Nr. 16, 28. Juni 2002
Warum Intellektuelle
unsere Welt zerstören
Der Brennstoff der Hölle
Von Roland Baader, Waghäusel (Deutschland)
(2. Teil)
Allem Denken und aller Erkenntnissuche haftet die Janusköpfigkeit des menschlichen Verstandes an. Irrtümer und Fehlschlüsse aller Art müssen wir in Kauf nehmen, wenn wir überhaupt zu Erkenntnisfortschritten gelangen wollen.
Trial and error, Versuch und Irrtum: Das ist bekanntlich unsere wichtigste Methode bei der Annäherung an Problemlösungen. Insoweit kann man also irrenden Intellektuellen keinen speziellen Vorwurf machen. Zur bedrohlichen Gefahr werden solche Irrtümer und Fehlerhaftigkeiten erst oder besonders dann, wenn die Theorien nicht mehr oder zu wenig dem freien Wettbewerb der Ideen ausgesetzt sind und wenn sie zu wenig und nicht schnell genug auf ihre Tauglichkeit in Praxis und Realität getestet werden können. Beides, das Herausfinden von Fehlern und ihr schnelles Ausmerzen, hat mit Markt und mit der direkten Zurechenbarkeit und Trägerschaft von Kosten und Gewinnen im Marktgeschehen zu tun. Ideen und Theorien, die am Markt «verkauft» werden müssen, erzeugen relativ rasch Verluste bei den Anbietern, wenn die Nachfrager feststellen können, dass die betreffenden Ideen entweder als Problemlösungen nicht taugen oder den bezahlten Preis aus anderen Gründen nicht wert sind.
Wenn
der Markt fehlt
Unter diesem Aspekt erweist sich das öffentliche Bildungswesen, die öffentliche
und mit Zwangs- abgaben finanzierte Massenverbreitung von Ideen und deren
ungebremste Indoktrination als desaströs. Hier können die Betreiber
des Bildungsmonopols in einer (für sie) paradiesischen Scheinwelt leben,
in welcher ihnen auch dann keine Kosten entstehen, wenn ihre geistigen Produkte
fehlerhaft und untauglich sind. Und hier können oder wollen die Nachfrager
die Produkte nicht zurückweisen, weil es einerseits zu den Angeboten
keine Alternative gibt und weil sie andererseits die angebotenen Produkte
in jedem Fall finanzieren müssen, ganz egal, ob diese gut und nützlich
sind oder nicht. Das geistige Desaster, um ein konkretes Beispiel zu nennen,
das im Deutschland des 19. Jahrhunderts durch die jahrzehntelange universitäre
Herrschaft der Kathedersozialisten eingetreten ist, hätte in einem privat-
wirtschaftlichen und somit pluralistisch strukturierten Bildungswesen
niemals das Ausmass anneh- men können, das es in der deutschen Geistesgeschichte
tatsächlich angenommen hat.
Von zeitloser Gültigkeit bleibt der Satz des Nobelpreisträgers James Buchanan: «Universitäten werden, einmal in staatlicher Hand, letzten Endes zu Einrichtungen, in denen die "Konsumenten" (Studenten) nichts kaufen, die "Produzenten" (Dozenten) nichts verkaufen und die "Eigentümer" (Treuhänder, Aufsichtsbehörden usf.) nichts beaufsichtigen» (zit. nach Radnitzky, 1991, S. 9). Man könnte diesen Satz auch wie folgt umformulieren: Universitäten werden, einmal in staatlicher Hand, letzten Endes zu Einrichtungen, in denen die "Produzenten" (Dozenten) jeden Schund anbieten können (weil er nicht weniger einbringt als Qualitätsware), die "Konsumenten" (Studenten) jeden Schund kaufen (weil er keinen Preis hat) und die "Eigentümer" (Steuerzahler) nichts beaufsichtigen (weil sie auf jeden Fall bezahlen müssen).
Die
eigentliche Weltrevolution
Man sollte sich vor diesem Hintergrund nochmals vor Augen führen, dass
die eigentliche Weltrevolution nicht die sozialistische, marxistische oder
bolschewistische Revolution gewesen ist, sondern der Liberalismus und Kapitalismus,
die im 19. und 20. Jahrhundert angetreten waren, um mit einem freien Weltmarkt,
mit Pluralisierung und Individualisierung die Menschen der ganzen Erde in
Freiheit, Wohl- stand und Frieden zu führen. «Der Kommunismus»,
urteilt Gerd Koenen trefflich, «war im wesentlichen eine Reaktion auf
diese eigentliche Weltrevolution des Jahrhunderts» (Gerd Koenen: Utopie
der Säube- rung. Was war der Kommunismus?, Berlin 1998 / Tb. 2000, S.
