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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 13. Juli 2001

Medien-Kult um NGO's und Krawallmacher
Herrschaft der Lautstärke

Wir leben in einer Demokratie. In der Demokratie bestehen Regeln. Diese stehen in der vom Volk genehmigten Verfassung. Eine der wichtigsten Regeln sagt aus, dass «im Namen des Volkes» oder zumindest eines repräsentativen Teils des Volkes nur aufzutreten und zu spre- chen berechtigt ist, wer dafür in einer demokratischen Wahl ein Mandat erhalten hat.

Eine Regel, die ­ im Zeitalter der Medienherrschaft ­ zur Makulatur zu verkommen scheint. Dass sich einzelne, sich selbst vor und mit den Medien besonders virtuos in Szene setzende Gewählte über- durchschnittliche Beachtung zu sichern vermögen, ist von der Demokratie noch zu verkraften ­ schliess- lich ist dem Wähler kritisches Urteilvermögen zwecks Unterscheidung echter Leistung von blosser Schaumschlägerei zuzumuten. Immer fragwürdiger aber wird, nach was für Gesichtspunkten die Medienmacher die Auswahl treffen, wer mit was für Anliegen überhaupt vor den Medien auftreten darf.

Von Jahr zu Jahr nimmt der Kult der Medien mit den sogenannten NGOs, mit gewissen «Nicht-Regie- rungs-Organisationen» also, überschäumendere Formen an. Zuerst standen Greenpeace, Amnesty International und andere im Vordergrund. Neuerdings zunehmend namenlose oder ihren Namen immer wieder ändernde «Globalisierungs-Gegner». Ihre Spezialität: Sie ziehen Gewalttäter an. Und sie tun gar nichts, die Gewalttäter, all die militanten Demonstranten und zerstörungsfreudigen Wüter auf Distanz zu halten. Weil Zerstörung «Action» bringt. «Action», die den Medien spektakuläre Bilder garantiert. Den Lautstärksten, den Spektakulärsten, den Gewalttätigsten gehört der Bildschirm. Dies selbst dann, wenn sie nichts weiter als sich selbst darstellen. Längst hat sich um diese Produkte der Medienwelt, selbst wenn es bloss Berufs-Krawallanten sind, eine eigentliche Industrie gebildet. Sie organisiert die Reisen, die Übernachtungen, mitunter auch Ausrüstung und Bewaffnung der weltweit vernetzten und operieren- den Manifestanten. Ein Ergebnis des Kults, der seit Jahren mit den NGOs zelebriert wird. Selbst die internationalen Organisationen, selbst Regierungen sind auf diesen Kult aufgesprungen.

Was mit dieser kurzsichtigen, Grundsatzregeln der Demokratie missachtenden Anpassung an die Lautstärksten angerichtet wird, dürfte die Welt anhand der unmittelbar bevorstehenden Ereignisse in Genua demnächst wieder einmal vorgeführt bekommen.

Ulrich Schlüer

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