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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 26. Juli 2002

Banken finanzieren Abstimmungskampf für Solidaritäts-Stiftung
Die Schlamassler zahlen

Nein, es liegt uns völlig fern zu behaupten, jene, welche Milliarden an Pensionskassen- vermögen verspekuliert haben, hätten unrechtmässig in die eigene Tasche gewirtschaftet ­ selbst wenn sie sich für aufgeblasene Bilanzen überreichlich mit "Erfolgsprämien" belohnt haben.

Sie ­ insbesondere die Manager der Grossbanken ­ sind bloss allesamt dem gleichen, fast zum Glaubensbekenntnis emporstilisierten Phantom nachgerannt, dem Phantom "Allfinanzkonzern" nämlich. Und haben dabei, von kollektiver Blindheit geschlagen, Milliarden in den Sand gesetzt. Die Credit Suisse musste die einst vor Gesundheit strotzende "Winterthur" plündern, um Milliardenverluste ihrer First Boston auszubügeln. Derweil verlochte die vor kurzem noch kerngesunde Rentenanstalt Milliarden in eine marode Bank ­ die sie aus reinem Selbsterhaltungstrieb demnächst wohl mit Riesenverlust wieder abstossen muss. Und auch die einst grundsolide "Zürich" verlor Milliarden in unüberlegt zusammengekauften, grosssprecherisch als "strategisch" deklarierten Auslandsengagements.

Es ist dieser unsinnige, unisono und blindlings als "amerikanisch" beschworene Traum vom "Allfinanz- konzern", der eigentliche Tragsäulen des Finanzplatzes Schweiz, die man jahrzehntelang als uner- schütterbar einstufte, bis fast zum Einsturz unterhöhlen liess. Milliardenlöcher zu Lasten der Pensions- kassen-Einzahler zurücklassend, während jene, welche die Schuld an der Misere tragen, selbst dann noch reichlich abgefunden werden, wenn sie ihre Posten als Gescheiterte zu verlassen haben. Der Filz, der exponierte Teile der Schweizer Wirtschaft befallen hat, hat auch im "Allfinanzbereich" Metastasen entwickelt ­ bis hinein in die Landesregierung, wo FDP und CVP eilfertigst die Herabsetzung der Pensionskassen-Verzinsung durchpeitschen, nicht zuletzt, um den Verursachern des Schlamassels einen "Abgang in Ehren" zu öffnen.

Und die also vor persönlicher Schmach Geschützten zeigen sich sofort erkenntlich: Mag ihren Finanz- imperien noch so die Auszehrung drohen, so vermögen sie doch noch erkleckliche Summen (man hört von einem siebenstelligen Betrag) locker zu machen, um dem Bundesrat am 22. September die Solidaritäts-Stiftung zu retten. Statt dass sie, die sie das Pensionskassen-Desaster zu verantworten haben, mit Hilfe der AHV/Gold-Initiative der SVP jetzt wenigstens das Fundament der AHV entschei- dend verstärken helfen, wenden sie Hunderttausende, wenn nicht Millionen auf, um der erpressten Solidaritäts-Stiftung an der Urne zum Durchbruch zu verhelfen. Auf dass auf Schuldentürmen sitzende Bundesräte und andere reisefreudige Politiker in der ganzen Welt, als "Guttuer" applaudiert, Geld verteilen können. Geld, das dem Volk, nicht den Politikern gehört. Ob der Souverän dem Filz auf den Leim kriecht?

Ulrich Schlüer

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