402). Und diese Reaktion, sollte man ergänzen, war in ihrer Radikalität
und in ihrem weltumspannenden Ausmass nur deshalb möglich, weil sie von
europäischen Bildungseliten auf Kosten der Steuerzahler betrieben und
in einem alternativlosen Zwangssystem aus Schulpflicht und staatlichem Universitätsmonopol
millionenfach in die Köpfe junger Menschen eingepflanzt werden konnte.
Nicht ohne Grund sind die USA mit ihrem (damals noch) wesentlich freieren
und zu grossen Teilen noch privaten Bildungswesen von dieser geistigen Pest
weitgehend verschont geblieben.
Steuerfinanzierte
Schläger
Das grösste Unglück, das sich die zivilisierte Welt selbst antut,
ist in der Tatsache zu sehen, dass sie die Ideologen-Armee, die permanent
zur Zerstörung der Zivilisation antritt, mit astronomischen Steuer- mitteln
finanziert und subventioniert. Lehrer an Schulen, Professoren an den Universitäten,
Moderatoren und Kommentatoren in den öffentlichen Fernsehanstalten, die
politischen Kader und Dauerschwätzer auf allen Kanälen, die
zwar nicht alle, aber mehrheitlich das Denken der Menschen und besonders
der Jugendlichen vergiften sowie die Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung
der Marktwirtschaft verteufeln und die sozialistischen Destruktionssysteme
verherrlichen: Sie alle werden mit den erzwun- genen Steuern und Gebühren
der breiten Bevölkerungsmassen finanziert, alimentiert, subventioniert
und belohnt. Sie alle müssen sich nicht bemühen, für ihre Ideen
Interessenten und Abnehmer zu finden, die bereit wären, dafür freiwillig
zu zahlen (wie es sonst jeder Anbieter am Markt tun muss), sondern diese Abnehmer
werden ihnen zwangsweise zugetrieben.
Die Indoktrination wird fürstlich entlohnt mit Geldern, die man auch jenen Millionen von Menschen unter Zwang aus der Tasche zieht, die niemals freiwillig etwas für solche «Botschaften» bezahlen würden. Joseph Schumpeter, der grosse Ökonom der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, hat einmal für die Phrasendrescher gegen die Marktwirtschaft das treffende Bild von einem Blinden vorgestellt, der auf seinen Blindenhund einschlägt. Doch ist die Situation der sogenannten «freien» westlichen Gesell- schaften noch tragischer: Sie finanzieren, subventionieren und belohnen die Schläger auch noch mit ungezählten Milliarden.
Beim Thema «Staatliches Bildungswesen» sollte die Tatsache nicht ausgeblendet werden, dass sich in einem dem Privatsektor weit geöffneten Schul- und Hochschulwesen auch die Situation der Lehrer verbessern würde. Jedermann weiss, dass der Lehrberuf heutzutage mit Frustration, ja oft sogar mit Resignation und Depressionen einhergeht. Im öffentlichen Schulwesen sind Lehrer den psychischen manchmal sogar physischen Aggressionen der Schüler fast wehrlos ausgesetzt. In privatisierten Schulen und Hochschulen würden Angebot und Nachfrage wieder auf eindeutigen Vertragsbeziehungen beruhen, die beiden Seiten bei vertragswidrigem Verhalten Sanktionsmöglichkeiten einräumen, vor allem also dem privaten Lehrpersonal, das sein Bildungsangebot an spezifische Verhaltensregeln der Abneh- mer (Schüler) binden könnte.
Revolutionäre
Reservearmee
Fazit: Sozialistische Ideen aber auch deren «weichere» Ableger,
wie die seit Jahren grassierende «Political Correctness»
sind das künstliche Erzeugnis öffentlicher Gelder. Das gilt auch
für die Abhängigkeit der Menschen vom Wohlfahrtsstaat und seinen
Parteienklüngeln. Wer Korruption und moralisch-geistigen Verfall vermeiden
oder wenigstens drastisch reduzieren und limitieren will, muss dafür
sorgen, dass die Menschen ihr Leben und ihre Ideen selbst finanzieren. Sozialistische
und andere totalitäre und gesellschaftszerstörerische Ideen können
nur auf dem reich gedüngten Boden öffentlicher Finanzen wachsen.
