Nr. 17, 27. Juni 2003
Indirektes
Eingeständnis der Hilfswerke
Agitation gegen Bankkundengeheimnis
Am 23. Mai 2003 stellte die «Schweizerzeit» fest, dass verschiedene Schweizer Hilfswerke eine Frontstellung eingenommen hätten gegen das Schweizer Bankkundengeheimnis. Dies veranlasste die Koordinationsstelle für Entwicklungspolitik zu einem Protestbrief.
Absender dieses Briefes ist Bruno Gurtner, Koordinator für
Entwicklungspolitik in einer von den Hilfswerken Swissaid, Fastenopfer, Brot
für alle, Helvetas, Caritas und Heks gebildeten Arbeitsgemeinschaft. Die
«Schweizerzeit» hatte in ihrem Bericht festgestellt, dass die Hilfswerke die
haargenau gleiche Forderung aufstellten wie die Europäische Union, nämlich
einen international installierten «automatischen Informationsaustausch» über
alle Vermögensanlagen und dies im Prinzip weltweit. Bruno Gurtner hält nun
fest, dass die Hilfswerk-Kampagne für Steuergerechtigkeit nicht aus dem
Ausland gesteuert sei (was die «Schweizerzeit» auch nie behauptet hat).
Danach bestätigt Gurtner aber ausdrücklich, die «Schweizerzeit» hätte die
Hilfswerks-Forderungen (automatischer internationaler Informationsaustausch
über alle Vermögensanlagen, damit den Behörden aller Länder jederzeit
maximaler Steuerzugriff auf sämtliche Leistungserbringer gesichert sei)
«weitgehend zutreffend wiedergegeben». Darauf übernimmt Gurtner fast
wörtlich die Argumentation von EU und OECD, die dem Steuerwettbewerb und
damit jeglicher eigenständigen Steuerpolitik von Staaten den offenen Kampf
angesagt haben und dabei insbesondere die Schweiz ihres
Bankkundengeheimnisses wegen an den Pranger stellen.
Während Gurtner in seinem Brief jegliche Zusammenarbeit im Rahmen einer
internationalen Kampagne bestreitet, bezeichnet sich die Arbeitsgemeinschaft
der Hilfswerke im gleichen Atemzug selber als «zentrale Initiatorinnen
dieses globalen Netzwerkes für Steuergerechtigkeit, gegen schädlichen
nationalen Steuerwettbewerb und gegen unfaire Steuerpraktiken». Und weiter:
«Wir wenden uns gegen diese weltweit existierenden Praktiken. Der Schweizer
Finanzplatz ist allerdings ein gewichtiger Teil dieser Praktiken. ...» Aus
solchen Ausführungen eine Distanzierung von einer internationalen Vernetzung
der Agitation gegen das Bankkundengeheimnis der Schweiz herauslesen zu
müssen, fällt der «Schweizerzeit» weiterhin ausgesprochen schwer.
Ulrich Schlüer