«Wir
wollen frei sein, wie die Väter waren»
Von Pfarrer Hans Schmutz, Zürich
Zweimal - 1991 und 1998 - sind wir im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts zu
Jubiläumsfeiern aufgerufen worden. Es gab Stimmen, welche die bewährte Tradition
der Schweiz rühmten und dazu aufforderten, diese auch in Zukunft zu bewahren. Der
französische Staatsmann Jean Jaurès erklärte: «Tradition bewahren heisst nicht
Asche aufheben, sondern eine Flamme am Brennen erhalten.» Was ist mit dieser
Flamme gemeint? Sind es gar mehrere Flammen, die wir Schweizer am Brennen
erhalten müssten? Stellt man diese Frage Seminaristen oder Gymnasiasten, hat man
Antworten zu gewärtigen, auf die man nicht gefasst ist. Weil sie völlig anders
ausfal-
len können als jene Erfahrung, die wir heute Älteren in der Schweiz von damals
erle-
ben durften.
1940: Drang nach Freiheit
Ich erinnere mich zurück an die Versammlung einer Studentenverbindung am 3. März
1940, als in einem Vortrag zum Thema «Die Versklavung des Menschen an den
Staat» unter anderem ausgeführt wurde: «Alles Handeln des Menschen wird letzten
Endes durch den Drang nach Freiheit bestimmt... Wenn der Staat die Freiheit des
Bürgers fördert, ist er gut, wenn er sie hindert, ist er schlecht.»
Wir waren damals alle überzeugt, dass die Schweiz ein guter Staat ist. Natürlich
wussten wir um die Bedrohung vom Norden her. Landauf und landab erwachte der
Wehrwille. Zugegeben, im Urteil über den Nationalsozialismus waren wir uns nicht
ganz einig. Trotzdem herrschte so etwas wie ein nationaler Konsens. Keiner hätte
sich geweigert, pathetisch in Schillers Rütlischwur einzustimmen:
«Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und
Gefahr.
Wir wollen frei sein, wie die Väter waren, eher den Tod, als in der Knechtschaft
leben.»
In den Tagen der Bedrohung stimmte es mit unserem schweizerischen
Identitäts-
bewusstsein.
Krise
Gegenwärtig muss von einer Krisis dieses Bewusstseins gesprochen werden. Im-
mer unausweichlicher lautet die Frage: «Schweiz - wohin?» Aber auch heute geht
es, wenn auch unter völlig anderen Voraussetzungen, um das Überleben der Schweiz.
Es gibt Leute, die einer toten Schweiz nicht eine Träne nachweinen würden.
Zu ihnen
schien beispielsweise Max Frisch gehört zu haben. Auf die Einladung des Bundes-
rates zum Europatag in Sils Maria antwortete er, dass er bei aller Liebe zu den
Schweizer Landschaften nichts gemein habe mit diesem «verluderten Staat». Der
andere grosse Schweizer Dramatiker, Friedrich Dürrenmatt, hat in seinem Zynismus
noch kurz vor seinem Tode behauptet, dass die Jubiläumsglocken 1991 das
Be-
gräbnis der Schweiz einläuten würden.
Ich war überrascht, dass die verderbliche Saat der beiden Literaten unter
Mittelschü-
lern auf Boden gefallen ist, auf dem sie spriessen und gedeihen konnte. Ein Junge
erklärte mir, dass er das Wort «Heimat» nicht mehr hören könne. Ein anderer
be-
merkte, dass nach seinem Dafürhalten das Tessin auch zu Italien gehören könnte.
Ein Dritter doppelte nach: «Für mich ist es denkbar, dass die deutschsprachige
Schweiz ein Teil Deutschlands wird.»
Ich blieb einigermassen ruhig und gelassen, weil ich längst schon erkannt habe, dass
die historischen Erfahrungen, welche die schweizerische Identität meiner Generation
prägen, ihre Kraft verloren haben. Dennoch: Statt die Generationen immer mehr
aus-
einanderbrechen zu lassen, ist es ein vordringliches Gebot der Stunde, dass über
alle Altersunterschiede hinweg das Gespräch gesucht wird, wo immer sich dazu
Gelegenheit bietet. Es gilt das kostbare Gut der Freiheit neu zu entdecken.
Wo stehen wir?
