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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 18. August 2000

Schleichende Anpassung der Armee an Nato-Normen
Nato-Träume

Keine Parlamentskommission wurde darüber ins Bild gesetzt, dass unsere Armee derzeit still und leise, aber äusserst konsequent auf Nato-Normen umgerüstet wird. Aufwendungen verur- sachend, die in keinem vom Parlament zu genehmigenden Rüstungsprogramm aufgeführt sind. Da werden - der Nato willfährig - Katalysatoren klammheimlich aus Armeefahrzeugen ausgebaut. Die Armee wird mittels «Brigadisierung» der Nato-Doktrin angepasst.

Die Weichenstellung «mehr Berufsarmee - weniger Miliz» folgt Nato-Ansprüchen. Fahrzeuge werden Nato-verbandstauglich umgerüstet. Ebenso Kampfpanzer. Die Luftwaffe übt prioritär Luftbetankung von Kampfflugzeugen - als bräuchten diese mehrere Tankfüllungen zur Durchquerung der Schweiz. Und Munition wollen wir künftig fast nur noch von der Nato beziehen.

Der als «Chefideologe der Internationalisierung» unserer Armee apostrophierte Botschafter Philippe Welti - so wird zitiert - triumphiere: Die Schweiz sei bezüglich Nato-Anpassung Spitze. Damit werde, vernimmt man weiter, die «Schweizer Soldateska» endlich zu einer international einsetzbaren Streit- macht umgeformt...

Ausnehmend sympathisch, Schweizer Wehrmänner - Staatsbürger in Uniform - als Soldateska diffa- miert zu sehen. Wobei unterschlagen wird, dass Einordnung in Nato-Verbände immer nur Unterordnung sein kann. Weil in der Nato der diktiert, der die Macht dazu hat - siehe Nato-Luftkrieg in Jugoslawien. Weshalb überhaupt müssen schweizerische Kampfpanzer und schweizerische Kampfflugzeuge auf «Verbandstauglichkeit» mit der Nato getrimmt werden? Hat das Departement Ogi die von ihm ange- strebten, vom Souverän bisher nie bewilligten Armee-Auslandeinsätze nicht immer als reine «Friedens- erhaltung» - ohne Kampfeinsätze - deklariert? Wozu braucht es da Kampfpanzer und Kampfflugzeuge in Nato-Verbänden und unter Nato-Kommando?

Das VBS-Vorgehen hat Methode: Es folgt dem Muster, das mit dem «unbewaffneten» Kosovo-Einsatz durchgespielt wurde. Zuerst wurde behauptet, die Österreicher hätten den Schutz der Schweizer vertraglich zugesichert, weshalb ein unbewaffneter Schweizer Einsatz unbedenklich sei. Kaum in Kosovo, war diese Lösung «unehrenhaft» und gefährlich. Der VBS-Chef, der sie verkauft hatte, mutierte zum «Löwen von Kandersteg», der für Sicherheit und Ehre «seiner Soldaten» zu kämpfen habe. Wie lange dauert es noch, bis uns das VBS vorzujammern beginnt, unserer ganz auf Nato getrimmten Armee werde immer bloss untergeordnete Arbeit zugeteilt, sie sei zum «Kübel-Leerer» im Nato-Verband verdammt, solange ihr ein uneinsichtiger, rückwärtsgewandter Souverän den Vollbeitritt zur Nato verweigere...?

Ulrich Schlüer

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