Nr. 14, 1. Juni 2001

Exzesse in Steuergeld-Verschwendung
«Erlebnispädagogik»

Das Höhlendrama in Goumois ist bekanntlich glimpflich ausgegangen. Ein Schaden bleibt einzig für die Steuerzahler.

Im Sozialstaat braucht es Sozialarbeiter. Diese wiederum müssen für ihre Aufgabe irgendwie ausge- bildet werden. Zu diesem Zweck wurde in der grössten Schweizer Stadt bereits im Jahre 1920 die «Soziale Frauenschule Zürich» gegründet. Im Rahmen der verbreiteten Bildungs-Inflation mutierte die Frauenschule vor einigen Jahren zur «Hochschule für soziale Arbeit», aus Schülern wurden «Studie- rende». Finanziert wird diese «Hochschule», die Jahr für Jahr mehr als 150 Sozialarbeiter produziert, weitestgehend mit Steuergeldern.

Die den zukünftigen Sozialarbeitern vermittelte «Hochschul»-Bildung ist anspruchsvoll und vielseitig. So ermöglicht die Fakultät ihren Studenten unter anderem die Belegung des Faches «Erlebnispädagogik». Dabei sollen im «Umgang mit Grenzsituationen» die «individuellen Fähigkeiten und Kompetenzen» auf den Gebieten «Selbstwahrnehmung», «Stressmanagement» und «Kommunikation» gestärkt werden. Finanziert wird diese «erlebnispädagogische» Hochschulbildung selbstverständlich ebenfalls mit Steuer- geldern.

Im Fach «Erlebnispädagogik» werden den Studenten, wie es allein der Begriff schon gebietet, «Erleb- nisse» vermittelt. Eine Möglichkeit besteht in der Begehung von Höhlen. Darauf spezialisiert hat sich die Firma «Altamira Erlebnispädagogik GmbH» in Basel. Sie gewährt mit ihren Höhlenbegehungen gemäss Selbstdarstellung eine «kompetente Begleitung auf dem Veränderungsprozess» und fördert «die psy- chosoziale Kompetenz» der Teilnehmer. Der Geschäftsleiter der Erlebnispädagogik-Höhlenbegehungs- Firma ist von Beruf nicht etwa Höhlenforscher, sondern Sozialarbeiter, ausgebildet an einer mit Steuer- geldern finanzierten Schule (bzw. «Hochschule») für Sozialarbeiter.

Die Ereignisse vom 16. bis 19. Mai sind bekannt: Trotz Warnungen eines ortsansässigen Wirtes ange- sichts der kritischen Wetterlage und begleitet von nur gerade einer blutjungen «Erlebnispädagogik»- Höhlenforscherin (üblich sind pro Gruppe zwei Begleiter) stiegen sieben Studenten der Sozialarbeiter- «Hochschule» in eine Höhle in Goumois ein, wurden dort vom Hochwasser überrascht, entkamen nur knapp dem Ertrinkungstod und konnten erst nach einer dreitägigen Rettungsaktion, zu der 300 Mann aufgeboten werden mussten, geborgen werden.

Ein grosser Teil der Kosten des Rettungseinsatzes in der Höhe von mehr als 300'000 Franken ist von keiner Versicherung gedeckt. Doch darüber brauchen sich weder die Organisatoren des Höhlen-Trips noch die Leiter der «Hochschule für soziale Arbeit» noch die um ein Erlebnis bereicherten Studenten Sorgen zu machen; der Zürcher Bildungsdirektor Ernst Buschor erklärte am 25. Mai 2001 anlässlich eines Besuchs in Goumois feierlich, für den offenen Betrag werde die Zürcher Regierung aufkommen. Auch die Rettungsaktion wird somit mit Steuergeldern finanziert.

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