Auch die Früchte solcher Ideen wie beispielsweise die zahlenmässige
Explosion vaterloser Familien reifen nur an den steuersubventionierten
Gehölzen des öffentlichen Finanzwesens.
Sogar die Kunst besser: deren Verkehrung zum Gegenteil dessen, was wir für wahr, schön und sinnvoll halten lässt auf diesem mit dem leichten Geld des Wohlfahrtsstaates getränkten Humus die abartigsten Gewächse erblühen. Und erst das öffentliche Bildungswesen eröffnet den Anhängern trüge- rischer und perverser Überzeugungen die Gelegenheit zur massenhaften Verbreitung ihrer Ideen. Der englische Soziologe Dennis O¹Keeffe hat hierfür die einprägsamen Sätze formuliert: «Die intellektuelle Korruption und der geistige Zerfall sind ein künstliches Erzeugnis des Steueraufkommens. Öffentliche Reichtümer und nicht private Reichtümer sind der wahre Brennstoff der Hölle auf dieser Welt (Public, not private funds are Hell¹s most effective earthly fuel) (S. 78)... Das Ausgeben von nicht vorhandenem Geld, das niemandem gehört, ist die verführerischste aller Arten von Korruption» (Deenis O¹Keeffe: Political Correctness and Public Finance, IEA Studies in Education No. 9, London 1999, S. 92).
Hinzu kommt, dass das öffentliche (sozialistische) Bildungswesen seine revolutionäre Reservearmee selber erzeugt. Die am Marktbedarf vorbei ausgebildeten Studentenmassen der Geisteswissenschaften (also ganz selten die Absolventen von Technischen Hochschulen oder sonstigen Fachhochschulen) teilen sich hauptsächlich in zwei Lager: Den einen glückt es, in der staatlichen Bürokratie (oder in den Berufen, die sich mit der Schadensbegrenzung des staatlichen "outputs" befassen wie beispielsweise der Juristerei und der Steuerberatung) standesgemäss unterzukommen. Sie sind dann, wie Robert Michels das schön formuliert hat, «Mietstruppen vergleichbar, die aus Pflichtgefühl, Besorgnis, den Posten zu verlieren, und sonstigem Egoismus mit allen Mitteln den Brotstaat verteidigen.» Die übrigen sind, so Michels, «die geschworensten Staatsgegner, unruhige Elemente, die jede Unzufriedenheit schüren, sich jedem Aufruhr zur Verfügung stellen. Zur Beschwichtigung dieser zweiten gefährlichen Kategorie Intellektueller sieht sich der Staat von Zeit zu Zeit genötigt, die Schleusen seiner Bürokratie zu öffnen und so eine Reihe von Unzufriedenen und Unruhegeistern in sein "konservatives" Lager zu überführen. Indes hinkt der Staat dem intellektuellen Proletariat, das sich schneller zu vermehren pflegt, als es dem Staat möglich ist, neue Bürokratien zu schaffen, stets nach» (Robert Michels: Masse, Führer, Intellektuelle. Frankfurt, New York 1987, S. 225f.).
Leistungs-Eliten
statt Schmarotzer-Eliten
Es genügt also nicht, die öffentliche Beschäftigung und Subventionierung
der Intellektuellen einzu- stellen, weil damit bei nach wie vor laufender
Massenproduktion an den Universitäten das intellek- tuelle Proletariat
und die Reservearmee der Revolution nur noch grösser werden würde.
Die öffentliche Finanzierung als den «Brennstoff der Hölle»
aufzugeben oder wenigstens deutlich zu verringern, kann nur der erste Schritt
zur Stabilisierung und Festigung einer freiheitlichen Ordnung sein. Ein zweiter
muss ihm folgen, nämlich die grundlegende Verbesserung der «Markttauglichkeit»
der Intellektuellen. Und das ist nur mit einer Privatisierung des Bildungswesens
möglich. Nur auf diesem Weg werden Schulen und Hochschulen dem Wettbewerbsdruck
ausgesetzt, der ihre Bildungsleistungen auch danach bewertet, inwieweit sie
draussen in der realen Welt auf Interesse und Bedarf treffen.
Wir können die Feuersbrunst der geistig-ideologischen Gesellschafts- und Freiheitszerstörung nur eindämmen, wenn wir die Voraussetzungen dafür schaffen, dass statt der öffentlichen Intellektuellen wieder private Intellektuelle herangebildet werden und statt der Schmarotzer-Eliten wieder Leistungs- Eliten.
Roland Baader