Nr. 17, 13. Juni 2008

Offener Brief an Monika Stocker

Frau Stadträtin,

Nachdem wir gleichzeitig zur Kur waren - Sie wegen eines Burn-out, ich zwecks eines Brushing-up - möchte ich die gemeinsame Auszeit hiemit wettmachen. Auch wenn Ihre Tage im Sozialamt gottlob für Sie und für Zürich gezählt sind.

Am 23. Mai 2008 haben Sie schnell noch die neuesten Zahlen aus Ihrem Amt veröffentlicht, wonach die Zahl der Sozialhilfefälle um zehn Prozent zurückgegangen sei. Als Finanzmathematiker und Betriebswirtschafter vertraue ich sowieso nur Statistiken, die ich selber frisiert habe. Und Ihnen um so weniger, wenn Sie berichten, nur fünf (!) Missbrauchsfälle seien von Ihren Sozialdetektiven, ganze 589 aber von Sozialarbeitern aufgedeckt worden. Gleichzeitig wollen Sie aber Ihre "ineffizienten" Detektivstellen mehr als verdoppeln. Da ist ja die deutsche Enigma ein offenes Geheimnis gegen die Logik unseres Stadtrats.

Die verletzende Behandlung Ihrer verdienten langjährigen Mitarbeiterinnen - an Frau Wyler hatten Sie in den Neunzigerjahren ja regelrecht den Narren gefressen, als Sie sie zu Ihrer Adjunktin machten - nervt mich. War es wirklich nötig, die beiden Stauffacherinnen am Arbeitsplatz zu verhaften, sie auch noch im Grossraumbüro vorzuführen und mit stundenlangen Hausdurchsuchungen und akribischen Verhören zu demütigen? Im TeleZüri haben Sie kühn behauptet, das sei ausschliesslich die Schuld der Polizei bzw. der Staatsanwaltschaft gewesen. Aber, aber, Frau Stocker, das ist doch nicht der Stil unserer Polizisten und Staatsanwälte! Da muss doch eine Weisung von höherer Warte erfolgt sein. Etwa gar von Ihnen, mit Billigung des Herrn Stadtpräsidenten?

Wo bleibt da Ihre viel gerühmte Solidarität unter Frauen? Aber Sie könnten diese immer noch nachholen. Als Frau alt Stadträtin ist Ihre Rente ja so grosszügig bemessen, dass für die beiden Stauffacherinnen Zopfi und Wyler alleweil etwas übrig bliebe. ZKB (PC 80-151-4) Kto. 1100-1304.072, IBAN CH93 0070 1110 0013 0407 2 - und weg wäre das schlechte Gewissen.

Ihr Kur-Schatten (Honni soit qui mal y pense)
Hans Scharpf, Zürich