Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer

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Am 2. Juli 1999 zum Thema "Asylpolitik"
Flucht vor der Pflicht
Mit der Zeit gelangt die Landesregierung zur Einsicht, endlich Massnahmen
ergreifen zu müssen, um das ausser Kontrolle geratende Asylproblem doch
noch in den Griff zu bekommen. Deshalb schickt der Bundesrat jetzt 160 Soldaten
als Freiwillige nach Kosovo. Für 55 Millionen Franken, verteilt auf 15
Monate. Das heisst: Jeder einzelne dieser Freiwilligen kostet den Bund
allmonatlich vierundzwanzigtausend Franken! Nur damit er dort ist. Wie
viele kriegsbeschädigte Häuser mit so viel Geld doch instand gestellt
werden könnten! Geht es dem Bund angesichts derartiger Geldverschwendung
überhaupt um Hilfe? Oder sucht er, nach wie vor von bewaffneten
Auslandeinsätzen träumend, vor allem ins Schlepptau der Nato zu kommen?
Doch nicht genug des schweizerischen Geldsegens: Jedem rückkehrbereiten
Kosovo-Albaner will Bern fortan auf Kosten der Steuerzahler ein «Startgeld»
von fünftausend Franken ausrichten. Bis jetzt sind bekanntlich 50 000
Kosovari hier als Asylanten registriert. Weitere werden noch kommen. Nähmen
etwa 50 000 das Angebot aus Bern an, dann würde das die Eidgenossenschaft
eine volle Viertelmilliarde kosten. Für Bern offenbar eine Kleinigkeit.
Wie viele Kosovari, die heute lieber nach Westeuropa als zurück nach Kosovo
gehen wollen, dürften durch diese beiden Bundesratsmassnahmen -
Militärentsendung und Rückreisegeld - wohl davon abgehalten werden, die
Schweiz als Reiseziel zu wählen? Sicher: Die fünftausend Franken
Rückreise-Prämie werden Wirkung zeigen. Viele werden sie abholen und auch
zurückkehren - um ihren Vettern, Brüdern, Schwestern und anderen Verwandten
zu raten, auch noch in die Schweiz zu ziehen, um dort reichlich vorhandene
Rückkehr-Prämien abzuholen...
Für der Schweiz dienende, längst überfällige Massnahmen fehlen in der
Landesregierung Wille und Geld allerdings weiterhin: Nach wie vor bleiben
mehrere hundert Grenzstellen unbesetzt - ungehindertes Eindringen allen
offerierend, die in die Schweiz wollen, ob Schlepper, Arbeit- oder
Komfortsuchende. Und nach wie vor fehlt der Regierung der Mut, endlich
gegen jenen Nachbarn - Italien - mit wirksamen Mitteln vorzugehen, der noch
immer Schlepperei zu Lasten der Schweiz duldet und fördert, damit er die
Flüchtlinge, die er nicht will, elegant wieder loswird.
Schlepperei: Das hat mit Menschenhandel, mit skrupelloser Ausnutzung von
Notlagen zu tun. Da werden also Menschenrechte verletzt. Dies könnte, hätte
unsere Regierung den Mut dazu, am Menschenrechts-Gerichtshof eingeklagt
werden. Aber dieser Mut fehlt.
Zur Verschleierung dieses fehlenden Mutes schickt der Bund jetzt Soldaten
nach Kosovo, zahlt er Rückkehr-Prämien. Das ist Flucht aus der Pflicht.

Ulrich Schlüer

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