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Der aktuelle Frontseitenkommentar von Chefredaktor Ulrich Schlüer vom 30. Mai 2003
Geld wie Heu
So haben wir sie also wieder, sie, der Welt teuerste Grenzgängerin. Volle 208 000 Franken durfte der Steuerzahler allein für den Flug hinblättern, auf dass sich unsere weitgereiste Aussenministerin bei ihrem Schritt über die innerkoreanische Grenze so aufführen konnte wie weiland jener, der als erster Mensch auf dem Mond seine Fussabdrücke hinterlassen hat. Derweil müssen zahlreiche Genfer Geschäftsinhaber eilends ganzen Strassenzügen entlang Schaufenster verbarrikadieren und vernageln, nackter Selbstschutz vor dem sich lautstark zum G8-Gipfel ankündigenden internationalen Mob der Berufs-Chaoten. Denn würden sie immerhin regelmässige, gute Steuerzahler und ihre Verkaufsläden Opfer von Zerstörungen und Plünderungen, sie stünden mit dem Schaden mutterseelenallein da. Wenn die Classe politique die Nase in die Weltpolitik und sei es auch nur vom Katzentisch aus stecken zu können glaubt, dann dient der Griff in die Staatskasse einzig dem standesgemässen Hofieren der vermeintlich Grossen dieser Welt und der damit erhofften Selbstinszenierung. Steuerzahler, auf die vom Staat zu gewährleistende Sicherheit zählend, gehen dagegen völlig leer aus, wenn sie die Folgen dieser internationalen Wichtigtuerei zu tragen haben. Ganz so, wie es die Menschheit schon zu Zeiten des Louis XIV. erlebt hat.
Derweil erbringt Bundesrätin Metzlers Flüchtlingsamt seit Jahren vor dem täglichen Asylmissbrauch kläglich versagend wahre Spitzenleistungen im Geld-Ausgeben. Für sein vor allem Berufs-Schleppern wertvolle Anregungen vermittelndes Asylspiel am Internet (es wurde, als es Gregor Rutz in der «Schweizerzeit» der letzten Woche ausführlich vorstellte, noch gleichentags von der Website genommen) hat es sage und schreibe 70 000 Franken verpulvert. Wobei das «Spiel», trotz Rückzug, nicht einfach gelöscht wird. Es soll vielmehr, erneut wohl für Tausende von Franken, von dritter Seite fachmännisch «beurteilt» werden.
Und gleichzeitig wird ruchbar, dass die Schweiz zwecks «Aufbau einer multi-ethnischen Armee» ausgerechnet im zerklüfteten, von jeher von Stämmen regierten Afghanistan eilends einige Offiziere nach Kabul geschickt hat im Dringlichkeitsverfahren, damit das Parlament den Unsinn nicht rechtzeitig unterbinden kann. Nur weil gut zwei Dutzend andere Regierungen zu demselben Zweck auch Militärs entsandt haben. Die Schweiz, ängstigen sich die Befürworter entsprechender Geldverschwendung, würde sich doch «isolieren», wenn sie nicht auch in Kabul mit von der Partie wäre.
Kein Zweifel: Unsere Regierung glaubt noch immer, Geld wie Heu verteilen zu können vor allem dann, wenn sich einige ihrer Exponenten teure Steckenpferde damit grosszügig finanzieren lassen. Minimale Rücksicht zu nehmen auf wirtschaftlich an allen Fronten bedrängte Steuerzahler das scheint man in Bern endgültig verlernt zu haben.
Ulrich Schlüer