Was ist denn mit Freiheit gemeint? Der grosse Denker Karl Jaspers schreibt in
sei-
nem Buch «Das Wagnis der Freiheit» unter anderem: «Unter Freiheit des einzelnen
Menschen verstehen wir das Selbstdenken und das Handeln aus eigener Einsicht
und damit die Führung des Lebens in der Kontinuität des eigenen Wesens. Unter
politischer Freiheit verstehen wir den Zustand der Gemeinschaft, in dem die Freiheit
aller Einzelnen die grösste Chance hat.»
Ich bin überzeugt, dass unsere staatliche Gemeinschaft nach wie vor ein Optimum an
persönlicher Freiheit bietet. Es sind die vielen verfassungsmässigen Freiheitsrechte,
die Redefreiheit, die Pressefreiheit, die Koalitionsfreiheit, die Niederlassungsfreiheit
und ganz besonders die Glaubens- und Gewissensfreiheit, die es uns ermöglichen,
über uns selbst zu bestimmen.
Dazu kommen die politischen Freiheiten, das Stimm- und Wahlrecht; das Recht zur
Initiative und zum Referendum lassen uns aktiv teilnehmen an der Gestaltung des
öffentlichen Lebens.
Unser Land ist ein kleines Land, aber die Freiheit macht es weit. Es ist nicht lange
her, da sind wir vom Ausland um unsere Staatsbürgerschaft beneidet worden. In
jüngster Zeit ist unsere Heimat durch verschiedene Skandale allerdings ins Zwielicht
geraten. Mehr aber als diese Skandale beschäftigt mich, was ein besonders ver-
trauenswürdiger, unbestechlicher Beobachter, einer aus dem eigenen Volk,
ausge-
sagt hat:
Bundesrat Prof. Traugott Wahlen ist einmal von der Neuen Helvetischen Gesellschaft
eingeladen worden, an der ETH einen Vortrag zu halten zum Thema: «Wo stehen
wir?» In schonungsloser Offenheit sprach Wahlen davon, dass Rücksichtslosigkeit,
Profitgier, Skrupellosigkeit und Rechtsbruch den Alltag bestimmen. Seine kritischen
Worte haben an Aktualität wahrlich nichts eingebüsst. Wörtlich erklärte er:
«Wir haben die materiellen Grundlagen zu einem Leben in Menschenwürde
geschaf-
fen und verstehen dieses Leben nicht zu leben. Wir verfügen über die Mittel, die uns
die Freiheit geben könnte, und lassen uns durch sie knechten... Der Wohlstand hat
uns nicht frei gemacht zur Pflege und zum Genuss geistiger Dinge, sondern er spannt
uns ein zum Geldverdienen um des Geldverdienens willen.»
Sehr aufschlussreich ist folgende Anekdote: Gott schuf den ersten Schweizer und
fragte ihn: «Was willst du, lieber Schweizer?» - «Berge», antwortete der Schweizer.
Gott schuf Berge für den Schweizer und fragte ihn: «Was willst du noch?» -
«Kühe»,
sagte der Schweizer. Gott schuf Kühe für den Schweizer. Der Schweizer melkte die
Kühe, trank die Milch und fragte: «Willst du kosten, lieber Gott?» Der liebe Gott nahm
den Becher, trank ihn aus und sagte: «Die Milch ist wirklich besonders gut - was willst
du noch, lieber Schweizer?» «Einen Franken zwanzig», sagte der Schweizer.
So wichtig es ist, von tüchtigen Finanzfachleuten beraten zu werden, die ehrlich sich
bemühen, den Wohlstand zu sichern und ihn allen, auch dem Kleinsparer zugänglich
zu machen, so unleugbar ist, dass beschämende Skandale zu einem grossen Teil
auf das «Fränklidenken», wie Duttweiler es einmal nannte, zurückzuführen sind.
Im
ganzen Volk geht «de Sime Sämeli» um. Jeremias Gotthelf sagt von ihm: «Der
Geld-
säckel war sein Herrgott.»
