliche Versagen dieser Verantwortlichen vor den ihnen
aufgetragenen Pflichten zunehmend auch das Ausland zu arroganten bis offen
feindseligen Demarchen gegen die durch offensichtlich überforderte Behörden
geschwächte Schweiz? Etwa mittels kaltschnäuziger «einseitiger Verfügungen»
zur Diskriminierung des Flughafens Zürich-Kloten? Oder mit immer wieder
neuen, gefährlichen EU-Attacken auf das Schweizer Bankkundengeheimnis.
Beides mit dem Ziel, die Schweiz als lästigen Konkurrenten entscheidend aus
dem Markt zu verdrängen?

Bloss Spekulation? Oder unausweichliche Konsequenz behördlichen Versagens in
Bern?

Ulrich Schlüer

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