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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 27. Juli 2001

Der peinliche Abgang des Wachmanns Meili
...der Depp kann gehen!

Er bebt vor Zorn, der Wachmann aus Zürich, nachdem er sich ­ vor wenigen Monaten in den USA und in Israel vor allen Kameras noch als «wahrer Held» gefeiert ­ in Los Angeles offenbar mangels Studienerfolgs wieder zum 9-Dollar-Wachmann zurückmutieren lassen musste. Denn er, Christoph Meili, habe «seine Million» noch nicht erhalten.

Hat er uns gewöhnlich Sterblichen, als ihn Medien und gerissene US-Anwälte zum Retter der Mensch- lichkeit stempelten, denn nicht weisgemacht, «alles» aus purlauterer humanitärer Überzeugung, allein seinem christlichen Gewissen folgend getan zu haben? Und jetzt geht es nur noch um eine runde, nackte Million...

In einem allerdings bleibt sich alt Held Meili treu: In der unüberbietbaren Dämlichkeit seiner ­ jetzt eben nicht mehr von zielbewussten Anwälten gefilterten ­ Aussagen und Auftritte. Doch genau diesem bald bemitleidenswert durchschnittlichen Plauderi sind seinerzeit unsere Grossbanken aufgesessen. Köpfe rollten. Milliardenzahlungen wurden geleistet ­ nur um sich endlich des «Falls Meili» entledigen zu können. Und ein waschechter schweizerischer Aussenminister ­ Flavio Cotti mit Namen ­ glaubte sich im Gefolge der Präsentation Meilis durch seine Promotoren als Pilger ins New Yorker Büro des grossen Drahtziehers Bronfman kasteien zu müssen. Er nahm dort allerdings bloss Watschen in Empfang ­ und wurde mit leeren Händen wieder vor die Türe gestellt.

Der «Fall Meili» illustriert damit nicht zuletzt den tiefen Fall des Selbstbewusstseins unserer Landes- regierung. Doch selbst der heutige Bundesrat scheint noch Gefangener dieses Meili zu sein: Wenn die Gemeinde, wo Meilis Mutter mit Sozialhilfe im Altersheim lebt, selbstverständlich geltendem Recht zufolge von Sohn Meili Unterhaltszahlungen einfordert, interveniert das Departement Deiss von höchster Warte aus ­ es sei in diesem Fall «aus höherem Interesse» nicht ratsam, gegen Herrn Meili das gelten- de Gesetz anzuwenden und die Kosten für die Beherbergung seiner Mutter im Altersheim in Rechnung zu stellen. Offenbar hat man zu Bern noch nicht einmal bemerkt, dass die nach Milliarden gierenden US-Anwälte Meili längst fallengelassen haben: Der Depp hat seine Schuldigkeit getan, der Depp kann abtreten!

Dass Meilis Abgang von der Weltbühne zu einem äusserst peinlichen Ereignis werden dürfte, war ange- sichts der kaum unterbietbaren Durchschnittlichkeit des Hauptrollen-Trägers längst voraussehbar. Im Rückblick interessiert nur noch eines: Wer war es, der Meili damals zum «Aktenfinder» zu montieren wusste? Wer sich so lächerlich benimmt, wie es Meili eben nicht besser kann, kann ja niemals allein auf die Idee gekommen sein, sich als Eindringling in einen Akten- keller selber zum Weltstar zu machen.

Ulrich Schlüer

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