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Der
aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 13.
Juni 2008
Regierungsdevote
Medien buhlen um Sende-Konzessionen
Puppentheater
Wenn alle Medien mit auffallend identischen Behauptungen und nahezu gleicher Wortwahl auf ein und dieselbe Partei eindreschen: Ist solcher Vorgang ohne dahinterstehende Regie vorstellbar? Wenn nahezu sämtliche Medien geschlossen auf Regierungskurs segeln und allesamt jene politische Kraft, welche sich als Opposition zum dominierenden System zu erkennen gibt, mit ebenso harschen wie pauschalen "Stil"-Vorwürfen eindecken: Ist solche Einbahn-Kampagne erklärbar ohne Fäden ziehende Hintermänner?
Anders gefragt: Ist die organisierte Kampagne gegen die das System der Classe politique störende, indessen von 700'000 Wählern unterstützte grösste Partei bloss Einbildung von Betroffenen? Oder hat sich in der vor wenigen Jahren weltweit noch als nachgerade sprichwörtlich vielfältig gelobten Schweizer Medienlandschaft tatsächlich ein tiefgreifender Wandel vollzogen - hin zu weitgehend regierungsdevoter Hofberichterstattung? Eine Änderung hat - unbeachtet vom Publikum - tatsächlich stattgefunden: Nahezu alle Verlage der grossen und mittelgrossen nationalen und regionalen Schweizer Medien (einzige Ausnahmen: "Weltwoche" und "Schweizerzeit") drängen in den Lokalradio- und Lokalfernsehmarkt. Dieser Drang macht sie abhängig: Von Gebühren einerseits, von - noch einschneidender - Konzessionen andererseits. Von Konzessionen, die über Sein oder Nichtsein entscheiden. Die Macht der Konzessionsvergabe liegt allein bei politischen Behörden. Glaubt jemand, dass bei denen, die über Konzessionserteilungen entscheiden, die persönlichen politischen Präferenzen keine Rolle spielen? Glaubt jemand, dass die, die Konzessionen benötigen, die Polit-Positionen der Konzessions-Erteiler nicht sorgfältig in Rechnung stellen - z.B. bezüglich EU-Haltung?
Auffällig: Die Zeitungen aller Verlage, die um solche Konzessionen buhlen, gelangen - nach "eigenständigen Recherchen" selbstverständlich - zum genau gleichen Kleingrüppchen von Namen, wenn sie angebliche "innerparteiliche Gegnerschaft" gegen die SVP-Führung suchen. "Gegner", die sich für die von ihnen erwarteten "Stil-Anklagen" einspannen lassen. Es sind die Namen derjenigen, die sich im (vom Bund finanzierten) Berner Medienzentrum hartnäckig andienen. Weil auch sie wenigstens einmal im Leben "nationale Bekanntheit" erlangen möchten. Passen sie ins Konzept, finden sie - selbst bei niemandem bekanntem Leistungsausweis - mitunter Gehör: Als aufblasbare Puppen in einer Kampagne - bis sie, manchmal nach wenigen Tagen schon, zu jenem Format wieder zusammenschrumpfen, das ihnen tatsächlich entspricht.
Alarmierend höchstens, wenn sich mitunter selbst Bundesräte in solches Puppentheater einspannen lassen.
Ulrich Schlüer