Nr. 16, 23. Juli 2004

Armeereform gescheitert

Die Armeereform «Armee XXI» ist gescheitert. Ausflüchte, es gelte noch, «Anfangsschwierigkeiten» zu überwinden, sind nicht mehr haltbar. Die Reform ist insgesamt gescheitert.

Zum Kernstück der «Armee XXI» wurde von der Armeespitze die «Professionalisierung der Ausbildung» ernannt. Die Miliz, als «Lehrlinge» diffamiert, sollte in der Ausbildung nichts mehr zu suchen haben. Allerdings: Für das Konzept «Professionalisierung» wären weit über tausend zusätzliche, gut ausgebildete, hoch motivierte Instruktoren nötig gewesen. Sündenteure Werbeanstrengungen wurden dazu eingeleitet. Sie blieben wirkungslos. Es konnten nicht bloss keine zusätzlichen Instruktoren gefunden werden - selbst die heute eingesetzten Instruktoren kehren der Armee in zunehmender Zahl den Rücken. Desillusioniert, demotiviert. Niemand weiss mehr, zu was diese Armee dient, wenn von der Armeespitze fast täglich neue, völlig unausgegorene Ideen präsentiert werden.

Und dann sollte - ein weiteres Kernvorhaben der «Armee XXI» - durch die drastische Verkleinerung der Armee das heutige Missverhältnis zwischen Unterhaltskosten und Investitions-Möglichkeiten für neue Waffensysteme endlich korrigiert werden. Doch mit dem ersten Rüstungsprogramm für die neue Armee zeigt sich bloss, wie planlos, wie völlig ratlos die Armeeführung die Zukunft der Landesverteidigung (ein Wort, das die Armeespitze offensichtlich aus dem Armee-Wortschatz verbannt hat) angeht: Sie will «Transport-Flugzeuge». Diese können, wie sich zeigt, ein paar Dutzend Soldaten transportieren. Samt deren Rucksäcken. Aber das ist dann auch schon alles. In Wahrheit will die Armeespitze zwei militärische Passagier-Flugzeuge beschaffen, mit welchen reiseversessene Generäle, Parlamentarier und andere Wichtigtuer ihre internationale Geltungssucht auf Kosten der Steuerzahler ausleben wollen. Eine völlig überflüssige Anschaffung. Derweil für motivierende Ausbildung das Geld an allen Ecken und Enden fehlt.

Und dann das ständige, widersprüchliche Polit-Schwadronieren des Chefs Armee: Einmal will er bis zu zehntausend Soldaten jährlich in Nordschweden auf grossflächige Panzerschlachten vorbereiten. Wenig später erklärt der gleiche Chef Armee «das Zeitalter der Panzerschlachten in Europa» endgültig als
beendet. Die Panzer könnten abgestossen werden. Doch fast gleichzeitig beantragt er im Rüstungsprogramm die Anschaffung von Genie-Panzern. Derweil die Panzertruppen, Offiziere und Soldaten, «ihre» Panzer schon gar nicht mehr zu Gesicht bekommen. Weil fast alle sich als Botschaftsbewacher die Beine in den Bauch zu stehen haben ...

Dafür will der Armee-Chef - in seiner unerträglichen, zunehmend unkontrollierten Schwatz-Sucht vom VBS-Chef unbegreiflicherweise nicht gestoppt - neuerdings ganze Helikopter-Schwadrone ins Ausland schicken - vom Balkan und von Afghanistan ist die Rede. Und im gleichen Atemzug ernennt
er die Armee zum Teilersatz unterdotierter Polizeikorps, was nahezu die Hälfte aller Bataillone binden werde. Als ob solch hochpolitische Entscheide der Armee-Chef im Alleingang dekretieren könnte.
Die Verwirrung wird täglich grösser. Weil niemand mehr weiss, wofür er überhaupt Dienst tut - zumal niemand sich anschickt, die schweren organisatorischen Mängel von Armee XXI endlich zu beheben.
Klar ist bloss zweierlei: Der unaufhörlich Phantastereien präsentierende Chef Armee, Christophe Keckeis, ist seiner Aufgabe als Umsetzer der Armee XXI nicht gewachsen. Zweitens: Die Armeespitze scheint an allem auf dieser Welt interessiert zu sein, nur an der Schweiz nicht. Diese sei, meint Armee-Chef Keckeis, autonom ohnehin nicht mehr zu verteidigen. Solche Dummheiten bilden den Hauptgrund
dafür, dass die Schweizer Armee im Konzept Armee XXI unter Christophe Keckeis regelrecht erodiert. Weil niemand den Sinn einer Landesverteidigung einsieht, solange sich deren Chefs buchstäblich in die Arme der Nato werfen wollen.

Soll das Auseinanderbrechen der Armee verhindert werden, gehören neue Leute an die Armeespitze. Leute, welche der Armee Sinn innerhalb der Schweiz im Blick auf heutige Bedrohungen zu geben vermögen. Als erstes muss der Chef der Armee abgelöst werden. Je rascher, desto besser für die Armee.