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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 28. Juni 2002

Christoph Blocher erneut im Visier von Frank A. Meyer
Ringier und Fagan

Jetzt nehme, kündigt Ringiers «SonntagsBlick», Dramatik beschwörend, bereits auf der Frontseite an ­ jetzt nehme Ed Fagan «auch Blocher ins Visier», den «Milliardär, Firmen- besitzer» und einstigen Kopf einer Arbeitsgruppe, die ­ so meint Ringier ­ eine «Lobby- Organisation der ganz harten Sorte» gewesen sei.

Vom angeblichen Frontalangriff des Leid und Leichen zielbewusst für fette Honorare ausbeutenden New Yorker Anwalts auf Christoph Blocher schwadroniert Ringier aufgrund eines Interviews, das der «SonntagsBlick» mit Fagan zu dessen Südafrika-Feldzug selbst inszeniert hat. Erstaunlich: In diesem Interview äussert Fagan selbst keinerlei aggressive Gelüste gegen Blocher. Es ist vielmehr der Frage- steller aus dem Hause Ringier, der Fagan gezielt auf Blocher lenkt. Wobei Fagan ­ er weiss von der Schweiz offensichtlich nicht viel mehr, als dass es da Banken hat, die kräftig abzuzocken ihn ungemein gelüstet ­ so allgemein und ausweichend reagiert (er stelle Nachforschungen an, er werde, wenn es ihm angemessen erscheine, schon auf Blochers Unternehmen losgehen...), dass ganz andere Vermutungen aufkommen: Ist es gar nicht Fagan, ist es vielmehr das Haus Ringier, das da Fäden gegen Blocher zu ziehen versucht, auf dass Blocher dem Wunsch Ringiers gemäss ins Visier Fagans gerät? Kann Ringier einfach der Versuchung nicht widerstehen, Fagan auf Blocher zu hetzen? Auf dass die von Fagan grossspurig angedrohte, vom Hause Ringier bereits zum voraus moralisch reingewaschene «Klage- welle» dann auch den aus Sicht des Hauses Ringier Richtigen, eben Blocher, treffe?

Der verbissene Kampf Ringier gegen Blocher ­ bei dem sich Ringier mangels besserer Argumente der «Geheimwaffe Fagan» zu bedienen versucht ­ ist im Hause des «Blicks» offenbar zur Chefsache erklärt worden, dem Moral-Verantwortlichen Frank August Meyer zur Exekution übertragen. Meyer selbst, seinerzeit unverblümter Anhimmler von Mao Tse-tung, dessen breite Blutspur in der Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts er auf geradezu erbärmlich naive Weise weisszuwaschen suchte ­ dieser Meyer schlüpft in Fagans Rolle mit dem Ziel, die Schweizer Wirtschaft um Milliarden zu erleichtern, die er, Guttuer vom Dienst, dann der «gerechten Verteilung» in Südafrika zuführen will.

Frank August Meyer darf sich auf seinem Stuhl in Sicherheit fühlen. Aus dem von ihm seinerzeit verherrlichten Rotchina drohen weder ihm selbst noch seinem Verlag irgendwelche Schadenersatz- klagen. Weil die Diktatur dort überlebt hat, droht ihrem einstigen Bewunderer keine Gefahr. Naiv wäre Meyer allerdings, würde er das Gedächtnis der hiesigen Öffentlichkeit als derart kurz einschätzen, dass seine überaus peinlichen Verbeugungen vor dem Pekinger Totalitarismus bereits vergessen seien.

Ulrich Schlüer

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