Solch hilfloses Verfallensein an Silber und Gold ist nur möglich, weil die innere
Frei-
heit verlorengegangen ist. Die innere Freiheit, das ist die Freiheit des Geistes und
des Herzens. Unsere Unfreiheit beginnt da, wo wir irgendeiner Macht ausgeliefert
sind. Bei Gottfried Keller lesen wir:
«Vergeblich würden alle freien Gesetze und tot alle Rechte sein, wenn wir
unsere ge-
fährlichsten Zwingherren, die Leidenschaften des Neides, des Hasses, des Stolzes
und der Unsitte jeglicher Art in unserer Brust nicht zu bekämpfen vermöchten. Denn
wer der Knecht der eigenen Leidenschaften ist, fällt zuletzt jeder Art von Knechtschaft
anheim. - Lasset uns jeder an seinem Ort nicht nachlassen in Übung der so nötigen
Selbsterkenntnis und Selbstbeherrschung, welche den Mann erst zum freien Mann
erhebt.»
So beeindruckend dieser Appell Kellers auch ist, so bin ich doch überzeugt,
dass wir
aus eigener Kraft die Freiheit des Geistes und Herzens nicht zu schaffen vermögen.
Wir bedürfen der Hilfe Gottes, die er uns in Jesus Christus anbietet. Im Aufblick zu
Christus bekennt der Evangelist Johannes: «Wenn euch der Sohn frei macht, werdet
ihr recht frei sein.»
Die innere Freiheit
Um zu verstehen, warum ausgerechnet dieser seltsame Mann aus Nazareth uns zur
inneren Freiheit verhilft, müssen wir wissen, wer Er eigentlich ist. Jesus Christus ist
Gottes Liebe in Person. In allem, was er verkündigt und getan hat, ist die Liebe
Gottes als Grund, Inhalt und Ziel unseres Lebens offenbar geworden. Gottes Liebe
behält den Sieg! Wer immer es wagt, diese Liebe gelten zu lassen, der findet die
innere Freiheit.
Die Zeit drängt, dass wir der Tatsache eines kühl ausgesagten und von Millionen
praktisch vollzogenen Atheismus widerstehen und die Flamme des Glaubens, wenn
nötig, neu entfachen. Dieser Glaube sichert die Freiheit - denn er macht es möglich,
Voraussetzung und Sinn der Freiheit zu erfüllen. Wahre Freiheit hat immer eine
Vor-
aussetzung. Diese Voraussetzung ist die Verantwortung. Echte Freiheit muss
Frei-
heit zur Verantwortung sein oder sie ist keine Freiheit.
Um über das Prinzip «Verantwortung» Klarheit zu schaffen, gilt es allem voran zu
bedenken, dass es wirkliche Verantwortung nur gibt, wo es ein wirkliches Antworten
gibt. Dieses Antworten hat das, was der Mensch denkt, sagt und tut, zu begründen
und zu rechtfertigen. Entscheidend ist, dass eine fragende Instanz vorhanden ist und
anerkannt wird.
Wer aber ist diese Instanz? Wem ist der Mensch verantwortlich? Der neuzeitliche
Mensch versucht, diese Verantwortung vor sich selbst zu tragen, er steht also
sozu-
sagen mit sich selbst im Gespräch. Dieses Gespräch führt allerdings zu einer
Scheinverantwortung. Denn der Mensch kann nicht selbst Gesetzgeber und Richter
sein. Er kann nicht gleichzeitig der sein, der die Frage stellt, und der, welcher gefragt
ist. Er wird das Gespräch, wo es unangenehm wird, ganz automatisch abbrechen.
Diese Begrenzung gilt auch für alle Gemeinschaften, in die wir gestellt sind.
Es muss
eine Verantwortung geben, deren Wurzel jenseits des von Menschen geschaffenen
Rechts zu suchen ist.
Prof. Max Huber, einst Mitglied des Internationalen Gerichtshofes und später
Präsi-
dent des IKRK, hatte in Biel an einer Maturitätsfeier unmissverständlich erklärt:
«Wer
Verantwortung sagt, sagt Gott.»
Dasselbe meinte auch der Kirchenvater Augustinus aus dem 5. Jahrhundert mit den
Worten: «Wahre Freiheit besteht in der Gebundenheit an Gott.»
Absolute Bindungslosigkeit?
Damit ist ein grobes Missverständnis aufgedeckt, dem viele verfallen sind: Sie wollen
frei sein im Sinne von absoluter Unabhängigkeit. Einer ihrer namhaftesten modernen
Wortführer ist Jean Paul Sartre. Er behauptet:
«Der Mensch ist völlig sich selbst überlassen. Er ist total frei.»
