18. Juni 1999

346109 Franken Jahreslohn vom Kanton Zürich
Übersetzer müsste man sein!

Von Thomas Meier, Zürich

Es ist eine traurige Tatsache, dass es unter den Zehntausenden von Men-
schen, die aus dem Kosovo und den angrenzenden Ländern des ehemaligen 
Jugoslawien als Flüchtlinge in die Schweiz strömen, auch Personen gibt, 
welche die Gastfreundschaft unseres Landes schamlos ausnützen, um sich 
hier kriminell zu betätigen.


Noch nie hatten Polizei und kantonale Strafuntersuchungsbehörden so viele Geset-
zesverstösse von Personen aus dem Kosovo zu verzeichnen wie heute. Der Auf-
wand, den ausländische Straftäter für die Polizei, die Strafuntersuchungsbehörden, 
die Gerichte und die Strafvollzugsbehörden verursachen, ist gewaltig. Rund die Hälfte 
aller Straftaten werden heute von ausländischen Personen verübt. Im Kanton Zürich 
zum Beispiel, der über eine der präzisesten Kriminalstatistiken aller Kantone verfügt, 
gehen 55,1 Prozent der Einbruchdiebstähle auf das Konto von Ausländern. Mehr als 
zwei Drittel der Insassen der Gefängnisse unseres Landes sind Ausländer.
Besonders dramatisch ist die Situation auf dem Gebiet der Jugendkriminalität (10- 
bis 17jährige) und bei den Gewaltdelikten Körperverletzung, Raub, Vergewaltigung 
und sexuelle Nötigung. Hier sind die Tatverdächtigen im Kanton Zürich in 70 Prozent 
der Fälle Ausländer. Für nicht weniger als 25,5 Prozent der von Jugendlichen verüb-
ten Gewaltdelikte sind Delinquenten verantwortlich, die aus dem ehemaligen Jugo-
slawien stammen. Geradezu dramatisch zugenommen hat in den vergangenen Mo-
naten der Anteil derjenigen Straftäter, die vor ihrer Einreise in die Schweiz im Kosovo 
lebten.

Dolmetscher-Flut

Bei einem ausländischen Tatverdächtigen, der nicht deutsch spricht (oder behauptet, 
nicht deutsch zu sprechen), sind die Polizei, die Strafuntersuchungsbehörden und die 
Gerichte von Gesetzes wegen verpflichtet, bei Befragungen, Einvernahmen und Pro-
zessen Dolmetscher beizuziehen und die Untersuchungs- und Gerichtsakten in die 
Sprache des Delinquenten zu übersetzen. Dies erfordert einen gewaltigen Aufwand 
an Dolmetscher- und Übersetzungsdiensten. So beschäftigt zum Beispiel die Be-
zirksanwaltschaft Zürich, die für Strafuntersuchungen in der Stadt Zürich zuständig ist, 
allein für Straffälle, in die Personen aus dem Kosovo verwickelt sind, 40 Albanisch-
Dolmetscher. Und selbstverständlich muss jeder dieser Sprachspezialisten für seine 
Tätigkeit entschädigt werden.

