Nr. 14, 18. Mai 2007

Zum Abgang von Israel Singer und Edgar Bronfman beim Jüdischen Weltkongress
"Korrupt und unehrlich"

Von Reinhard Wegelin, Redaktor "Schweizerzeit"

Der Jüdische Weltkongress (WJC) hat den langjährigen Generalsekretär und Vorsitzenden Israel Singer fristlos entlassen. Anfangs Mai ist auch der langjährige Präsident Edgar Bronfman zurückgetreten.

Alfred Donath, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG) kommentierte den Rücktritt von Bronfman mit den Worten, dass die Leitungsebene des WJC "korrupt und unehrlich" sei. Dem JWC und insbesondere seinem langjährigen Generalsekretär Israel Singer waren schon lange ungetreue Geschäftsführung, versuchter Diebstahl und Geldwäscherei vorgeworfen worden.

Neutralität: ein "Verbrechen"?

Man erinnert sich nur zu gut: Mitte der Neunziger Jahre wurden Angriffe gegen die Schweiz durch die Spitze des WJC in Gang gesetzt. Am 20. Februar 1996 forderte Israel Singer, ausgebildeter Rabbi, in Bern die Schweiz auf, "ihre verlorene nationale Würde" wiederherzustellen. Singer bezeichnete die Schweizer Regierung und die Banken später als Gauner. Noch am 26. Januar 2005 nannte Singer als Vorsitzender des WJC in der "Financial Times" die Schweizer Neutralität im Zweiten Weltkrieg ein "Verbrechen". Das Gleiche sagte er zuvor schon an der Gedenkveranstaltung zum 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz.

Genfer Konto-Skandal

Der WJC selbst hat inzwischen zahlreiche Beweise veröffentlicht, die Singer schwer belasten. Da stehen zuoberst, wie kürzlich die jüdische Zeitung "Tachles" berichtete, Manipulationen aller Art, privater Profit auf Kosten des WJC sowie der Griff in die Kassen des israelischen und des lateinamerikanischen WJC-Büros. Im Jahr 2002 soll Singer überdies 1,5 Millionen Dollar auf ein Nummernkonto einer Genfer Bank eingezahlt haben, doch die Bank habe die Überweisung aus formellen Gründen zurückgewiesen. Vermutlich weil die Summe zu gross war.

Einige Monate nach dem missglückten Transfer von 1,5 Millionen Dollar auf ein Genfer Nummernkonto begann Singer, 1,2 Millionen Dollar - diesmal in mehreren Tranchen - auf ein selten benütztes Konto des Genfer WJC-Büros zu überweisen. Eine vom SIG durchgesetzte Analyse der Kontobewegungen der letzten zehn Jahre auf den Genfer WJC-Konten förderte ein Leck von fünf Millionen Franken zutage.

Die Zeitschrift "Facts" schrieb kürzlich: "Wer hätte gedacht, dass am Schluss vielleicht ein geheimes Konto auf einer Schweizer Grossbank das Schicksal des World Jewish Congress entscheidet?" Dem ist nichts hinzuzufügen.

Bronfman und D'Amato

Auch der langjährige Präsident des JWC, Edgar Bronfman, kritisierte die Schweiz mehrmals scharf. So sagte er, die Schweiz sei ein "sogenannt neutrales Land, das die Geldgier zur Kollaboration mit den Nazis trieb" und nannte die Schweizer "freiwillige Verbündete der Nazis", welche "mit der Asche des Holocaust Geld verdient" haben. Bronfman zog für seine Angriffe den New Yorker Senator Alfonse D'Amato bei, der als Sprachrohr für die Attacken gegen die Schweiz eingesetzt wurde und sich mit Aussagen wie der folgenden profilierte: "Die Schweizer stahlen Milliarden Dollar in Gold von den Wehrlosen und Armen und halfen dieser üblen Mordmaschine." 1998 holte der Jüdische Weltkongress (WJC) im Schweizer Bankenvergleich rund 1,25 Milliarden Dollar heraus.

Edgar Bronfman, Milliardär, ehemaliger Besitzer des Schnaps-Imperiums Seagram, war seit 1981 Präsident des WJC. Er bezahlte 15 Prozent des WJC-Budgets. Es wird sich zeigen, ob der WJC mit dem Abgang von Edgar Bronfman und Israel Singer eine demokratischere Struktur bekommt und ob die WJC-Angriffe gegen die Schweiz damit endlich zur Ruhe kommen.

Reinhard Wegelin