Sartre hat bekanntlich Schule gemacht. Denken wir an die extremen Befürworter einer
antiautoritären Erziehung oder an die Jugendbewegung der 68er Jahre. Der kapitale
Fehler beider Gruppen war, dass sie die Freiheit als Naturzustand beurteilten. Sie
träumten von der Rückkehr ins Paradies. Ihre Parole lautete:
«Tun, was man will, wie man will, wo man will.»
Jeanne Hersch, die sorgfältig und kompetent die Forderungen der antiautoritären
Erziehung und der Jugendunruhen untersucht hat, schreibt: «Das ist doch Unsinn -
das ist nicht Freiheit, das ist Willkür.»
Hersch spricht von nihilistischer Leere. Der Kommission, die Freiräume gefordert hat,
wo die Jungen tun könnten, was sie wollten, antwortete sie: «Die Jungen brauchen
keine Freiräume, sondern etwas, wofür sie sich begeistern können. Sonst bleibt nur
Selbstmord oder Droge.»
Die Erfahrung bestätigt immer neu wieder, dass Menschen, die sich absolut setzen,
der inneren Freiheit verlustig gehen. Des Menschen Herz ist eben kein Niemands-
land, es ist immer besetzt. William Penn hat klar erkannt, dass es niemals einen
Menschen geben kann, der nicht an etwas oder jemanden gebunden wäre. Er hat es
auf den einfachen Nenner gebracht:
«Entweder wird der Mensch von Gott regiert oder von einem Götzen.»
Weil Gott uns liebt und will, dass auch wir ihn lieb haben, darum will er keinen
zwin-
gen, sich seiner Herrschaft zu beugen. Wir sind eingeladen, uns in Freiheit dafür zu
entscheiden.
Im Wissen um die Unentrinnbarkeit des göttlichen Gefragtseins dürfen wir im
Wort
der Heiligen Schrift sofort auch erkennen, dass die Freiheit nicht nur eine
Voraus-
setzung hat, sondern auch einen Sinn.
Erich Kästner klagt in seinem Schatzkästlein: «Man schuftet, lebt und liebt und isst
und kann sich's nicht erklären, wozu das alles nötig ist.»
Gegenüber dieser trostlosen Sinnlosigkeit eröffnet die an Gott gebundene Freiheit
den wahren Sinn des Lebens. Das ist der Sinn, dass wir nicht aufhören, sie
wahrzu-
nehmen, um das von Gott gesetzte Gute, das Summum bonum, das höchste Gute,
nämlich die Liebe, zur Geltung zu bringen.
Liebe
Aus, in und zu der Liebe leben, das heisst, als freier Mensch sinnvoll leben. Damit ist
uns eine immerwährende Aufgabe gestellt, die wir, so lange wir leben, immer neu
angehen müssen. Keiner, auch nicht einer, ist über das Kämpfenmüssen
hinausge-
wachsen.
Zwar ist das Wort «Liebe» wie eine bis zur Unkenntlichkeit abgegriffene Münze.
Darum will ich den Begriff klären: Ich denke nicht an die «Schenke zum Vollmond»
mit dem Slogan: «Kann denn Liebe Sünde sein?» Ich meine auch nicht die
Sexuali-
tät. Ich meine auch nicht den Eros, dieses Zärtlichkeitsbedürfnis, einander nahe
zu
sein. Ich meine «Agape», um es neutestamentlich zu formulieren. Gemeint ist die
Bereitschaft, das Leben im Dasein für andere zu verwirklichen. Niemals habe ich
vergessen, was ein mir befreundeter Psychiater einmal sagte:
«Ihr redet immer von Nächstenliebe und unterschlägt, dass es im Gebot der
Liebe
auch heisst: Wie dich selbst.»
Es ist sicher richtig, dass es jedem in seiner Freiheit auch um sich selber gehen darf,
um seine Selbstfindung und Selbstwerdung, um seine Selbstbestätigung, um seine
Selbständigkeit. Aber dieses Moment der Freiheit, diese Ichbezogenheit darf
nie-
mals das Zentrum der Freiheit sein. Wo sie das Zentrum ist, wo einer die Freiheit
ausschliesslich vom Ich her und auf das Ich hin konzipiert, da ist er nichts anderes als
ein grosser Egoist. Die Freiheit vom Egoisten ist niemals die Freiheit unter Brüdern,
niemals die Freiheit derer, die Menschsein und Mitmenschsein, Menschlichkeit und
Mitmenschlichkeit nicht voneinander trennen können. Es ist vielmehr die Freiheit des
Hechtes und des Hais, die Freiheit, wo der Grosse den Kleinen frisst.
