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Der
aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 12.
August 2005
"Zufälligkeiten" rund um die
"Rütli"-Bundesfeier
Inszeniert?
Wer hat eigentlich
schon lange zum voraus der Öffentlichkeit unablässig eingehämmert,
in diesem Jahr müssten Radaubrüder besonders zahlreich auf dem Rütli
erwartet werden - bis schliesslich der hinterste und letzte der angesprochenen
Krakeeler wusste: Wer Radau erleben will, muss
am 1. August auf dem Rütli dabeisein. Weitere Frage: Was ist einfacher,
als sichtbar für Radau anreisende Leute, die einzeln ein Schiff verlassen
müssen, auch einzeln kurz zu überprüfen - und unerwünschte,
Szene-bekannte Primitivbrüller schnurstracks aufs Schiff zurückzubefördern?
Warum war ausgerechnet die dafür nötige Handvoll Polizisten mit
entsprechend trainierten Hunden nicht aufgeboten worden - wo doch der "Blick"
zuvor während Wochen Rütli-Brüller mobilisiert hatte?
Wer war es, der schon Tage vor der Bundesfeier die verantwortungslose Behauptung
in die Welt setzte, der Bundespräsident würde ungehobelte Brüller
am 1. August gehörig in den Senkel stellen, so dass die mobilisierte
Horde sich von allem Anfang an auf einen "Kampfeinsatz" gegen den
Bundespräsidenten einstellte? Und wer kam bloss auf die Idee, dem Bundespräsidenten
Worte in seine Rede zu placieren, bei denen jeder, vor allem jeder professionelle
Bundeshaus-Redenschreiber klar wusste, dass sie auf angereiste Brüller
wirken würden wie das rote Tuch auf den Stier?
War die vom Fernsehen so unablässig gezeigte Staffage zum bundespräsidialen
Rütli-Auftritt wirklich bloss ein Ergebnis zufälliger Gegebenheiten?
Oder stand dahinter ein organisierender Kopf? Wer hat dafür gesorgt,
dass die Medien ausschliesslich über den Radaubrüder-Aufzug auf
dem Rütli berichteten, die Angriffe mit Feuerwerk von vermummten Chaoten
auf die Besucher einer 1.-August-Feier mit Christoph Blocher in Winterthur
indessen praktisch ausgeblendet blieben? Schliesslich das Finale mit Bundesrat
Moritz Leuenberger: Er setzt jene auf die Anklagebank, die vom "Charakterlumpen"
gesprochen hätten. Wie interessant! Zufälligerweise war es der "Blick",
der dieses Wort verbreitete. Die nach Leuenberger "Schuldigen" verwendeten
es nie.
Steht also wohldurchdachte Inszenierung hinter dem, was jetzt so theatralisch
als "Rütli-Schande" breitgeschlagen wird? Wem dient diese Inszenierung?
Sollen damit all jene pauschal disqualifiziert werden, denen die Schweiz mit
ihren charakteristischen Eigenheiten noch etwas wert ist? Oder soll damit
über den Argumentationsnotstand hinweggetäuscht werden, der jene
befallen hat, welche am 25. September die Schweiz mitsamt ihren Arbeitsplätzen
und Sozialwerken uneingeschränkter Ost-Zuwanderung ausliefern wollen?
Wer immer sich dazu Gedanken anstellt, dürfte zu interessanten Schlussfolgerungen
vorstossen.
Ulrich Schlüer