Manager-Lohn

Nach zuverlässigen Informationen, die verschiedenen Politikern des Zürcher Kan-
tonsrates zugegangen sind, hat die Bezirksanwaltschaft Zürich dem 1961 geborenen 
Albaner M. T. allein im Jahr 1998 unter dem Titel «Entschädigung für Übersetzer-
tätigkeit» das fürstliche Honorar von 252183.20 Franken ausbezahlt. Für weitere 
Dolmetscherdienste, die M. T. für andere Behörden im Kanton Zürich wie die Frem-
denpolizei, das Obergericht, zwei Bezirksgerichte und andere Bezirksanwaltschaften 
geleistet hat, sind dem Übersetzer im genannten Jahr zusätzlich 93925.95 Franken 
zugegangen.
Man rechne: Der Albaner M. T., der über keine höhere Ausbildung verfügt und einzig 
das Glück hat, sowohl albanisch wie deutsch zu sprechen, hat 1998 aus öffentlichen 
Mitteln des Kantons Zürich ein Jahresgehalt von sage und schreibe 346109.15 Fran-
ken bezogen. Das ist mehr, als das bestbezahlte Mitglied einer kantonalen Regierung 
unseres Landes, ein Zürcher Regierungsrat, verdient. Allein die Bezirksanwaltschaft 
Zürich hat die Dolmetscherdienste von M. T. in den fünf Jahren 1994 bis 1998 mit 
dem Betrag von 737704.20 Franken vergütet. Wie ein Dolmetscher beim Staat auf
ein so hohes Honorar kommen kann, ist schleierhaft; das geltende Reglement über 
die Entschädigung von Dolmetschern sieht einen Stundenansatz von 70.- Franken 
vor, was einen Lohn in der genannten Höhe völlig ausschliesst.

Staatliche Schwarzarbeiter

Bei diesem Fall einer völlig überrissenen Entschädigung eines Übersetzers handelt 
es sich nicht um den einzigen Missstand im Zusammenhang mit den Dolmetscher-
diensten bei der Bezirksanwaltschaft Zürich. So ist kürzlich bekannt geworden, dass 
die genannte Behörde in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres einen albani-
schen Übersetzer beschäftigt hat, obwohl dieser über keine Arbeitsbewilligung ver-
fügte, sondern bloss über eine Aufenthaltsbewilligung des Kantons Bern. Überdies 
sind im November 1998 zwei Übersetzer, die in den Diensten der Bezirksanwalt-
schaft Zürich standen, von der Tessiner Polizei wegen Verdachts auf strafbare 
Handlungen verhaftet worden.

Aufklärung gefordert

Da die aufgedeckten Unregelmässigkeiten schwer wiegen - es liegt ein krasser Fall 
von Steuergeldverschwendung vor, und es ist beunruhigend, wenn gegen amtliche 
Dolmetscher und Übersetzer, bei denen es sich aufgrund ihrer Tätigkeit für die Straf-
untersuchungsbehörden zweifellos um Vertrauenspersonen handelt, Strafuntersu-
chungen im Gange sind -, haben zwei SVP-Vertreter im Zürcher Kantonsrat interve-
niert und mit einem parlamentarischen Vorstoss eine lückenlose Untersuchung der 
skandalösen Vorgänge und die entsprechenden Konsequenzen gefordert. Die Re-
gierung des Kantons Zürich muss jetzt unter anderem die Fragen beantworten, wie 
viele Dolmetscher bei den Strafuntersuchungs- und Gerichtsbehörden sowie bei der
Polizei beschäftigt sind, wieviel die gesamte Übersetzertätigkeit die Steuerzahler 
kostet und wie viele Dolmetscher eine Entschädigung von mehr als Fr. 150 000.- im 
Jahr erhalten.

Das Schweigen der Medien

Erstaunlich am vorliegenden Fall ist die Tatsache, dass die Medien, deren Parla-
mentsberichterstatter den Wortlaut des parlamentarischen Vorstosses (in dem die 
Missstände ausführlich dargestellt sind) kennen, über den Justizskandal mit Still-
schweigen hinweggehen. Man stelle sich den Wirbel vor, der von den Medien ver-
anstaltet würde, wenn für die Affäre nicht, wie dies hier der Fall ist, ein SP-Regie-
rungsrat, sondern ein bürgerliches Regierungsmitglied politisch verantwortlich wäre! 
Ein Grund für das Schweigen dürfte auch sein, dass die Informationen über das 
Ausmass der Kriminalität von Kosovo-Albanern in der Schweiz und über die Unge-
reimtheiten beim Dolmetscherdienst wohl schlecht in das von den Medien täglich 
vermittelte Bild vom Elend der vor dem Krieg in Jugoslawien flüchtenden Menschen 
passen.

Thomas Meier, Zürich

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