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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer |
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| Am 16. Juli 1999 zur Stationierung von Schweizer Soldaten im Kosovo | ||
| Ferienfreuden Die Würfel sind gefallen: Volle 55 Millionen Franken werden jetzt also tatsächlich für die fünfzehnmonatige Stationierung von 160 Schweizer Soldaten in Kosovo zum Fenster hinausgeworfen: 24 000 Franken pro Soldat und Monat kostet den Steuerzahler diese Prestige-Übung. Bei der - unter anderem - mehrere Schweizer Militärköche «multikulturell» für andere Nato-Einheiten - nicht etwa für notleidende, von Milosevic um ihre Behausung gebrachte Kosovari - kochen dürfen. Trotz Ferienzeit würden, vernimmt man aus dem Bundeshaus, die Vorbereitungen für diesen Auslandeinsatz der Armee fieberhaft vorangetrieben. Die Schreibtisch-Generäle fühlen sich im Element, wohl wissend, dass die schrittweise Unterstellung unserer bisher eigenständigen Armee unter Nato-Strukturen auch verlockende Reisen zu Nato-Stäben und -Planungszentren verspricht. Und dies erst noch unter dem scheinbar alles rechtfertigenden Deckmantel, in dieser Welt endlich «Gutes tun» zu können. Eine andere Berner Verwaltungsabteilung, die für Betreuung und baldige Rückführung der hier weilenden Kosovo-Flüchtlinge zuständige, geniesst derweil offenbar eher ihre Ferienruhe. Mit der Folge, dass aus der Schweiz heute praktisch keine Rückreisen erfolgen. Sogar Rückkehrwillige werden zu wochenlangem Warten verurteilt. Alle andern Länder Westeuropas forcieren derweil die Rückführung ihrer Flüchtlinge mit Nachdruck. Dass die Schweiz dabei nicht mitmacht, dafür ist der Grund zu finden: Die Rückführung hat nämlich über Mazedonien zu erfolgen. Mazedonien, um sein labiles Gleichgewicht zwischen albanischen Muslimen und Orthodoxen fürchtend, verlangt für die papierlosen Rückkehrer Passierscheine. Doch Bern hat - im Gegensatz zu allen andern westeuropäischen Ländern - offenbar «vergessen», diese Passierscheine rechtzeitig zu besorgen. Und jetzt, wo das sträflich Versäumte dringlichst nachzuholen wäre, scheinen die dafür Zuständigen sich zumeist in den Ferien zu befinden. Und so geschieht eben nichts. Von den ihren Auslandeinsätzen entgegenfiebernden Armee-Planern zu erwarten, sie würden, weil offenbar vollzählig im Dienst, für ihre ferienabwesenden Kollegen im Flüchtlingsamt einspringen und sofort das tun, was die Öffentlichkeit seit Wochen erwartet - darauf hofft man vergeblich. Das Organisieren von Millionen verschlingender Nutzlosigkeit ist Bern wichtiger als das Auswetzen offensichtlicher Pflichtvergessenheit - was immer auch die Öffentlichkeit erwartet. Wer das Geschehen der sich in prestigeträchtigen Nebensächlichkeiten verlierenden, pflichtgemässes Bewältigen des Notwendigen aber verschlafenden Bundesverwaltung in diesen Tagen beginnender Ferienfreuden verfolgt, dem beginnt zu dämmern, weshalb der Bundesrat sofort einen «Staatsstreich» wittert, wenn der sich in breiten Bevölkerungskreisen ausbreitende Unwille in Volksinitiativen mündet, die dem offensichtlichen Versagen endlich zu Leibe rücken wollen. Berns Staatsstreich-Hysterie gedeiht vor allem dort, wo der eigene Umgang mit Prioritäten gelegentlich einer Selbsteinschätzung unterzogen wird. Ulrich Schlüer Ihre Meinung interessiert uns! Sie erreichen uns unter: Zur persönlichen Homepage von Ulrich Schlüer |
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