Wahre Freiheit
Es ist die Freiheit der Buttersaucelein-Politiker, die, wie die Kinder in Pankraz dem
Schmoller von Gottfried Keller, versuchen, mit raffiniert angelegten Abzugskanälchen
das Saucelein, das die Mutter über den Brei giesst, auf ihre Seite zu bringen. Das
Ende vom Lied ist: Die Kinder gehen in offenem Friedensbruch mit ihren Blechlöffeln
aufeinander los, die Grossen mit ihren Bomben.
Wahre Freiheit, die eine Freiheit zur Liebe ist, ist auf den Mitmenschen ausgerichtet.
Niemals ist sie absolut! Immer steht sie unter dem Vorbehalt des Du, unter dem
Vor-
behalt des Wir. Dieses «unter Vorbehalt» verstehen wir niemals als ein passives
Erleiden der Beschränkung persönlicher Freiheit, sondern als ein aktives Handeln,
also nicht bloss als eine Koexistenz, nicht bloss als ein Miteinander und
Nebeneinan-
der, sondern als eine Proexistenz, als ein Füreinandersein, ein Füreinanderdasein.
Wie das Licht, das in ein Prisma fällt, in verschiedenen Farben sich bricht
und in
Erscheinung tritt, so äussert sich die Freiheit zur Liebe in verschiedenen
Verhaltens-
weisen.
Sie äussert sich in Offenheit und Ehrlichkeit, in gegenseitiger Wertschätzung und
Achtung, in festem Vertrauen, in Geduld und uneingeschränkter Toleranz, in
Verge-
bungsbereitschaft und im Geist der Versöhnlichkeit, im Friedenhalten und
Frieden-
stiften, im festen Willen zur Gerechtigkeit. Lasst mich eine Äusserung noch
beson-
ders hervorheben: Wo echte Freiheit zur Liebe ist, da sucht man sich nicht im
Regie-
ren, sondern im Dienen zu übertreffen.
Was auch immer auf uns zukommen mag, eines allerdings bleibt für mich
indiskuta-
bel: Ich will ein freier Schweizer sein und bleiben. Dasselbe wünsche ich auch meinen
Nachkommen. Hoffentlich werden sie selber klug und stark genug sein, ihre Freiheit
niemals für ein noch so schmackhaftes Linsengericht zu opfern.
Vergessen wir nicht: Eine wirklich freie Schweiz, die eine einmalige Gemeinschaft
verschiedener Völker, Sprachen, Kulturen und Konfessionen darstellt, bringt Europa,
das seine Einheit sucht, mehr als eine gleichgeschaltete Schweiz.
Gotthelf mahnt: «Zentralisieren ist ein beliebtes Wort, in einer Demokratie
sollte es
ein verhasstes Wort sein.»
Dasselbe gilt für mich auch für das Modewort «Globalisieren». Ich hoffe, dass ich
noch erleben darf, dass Stimmen wie beispielsweise diejenige von General Eisen-
hower wieder laut werden. In einem Dankesschreiben an unseren damaligen
Bundes-
präsidenten bezeugte er:
«Wir nehmen die angenehmsten Eindrücke von unserem Aufenthalt in der Schweiz
mit, dem Lande der Freiheit und der Demokratie. Der Geist der Gerechtigkeit und
des Respekts vor der menschlichen Würde, der die schweizerische Gesinnung be-
seelt, bildet eine ständige Quelle der Inspiration für all jene, die der Menschheit einen
wahren und dauernden Frieden sichern möchten.»
Eine solche Schweiz wird überleben. Eine solche Schweiz muss auch der jungen
Generation echte Heimatgefühle vermitteln und Begeisterung auslösen, Schweizer zu
sein und für das eigene Land sich mitverantwortlich zu engagieren.
Hans Schmutz, Pfr.
**Zurück zum Inhaltsverzeichnis der Ausgabe Nr.15 vom 16. Juli 1999**
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