Nr. 14, 7. Juni 2002

Erfolgsgeschichte und Misserfolgsgeschichte
25 Jahre Christoph Blocher

Seit 25 Jahren ist Christoph Blocher Präsident der Zürcher SVP. Seit 25 Jahren eilt die Zürcher SVP von Wahlsieg zu Wahlsieg ­ und die FDP von Wahlniederlage zu Wahlniederlage. Wel- ches sind die Gründe für Erfolg und Misserfolg?

Die Gründe erklären sich aus der Entwicklung der beiden Parteien. 1975, zwei Jahre vor der Wahl Christoph Blochers ins Parteipräsidium, war die Zürcher SVP auf dem Tiefpunkt: Mit 11,3 Prozent der Stimmen stellte sie noch vier Nationalräte. Die FDP erzielte gleichzeitig 18,5 Prozent der Stimmen und entsandte sieben Nationalräte nach Bern. Nach den Wahlen kürte die FDP Rudolf Friedrich zum Partei- präsidenten, nachdem der frühere Parteipräsident Fritz Honegger in den Ständerat gewählt worden war.

1979 ­ jetzt präsidiert von Christoph Blocher ­ erzielte die SVP 14,5 Prozent der Stimmen, womit sie fünf Mandate errang. Christoph Blocher wurde als Parteipräsident bestätigt. Die FDP erzielte mit 22,4 Prozent der Stimmen ihr Spitzenresultat. Sie entsandte neun Nationalräte nach Bern. Rudolf Friedrich wurde neu in den Nationalrat gewählt, weshalb er als Parteipräsident zurücktrat. Neuer Präsident wurde Hans-Georg Lüchinger.

Achtziger Jahre
1983 stagnierte die SVP: Sie erzielte 13,8 Prozent der Stimmen und behielt ihre fünf Nationalratssitze; Christoph Blocher blieb Präsident der Partei. Die FDP verzeichnete ebenfalls einen geringen Rückgang: Sie erzielte noch 21,8 Prozent der Stimmen, womit sie erneut neun Mandate errang. Der neu in den Nationalrat gewählte Parteipräsident Hans-Georg Lüchinger trat zurück. An seiner Stelle wurde Richard Reich Zürcher FDP-Präsident. 1987 machte die SVP einen Schritt vorwärts: Sie erzielte 15,2 Prozent der Stimmen, womit sie neu sechs Abgeordnete nach Bern schickte. Christoph Blocher wurde als SVP- Präsident bestätigt. Die FDP sank auf 20,3 Prozent Stimmenanteil zurück, verlor ein Mandat und entsandte noch acht Nationalräte nach Bern. Richard Reich, 1987 neu in den Nationalrat abgeordnet, trat als FDP-Präsident zurück. An seiner Stelle wurde Oscar Fritschi zum Präsidenten gewählt.

Neunziger Jahre
1991 überflügelte die SVP erstmals die FDP. Sie erzielte 20,2 Prozent der Stimmen und entsandte neu acht Nationalräte nach Bern. Christoph Blocher blieb Präsident der SVP. Der Stimmenanteil der FDP sank zurück auf 18,7 Prozent. Sie verlor erneut ein Mandat, schickte also noch sieben Nationalräte nach Bern. Oscar Fritschi trat als neugewählter Nationalrat vom Präsidium zurück. An seiner Stelle wurde der Horgener Walter Bosshard zum FDP-Präsidenten gewählt.

1995 realisierte die SVP erneut einen enormen Stimmengewinn: Sie erzielte 25,5 Prozent der Stimmen, womit sie neun Nationalräte nach Bern schickte. Christoph Blocher wurde als SVP-Präsident in seinem Amt bestätigt. Die FDP sank dagegen zurück auf 18,1 Prozent Stimmenanteil, verlor ein Mandat, womit sie noch sechs Nationalräte nach Bern entsandte. Walter Bosshard schaffte den Sprung nach Bern zunächst nicht, konnte aber wenig später nachrücken, als Vreni Spoerri in den Ständerat gewählt wurde. Bosshard trat als FDP-Präsident zurück. An seiner Stelle wurde Martin Vollenwyder ins FDP- Präsidium gehoben.

1999 erzielte die SVP einen stärkeren Durchbruch als je zuvor. Sie steigerte sich auf einen Wähleranteil von 32,5 Prozent, gewann nicht weniger als vier Mandate dazu, so dass sie neu dreizehn Nationalräte (und zusätzlich einen Ständerat) nach Bern entsandte. Christoph Blocher wurde kurz nach den Wahlen als Parteipräsident bestätigt. Die FDP sank auf 17,8 Prozent zurück, behielt aber sechs Nationalrats- sitze. Erstmals wurde der amtierende Präsident klar nicht in den Nationalrat gewählt; dennoch trat Martin Vollenwyder als Parteipräsident zurück.

Dem Leser dürfte daraus deutlich werden, was ein Parteipräsident bewirkt, der politische Ziele anhand eines klaren politischen Programms verfolgt ­ und was mit einer Partei geschieht, deren Präsidenten ihr Präsidium in erster Linie als persönliches Sprungbrett für die persönliche Karriere nutzen.

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