Nr. 14, 30. Mai 2003
Cannabis-Konsum soll
«salonfähig» werden
Folgeschäden sind schlimmer als
behauptet
Von Adrian Billerbeck, Reinach BL
Die für die Juni-Session im Nationalrat traktandierte Diskussion um die «Entkriminalisierung» von Cannabis-Konsum ist schon seit einiger Zeit im Gange. Auf der Strasse tut man zur gleichen Zeit so, als ob es nie ein Verbot gegeben hätte oder geben würde.
Als Passant muss ich den beissenden Gestank von gerauchten Joints nicht nur auf der Strasse, sondern auch im öffentlichen Verkehrsmittel ertragen. Die Polizei befindet sich in einem Dilemma: Sie schliesst zwar einen Hanfladen nach dem anderen, der Konsum wird hingegen stillschweigend geduldet. Über die Folgen von Cannabis-Konsum wird nicht oder nur ungenügend informiert.
Das sagt die Wissenschaft
Seit mehr als vierzig Jahren versucht die Wissenschaft die Folgen von Cannabis-Konsum
zu untersuchen. Allein in der Zeit zwischen 1964 und 1982 gab es 6500 Studien.
Am Ziel ist man aber noch lange nicht. Die Resultate, welche man bis heute
gesammelt hat, lassen sich zu zwei Grunderkenntnissen zusammenfassen.
1. Die beobachteten Zusammenhänge zwischen Cannabis-Konsum und möglichen Folgeschäden sind erschreckender als angenommen. Die Folgeschäden beinhalten Wachstumsstörungen bei Jugendlichen, Unterdrückung des Immunsystems, fünf- bis zehnfach erhöhtes Lungenkrebsrisiko im Vergleich mit Tabak-Rauchern, Zerstörung des körperlichen Vitaminhaushaltes, Schädigung des Erbguts und der Fortpflanzung, Verdacht auf (bleibende) Hirnschäden usw.
2. Cannabis-Konsum kann nicht mit Alkoholkonsum verglichen werden, obwohl dies die Befürworter einer Cannabis-Legalisierung sehr gerne tun. Alkohol besteht aus einer einzigen Substanz: Ethanol. Cannabis dagegen enthält über vierhundert chemische Bestandteile, von denen nicht alle erforscht sind. Beim Rauchen verwandeln sich die vierhundert Bestandteile in weitere zweitausend Substanzen, und beim Abbau im Körper werden weitere Hunderte von Substanzen erzeugt ein wahrer Chemie-Cocktail. Weiter ist Alkohol eine körpereigene Substanz und baut sich relativ schnell ab (0,1 Promille in einer Stunde). THC, der eigentliche psychoaktive Wirkstoff von Cannabis, ist eine körperfremde Substanz. Abbauprodukte von Cannabis können, je nach Konsummenge, für immer im Körper bleiben.
Ich will hier die verheerenden Wirkungen von Alkoholmissbrauch nicht verharmlosen. Es ist anderseits eine Tatsache, dass Alkohol in geringen Mengen ein ganzes Leben lang ohne Folgen konsumiert werden kann. Nur als Rauschmittel hat er schlimme Folgen. Cannabis wird hingegen bewusst zur Erzeugung eines Rausches eingenommen und verursacht hierbei auch bei unregelmässigerem Konsum eine breite Palette von Störungen und Krankheiten.
«Fortschrittliche
Gesellschaft»
Auf die Frage, wie es zur Forderung nach «Legalisierung und Entkriminalisierung»
von Cannabis-Konsum kam, bekommt man von den Befürwortern meistens folgende
Antwort: Man lebe in einer realistischen und fortschrittlichen Gesellschaft.
Die Behörden können niemals den Cannabis-Konsum unterbinden, noch
haben sie das nötige Personal dazu. Der Cannabis-Konsument müsse
selber wissen, was gut für ihn sei; sprich: Man will hier angeblich die
Eigenverantwortung fördern. Weiter könne man die mehreren hunderttausend
Cannabis-Konsumenten in der Schweiz nicht einfach als Kriminelle darstellen.
Zudem gebe es Geld in die Kasse des Bundes, wenn man den Cannabis-Verkauf
besteure.
Es mag vielleicht seltsam klingen, aber bei der neuen Promillegrenze von 0,5 für Autolenker haben die Behörden plötzlich genug Personal, um die Einhaltung dieser Grenze zu kontrollieren. Hat man am Steuer jetzt 0,8 Promille, so gilt man als unverantwortlich krimineller Autolenker und wird entsprechend bestraft bei Rückfällen allenfalls mit Gefängnis, relativ rasch bereits mit Führerausweis-Entzug.
Neue Vorschriften
Es sind nur noch wenige Schritte nötig, bis die Legalisierung und Entkriminalisierung
vor Cannabis Tatsache ist. Das Volk muss (weil das Referendum bereits angekündigt
ist) noch darüber abstimmen. Es geht dabei um das «neue Betäubungsmittelgesetz».
Die zahlreichen Beratungsstellen für Eltern, Jugendliche und Drogenabhängige
bereiten sich aber schon heute auf die Annahme des Gesetzes vor. «Kiffen
gehört halt zur heutigen Pubertät», ist man dort der Meinung.
Die Befürworter (Linke und bürgerliche Mitte) wollen nebst der Legalisierung
und Entkriminalisierung die Prävention bei Jugendlichen steigern und
den Verkauf von Cannabis an unter 18jährige mit neuen Gesetzen und Paragraphen
verbieten. Dies ist wohl jetzt schon zum Scheitern verurteilt, wenn man sieht,
wie der Staat den Alkoholkonsum von Jugendlichen nicht im Griff hat.
Von der Droge fernhalten
Es ist klar, dass bei einer Legalisierung und Entkriminalisierung die letzte
Hemmschwelle wegfällt und der Cannabis-Konsum, so hart dies jetzt auch
tönt, praktisch salonfähig gemacht wird. Für die Lehrerschaft
(der grösste Teil gehört der Basis von linken Parteien an) ist die
jetzige Situation mit kiffenden Schülern schon nicht mehr zumutbar. Die
Leistungen und die Konzentrationsfähigkeit gehen zurück, die Schülerinnen
und Schüler, welche längere Zeit unter dem Einfluss von THC stehen,
werden über kurz oder lang dem Unterricht nicht mehr folgen können.
Der für die Legalisierung eingeplante Jugendschutz wird sich als Illusion
erweisen, und die Zahl der bekifften Schüler wird weiter zunehmen. Dies
kann im Strassenverkehr und bei Sportanlässen zur akuten Gefahr werden.
Die daraus entstehenden verunglückten Schulkarrieren, Persönlichkeits-Fehlentwicklungen
und gescheiterten Berufsbildungsgänge kann sich die Gesellschaft nicht
leisten. Die jetzigen Cannabis-Konsumenten kann man nur schwer oder gar nicht
mehr vom Gegenteil ihres Tuns überzeugen. Es sollte aber das Ziel unserer
Gesellschaft sein, mit überlegter Präventionsarbeit und striktem
Cannabis-Konsumverbot dafür zu sorgen, dass Leute, vor allem Jugendliche,
von dieser Droge ferngehalten werden.