Spalte rechts

Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 27. Juni 2003

Die Steuerkartellisten

An die internationale Entwicklungsbürokratie überweist der Bund jährlich über eine Milliarde Franken. Über zwei Milliarden verlochte ernutzlos ins Swissair-Desaster.

Alljährlich versickert weit mehr als eine Milliarde ins Asyl-Unwesen. Und Dutzende von Milliarden wurden und werden der marktfremden Schienenverkehrs- Ideologie mit der Neat im Zentrum geopfert. Bundesräte verschwenden Geld für medienträchtige Happenings wie den lächerlichen Grenzübertritt in Korea. Und Dutzende von Parlamentarier konzentrieren ihren Erfindungsgeist vor allem darauf, sich unter irgendwelchen Vorwänden (populär sind vor allem «Wahlbeobachtungen») angenehme Auslandreisen auf Steuerzahlers Kosten unter den Nagel zu reissen.
Für all diese skandalösen Verschwendereien scheint Geld in Hülle und Fülle vorhanden. Aber dann, wenn einmal eine bürgerliche Mehrheit im Parlament gewisse Steuererleichterungen beschliesst für Familien und Betriebe ­ dann wird aufgeheult, als würde die Schweiz untergehen. Und gewisse steuersüchtige kantonale Finanzdirektoren führen sich auf, als wären sie bei Gewerkschafts-Apparatschiks in die Schule gegangen. Immer nach dem Motto: Zuerst füllen die Gnädigen Herren ihre Kassen ­ dann schauen sie, ob den Bürgern grossmütig noch etwas Sackgeld überlassen werden kann. Als wäre es ein Verbrechen, von ständig steigenden Krankenkassen-Prämien heimgesuchten Familien einmal eine Entlastung statt immer nur neue Belastungen zu gewähren. Als wäre es ein Verbrechen, der Leistung erbringenden und Werte schaffenden Wirtschaft das Steuerjoch für einmal etwas zu erleichtern.
Wo liegt denn der Herd der gegenwärtigen Wirtschaftskrise? Längst ist bekannt: Unsere Wirtschaft ­ kleine, mittlere und grosse Betriebe ­ kann ihre Wettbewerbsfähigkeit nur dann behaupten, wenn sie bezüglich Produktivität ihren weltweiten Spitzenplatz bewahren kann. Produktivität aber heisst Innovation, heisst Investitionen. Unsere Wirtschaft, im Markt der Billig-Massenprodukte chancenlos, kann ihre Spitzenposition nur mit neuen, technisch anspruchsvollsten Produkten behaupten. Dafür bedarf es ständiger Innovation. Ständiger! Aber genau diese Fähigkeit zur Innovation droht die Schweizer Wirtschaft heute zu verlieren. Weil sie von bürokratischen Schikanen, von zu hohen Steuern, wegen der teureren Kreditrichtlinien der Banken überbelastet ist. Der Staat hat zwei Möglichkeiten, den drohenden Niedergang abzuwenden: Er muss bürokratische Auflagen ausmerzen. Und er muss Steuererleichterungen gewähren. Genau dies hat eine Parlamentsmehrheit jetzt durchgesetzt. Damit die Wirtschaft wieder Atemraum für Innovation bekommt. Kantonale Finanzdirektoren, die wie Steuerkartellisten der Abschöpfung von Mitteln Priorität einräumen vor der Innovationskraft der Wirtschaft, können damit zwar unangenehmen Spardebatten ausweichen. Aber sie bringen die Schweiz um ihre Zukunftschancen.

Ulrich Schlüer

**Weitere Kommentare**